vzbv: Deutsche werden klimafreundlicher

Rund drei Viertel der Verbraucher haben konkrete Pläne, um künftig klimafreundlicher mobil zu sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Online-Befragung der Prognos AG im Auftrag der Kampagne „für mich. für dich. fürs klima.“ 40 Prozent beabsichtigen ein Auto mit geringerem Spritverbrauch zu fahren, 34 Prozent wollen häufiger das Fahrrad nutzen und 18 Prozent öfter mit Bus und Bahn unterwegs sein. „Die Bereitschaft ist da. Hersteller, Anbieter und Politik sollten jetzt die Bedingungen für klimafreundliche Mobilität verbessern“, so Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), der die Klimakampagne koordiniert. Ein weiteres Ergebnis: Das Denken und Handeln des sozialen Umfeldes hat den größten Einfluss darauf, ob sich jemand klimafreundlich verhält.

Größtes Potential hat der Studie zufolge das Fahrrad. Es steht auf der Beliebtheitsskala der Bürger inzwischen an zweiter Stelle, gleich hinter dem Auto. Bei Fahrten bis zu vier Kilometern liegen PKW und Fahrrad sogar gleich auf. Für über 90 Prozent der Verbraucher ist Fahrradfahren eine umweltfreundliche, gesunde und kostengünstige Art der Fortbewegung. Über die Hälfte ist außerdem der Meinung, Fahrradfahren mache Menschen attraktiv. Die Ergebnisse decken sich mit dem Ergebnis einer aktuellen Studie des Bundesverkehrsministeriums. Demnach ist die Fahrradnutzung zwischen 2002 und 2008 um 17 Prozent gestiegen. „Das Fahrrad ist auf der Überholspur. Diesen Trend gilt es durch kluge Fördermaßnahmen zu verstärken“, so Holger Krawinkel, Leiter des Fachbereichs Bauen, Energie, Umwelt im vzbv. Kommunen und Arbeitgeber müssten für ausreichend sichere Fahrradstellplätze sorgen, Verkehrsunternehmen und insbesondere die Deutsche Bahn die Mitnahmemöglichkeiten verbessern. Zudem müsse die Bundesregierung die Förderung von Elektrofahrrädern in ihr Programm zum Ausbau der Elektromobilität aufnehmen.

Einheitliches Tarifsystem und integrierte Taktung bei Bus und Bahn
Der öffentliche Nahverkehr ist laut Studie vor allem ein Thema für Großstädter. Je kleiner der Wohnort, desto weniger Personen bevorzugen diese Art der Fortbewegung. Nutzungshemmnisse sehen die Befragten vor allem in unübersichtlichen Fahrplänen und Tarifsystemen sowie ungünstigen Anschlussmöglichkeiten. Die derzeit katastrophalen Zustände bei der Berliner S-Bahn bestätigen solche Vorbehalte. Zudem bemängelten die Befragten den schlechten Zustand der Haltestellen und Bahnhöfe. „Für Bus und Bahn brauchen wir ein einheitliches Tarifsystem und eine durchgängig integrierte Taktung“, so Krawinkel. Zudem müsse das Bundesverkehrsministerium gewährleisten, dass die Länder die jährlich sieben Milliarden Euro Bundeszuschüsse für den öffentlichen Nahverkehr effizient im Interesse der Kunden einsetzen. Außerdem seien die Bundesländer und deren Aufgabenträger dafür verantwortlich, dass Gewinne nicht in unverhältnismäßiger Höhe an die Deutsche Bahn fließen.

Soziales Umfeld ist entscheidend für eigenes Verhalten
Die Studie beschreibt auch, welche Faktoren dazu beitragen, dass sich Verbraucher klimafreundlicher verhalten. Für über 80 Prozent ist Klimaschutz wichtig, ebenso viele wollen selbst einen Beitrag leisten. Doch Einstellung und Verhalten sind selten deckungsgleich. Größter Einflussfaktor ist in diesem Zusammenhang die soziale Norm. Denkt und handelt das Umfeld eines Menschen klimafreundlich, dann wirkt sich dies auch auf dessen Verhalten aus. „Hier eröffnen sich Chancen für die Zivilgesellschaft. Gefragt sind positive Vorbilder, zum Beispiel in Vereinen oder Gemeinden“, so Krawinkel. An zweiter Stelle steht die Erwartung, das Klima mit eigenen Aktivitäten selbst positiv beeinflussen zu können. 60 Prozent der Befragten waren davon überzeugt, womit eine hohe Motivation verbunden ist. An dritter Stelle tragen die konkreten Erfahrungen dazu bei, wie klimafreundlich sich Menschen verhalten. So schätzten die Befragten die negativen Aspekte etwa des öffentlichen Nahverkehrs umso weniger gravierend ein, je häufiger sie diesen selbst nutzten. „Erfolgreiche Regionalbahnen zeigen, wie sich durch gute Infrastruktur und Angebotsqualität Kunden gewinnen lassen“, so Krawinkel.

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