iff-Überschuldungsreport 2009 zeigt Überschuldungsverlauf Durchschnittliche Dauer des Überschuldungsprozesses 13 Jahre

Hamburg (ots) – Überschuldung ist ein gesellschaftliches Phänomen, welches jährlich Millionen Haushalte betrifft und auf viele Lebensbereiche negative Auswirkungen hat. Das Hamburger institut für finanzdienstleistungen e.V. (iff) präsentiert, unterstützt von der Stiftung „Deutschland im Plus“, mit dem Überschuldungsreport 2009 neue Ergebnisse und zeigt Handlungsfelder auf. In einer Pilotstudie wurde zum ersten Mal die Dauer des Überschuldungsprozesses mit ihren einzelnen Phasen untersucht.

Von Überschuldung Betroffene durchlaufen mehrere Phasen: Fast vier Jahre vergehen nach dem Auslöser der Überschuldung bis zum Besuch der Beratungsstelle, wo nach einer rund 3-monatigen Wartezeit die Betreuung ca. 9 Monate beträgt. Das folgende Restschuldbefreiungsverfahren dauert 6 Jahre. Dieses Verfahren bleibt als Negativmerkmal noch etwa zwei Jahre bei den Auskunfteien gespeichert. Insgesamt werden acht von zehn Betroffenen in den untersuchten Beratungsstellen in das Verbraucherinsolvenzverfahren überführt.

Häufigster Überschuldungsauslöser ist immer noch die Arbeitslosigkeit. Die seit 2009 wieder steigende Arbeitslosenquote und der enorme Anstieg bei der Kurzarbeit ließen sich bereits im ersten Quartal 2009 an den Frühindikatoren der Überschuldeten ablesen. „Aus den Ergebnissen können wir bereits die Prognosen für 2010 ableiten“, so Prof. Dr. Udo Reifner vom iff. Für das Jahr 2010 sei demnach mit einer steigenden Anzahl von Überschuldeten zu rechnen.

An der besonderen Überschuldungsgefährdung einzelner Bevölkerungsgruppen hat sich seit Jahren nichts geändert. Alleinerziehende Mütter und Väter und Partnerhaushalte mit drei oder mehr minderjährigen Kindern sind besonders stark von Überschuldung betroffen. Ein Nährboden für Überschuldung ist die Armut: Die aktuelle Situation zeigt, dass acht von zehn überschuldeten Haushalten einkommensarm sind. Sie verfügen über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens. Die durchschnittliche Schuldenhöhe bei den Überschuldeten, die nicht selbständig sind, beträgt 26.123 Euro und verteilt sich auf 17 Forderungen. Jeder zehnte Ratsuchende in Schuldnerberatungsstellen ist selbständig. Hier zeigt sich eine besondere Brisanz: Die durchschnittliche Verschuldung bei diesen Überschuldeten beträgt 89.998 Euro.

„Die Ergebnisse zeigen uns, wie wichtig ein dauerhaftes Engagement zur Überschuldungsprävention ist“, stellt Prof. Dr. Michael-Burkhard Piorkowsky, Vorstand der Stiftung „Deutschland im Plus“, fest. „Mit unserem Angebot einer Telefon- und Onlineberatung wollen wir dazu beitragen, die emotionale Barriere zu überwinden, die beim ersten Schritt zur Beratungsstelle besteht.“ Auf der Website www.deutschland-im-plus.de bietet die Stiftung unkomplizierte Hilfe: Schuldnerberater beantworten online und per Telefon die Fragen der Hilfesuchenden. Die gebührenfreie Rufnummer lautet: 0800/5 03 58 51.

Darüber hinaus setzt die Stiftung auch auf finanzielle Bildung von Jugendlichen. In Nürnberg ist ein Projekt in unterschiedlichen Schultypen erfolgreich angelaufen und wird nun konsequent ausgebaut: Unter dem Motto „Konsum geplant – Budget im Griff“ erweitern Schüler dabei ihr finanzielles Grundwissen. Anhand von Budgetplänen werden in den Unterrichtseinheiten der Stiftung beispielhaft Einnahmen und Ausgaben gegenübergestellt und Strategien für den Umgang mit dem eigenen Geld entwickelt. Eine Broschüre bietet zusätzliche Informationen zum Thema Überschuldungsprävention und dient auch als Nachschlagewerk zu Begriffen rund um Budget und Kredit. „Konsum geplant – Budget im Griff“ wurde im September 2009 als UNESCO-Dekadeprojekt ausgezeichnet.

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