Die Stadt Duisburg und Dr. Ribhi Yousef

Ribhi_Yousef

Bild: Stadt Duisburg http://www.duisburg.de/news/102010100000209855.php

Mein Gott, wie die Zeit vergeht! Okay, was soll sie auch sonst machen?! Die Zeit. Aber trotzdem: dass das alles jetzt schon dreißig Jahre her ist. Unglaublich!

Was ist in diesen Jahrzehnten nicht alles passiert! Der Sowjetsozialismus ist untergegangen, Deutschland wiedervereinigt, die Kinder sind groß geworden, ich habe heute auch ein paar Zipperlein mehr als 1979. Oder war es 1980?
Allerdings gibt es noch ein paar Ecken auf dieser Welt, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Zum Beispiel hier in Duisburg in der Ecke Finkenstraße / Sternbuschweg. Oder – mal ein kleiner Blick hinaus über den Tellerrand – zum Beispiel die ganze Ecke da im Nahen Osten. Und was Ribhi und mich betrifft: nun ja, wir sind älter geworden, haben unseren Doktor und unseren Ruf. Nebenbei, weil mir dies an dieser Stelle wichtig ist: jeder von uns seinen eigenen.
Apropos Sowjetsozialismus und Finkenkrug: Ribhi und ich standen da an einem der großen Biertische – inmitten einer acht- bis zehnköpfigen Gruppe vom MSB Spartakus. Wie immer, damals, womit feststeht, dass man nicht sagen kann, im Finkenkrug habe sich überhaupt nichts verändert. Ribhi wurde zu Palästina gefragt; denn Ribhi Yousef ist Palästinenser.

Wie gesagt: das ist jetzt schon dreißig Jahre her. Deshalb bitte ich um Verständnis, dass ich nicht mehr alles im Detail erinnere. Ich weiß aber noch genau, dass ich mit seinen Ausführungen nicht einverstanden war. Also ließ ich es mir nicht nehmen, meine freie unabhängige Meinung zum Thema zum Besten zu geben.
Zur besseren Einordnung: damals tobte der sog. Kalte Krieg zwischen Ost und West, und meine Position, die man heute „Zweistaatenlösung“ zu nennen pflegt, erfreute sich im Westen keineswegs allzu großer Beliebtheit, weil Israel noch längst nicht so weit war, sich mit einem souveränen Staat Palästina anzufreunden, geschweige denn, ihn zu fordern. Allerdings war der Osten, der inzwischen laufend Propaganda gegen die „zionistischen Aggressoren“ machte, für die Zweistaatenlösung. Es war also um meine Sicherheitslage am runden Tisch im Finkenkrug nicht schlecht bestellt.
Das wusste auch Ribhi Yousef, der sich berufen fühlte, mein Statement zu bewerten – nicht ganz zu Unrecht; denn er ist ja Palästinenser. „Korrekte Position“, bestätigte Ribhi. „Aber sag mir eins, Werner! Wo liegt Palästina?“ Vielleicht ahnen Sie jetzt, warum ich Ihnen mit dieser ollen

Kamelle komme. Heute ist Dr. Ribhi Yousef nämlich der Vorsitzende der hiesigen Regionalgruppe der DPG. Das meint hier nicht die Deutsche Postgewerkschaft, sondern die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft.
„Werner, wo liegt Palästina?“ Um Zeit zu gewinnen und wegen unserer Zuhörer hatte ich ihm die Frage beantwortet, um dann die Gegenfragen zu stellen: „Sag mal, Ribhi, willst Du wirklich Israel weg haben? Wie soll das gehen? Willst Du die Juden ins Meer treiben?“ Ribhi Yousef schmunzelte, zuckte mit den Achseln und wiederholte die Frage: „Wo liegt Palästina?“

Daraufhin erhöhte ich den Grad meines emotionalen Engagements in der Diskussion und verwies darauf, dass nicht nur die ruhmreiche Sowjetunion, sondern auch der damalige PLO-Chef Arafat die Realitäten anerkenne und sich um eine Zweistaatenlösung bemühe. Damals machte es jedenfalls diesen Eindruck. Yousef erläuterte, Arafat sei ein Bourgeois, was an diesem marxistisch geprägten Biertisch klar als Positionsbestimmung verstanden wurde, und ein Verräter und alles.
Gut, das alles ist nun dreißig Jahre her. Da kann man natürlich seine Meinung ändern, muss man aber nicht. Und weil sich im Grunde am Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern nichts Wesentliches geändert hat, haben sich auch meine Auffassungen dazu nicht wesentlich verändert. Und auch Yousefs nicht.
Im Januar marschierte DPG-Chef Dr. Ribhi Yousef in vorderer Reihe bei einer Demonstration der radikal-islamistischen HDR (human dignity and rights !) mit, auf der Sprechchöre Adolf Hitler um Hilfe gegen die Juden riefen. Auf der berüchtigten Februar-Versammlung der Linkspartei in Hamborn war er der Referent und sagte: „Der israelische Staat hat ein schlimmes Apartheid-System errichtet und betreibt eine ethnische Säuberung“, woraufhin Hermann Dierkes zu einem Kaufboykott gegen Waren aus Israel aufgerufen hatte. Und in Kürze startet eine Veranstaltungsreihe der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft. Ribhi Yousef referiert selbst oder leitet Versammlungen, die sich mit der „Nakba“ befassen, also der Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948. Dabei wird Yousef gewiss auch auf das heutige Leiden der palästinensischen Kinder in den Flüchtlingslagern zu sprechen kommen.
Die Zustände dort sind wirklich fürchterlich. Herr Yousef wird darauf hinweisen, dass es diese Flüchtlingslager nur deshalb gibt, weil diesen Kindern ihre Heimat geraubt wurde – von den zionistischen Siedlern. Er wird zu vermeiden versuchen, dass gefragt wird, warum es diese Lager heute immer noch gibt. Seine Antwort würde heute vermutlich genauso ausfallen wie damals. Mit dem Verschwinden Israels von der Landkarte könnten auch die Flüchtlingslager aufgelöst werden.
Vorher jedoch liegt es im Interesse Dr. Yousefs und seinesgleichen, dass Hunderttausende Menschen tagtäglich dieses Leiden erfahren müssen. Da ein Verschwinden Israels von der Landkarte gar nicht zu haben ist, und wenn überhaupt, dann nur um den Preis einer unfassbaren nuklearen Katastrophe, soll die humanitäre Katastrophe in den Flüchtlingslagern so lange wie nur irgend möglich weitergehen.

Dr. Yousef und seine Gesinnungsgenossen sind die wahren Schuldigen dieses unendlichen Leides. Aber der Bock macht sich zum Gärtner. Natur – davon versteht er etwas, der Mann vom Duisburger Umweltamt. In der Rheinischen Post war am 26.06.2009 zu lesen:

Vor allem Dr. Ribhi Yousef, Organisator der Umwelttage, war des Lobes voll über die fundierte Sachkenntnis des jungen Mannes (eines Schülers, W.J.), der vor allem Gleichaltrige für die Umwelt im allgemeinen und den Baum im speziellen sensibilisierte.
Die Stadt Duisburg ist froh, solch einen hochqualifizierten und kinderlieben Mitarbeiter in ihren Reihen zu haben. Da ist es Ehrensache, gemeinsam mit der DPG diese Veranstaltungsreihe auszurichten. Sämtliche Veranstaltungen werden von der Volkshochschule Duisburg organisiert. Israel hat dieses Jahr schon das ein ums andere Mal registrieren dürfen, dass Duisburger sehr kritische Zeitgenossen sind. Dass sich jetzt die Stadt Duisburg mit Brief und Siegel offen an die Seite der Feinde Israels stellt, wird die Zionisten wahrscheinlich sehr erschrecken.

Damit sie nicht zu früh vor Freude ihre Maschinengewehrsalven in die Luft ballern, sei den palästinensischen Kindern in den libanesischen Lagern gesagt: „Kinder, das bringt nichts! Mit Duisburg ist kein Staat zu machen.“


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