Vertreter des Auswärtigen Amtes war in Kundus frühzeitig über tote Zivilisten informiert – Kritische Fragen an Steinmeier

Frank-Walter Steinmeier, foreign minister (Sec...

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Hamburg (ots) – In der Kundus-Affäre muss auch SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier offene Fragen beantworten. Wie das Hamburger Magazin stern in seiner neuen, wegen der Feiertage bereits am Dienstag erscheinenden Ausgabe berichtet, war bereits kurz nach dem Luftangriff ein Vertreter des Auswärtigen Amtes über tote Zivilisten informiert. An der Spitze des Amtes stand damals noch Steinmeier. Nach stern-Informationen nahm der Vertreter des Amtes in Kundus, Burkhard Ducoffre, als ziviler Leiter des Wiederaufbauteams der Bundeswehr am 4. und 5. September an Gesprächen teil, bei denen Bundeswehrsoldaten, Militärpolizisten und Vertreter afghanischer Behörden über tote Zivilisten referierten.

Wie das Magazin unter Berufung auf vertrauliche Protokolle weiter berichtet, meldete ein belgischer Stabsfeldwebel, der am Mittag des 4. September mit einem Nato-Team in einer Ortschaft nahe dem Bombardement die Bevölkerung befragt hatte, es seien "14 Zivilpersonen getötet und 4 Zivilpersonen verwundet worden". Der Belgier kündigte eine Namensliste "zur Prüfung von Entschädigungszahlungen" an. Der deutsche Hauptfeldwebel D. bestätigte diese Meldung, sprach aber von "7 verwundeten Zivilisten". Diplomat Ducoffre war auch dabei, als am folgenden Tag ein Bezirksbürgermeister von zehn toten Zivilisten im Dorf Jacub Bay sprach.

Obwohl der Vertreter seines Ministeriums informiert war, sprach Steinmeier in den ersten Tagen nach dem verheerenden Luftangriff der Bundeswehr lediglich von "möglicherweise unschuldigen Opfern". Ende November forderte der SPD-Politiker, inzwischen Oppositionsführer im Bundestag, als einer der ersten einen Untersuchungsausschuss, um "unverzügliche Klarheit über die Hintergründe" der Informationspannen beim Luftangriff zu erhalten. Eine Anfrage des stern zu den Vorgängen ließ Steinmeier unbeantwortet.

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