Das Dellviertel – Eine Liebeserklärung

On The Cocktail-Mixer: @My_XS @ Goldengrün! (Photo credit: franktentler.com)
Das Dellviertel ist die öffentlich verschmähte Hauptattraktion Duisburgs. Sucht man nach einer spannenden Veranstaltungs- und Kneipenkultur, nach einem lebendigen, bisweilen sogar behaglichen Ort in Duisburg, gibt es in der Stadt kaum eine Alternative.
Zwar lassen sich keine Foster-Bauten bestaunen, aber wer braucht diese gesichtslosen Fassaden schon, um sich wohl zu fühlen. Die HighTech-Architektur vermittelt eine Kühle und Glätte, die sogar als Arbeitsatmosphäre missfallen kann, auch wenn sie manchen Blick ins Weite verspricht. Innerstädtisch sind die Grenzen rasch ausgemacht, sie fallen aus den Glasbauten mehr als deutlich auf! – Die Wege zum Rhein sind hingegen nicht weit.
Das soziale Zentrum der Stadt ist das Dellviertel, auch und besonders bei Nacht. Mit Djäzz (Börsenstr. 11), Goldengrün (Realschulstr. 10), Das Cafe – designed by Eckart Graefen (Ecke Dell- / Krummacherstr.) und Cafe Zentral (Steinsche Gasse 48) haben sich kleine Clubs etabliert, die auch zeitgenössische kulturelle Strömungen aufgreifen, und durch ihre jeweiligen Eigen- und Verschrobenheiten die Individualität bieten, ohne die ein soziales Leben nicht auskommen kann. Ein weiterer Vorteil: Das Dellviertel liegt zentral. Es ist von den vielen Wohnquartieren, die angrenzend liegen (Wasserviertel, Duissern, Neudorf, Hochfeld), binnen weniger Minuten sogar zu Fuß zu erreichen.
Info:
xtranews Duisburg Magazin. Mehr Hintergrund, mehr Duisburg.
Der neu gestaltete Innenhafen, der größtenteils zum Wasserviertel gehört und nach Fertigstellung mit seinen integrierten Gastronomien ein Konkurrent zum Dellviertel wurde, konnte die gewonnene Vormachtstellung nicht lange halten. Die Sensation der Foster-Architektur reichte nicht, touristisch als auch heimisch. “Das pralle Leben”, wie das Portal verspricht, findet inzwischen wieder anderwo statt. Bei der Ermittlung des Bedarfs hatte man sich grob verschätzt. Die bei der Planung angestrengte Kombination von Arbeit, Wohnen und Freizeit bleibt dort insgesamt eine nicht den Anforderungen gewachsene Fantasie.
Mehr Wohn- und Freizeitpotential könnte hingegen Ruhrort versprechen. Die Kleinteiligkeit des alten Hafenviertels, die einbringbare Individualität, hat bereits interessante Lokale wie Cafe Kaldi oder Zum Hübi entstehen lassen. Die Ausweisung des fast verlassenen Viertels als Kreativquartier hat aber kaum etwas genutzt. Die Anstrengungen von Haniel und der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, auch die des Kreativkreises, laufen bislang ins Leere, ebenso das Bemühen der Hausbesitzer. Liest man auf den Internet-Seiten des Kreativkreises die Phrasen “Wir in Ruhrort – …” “Insellage” und “eine Art geschlossenen Wirtschaftskreislauf zu simulieren”, hört man auf zu fragen, weshalb keine Neuansiedlungen und Zuzüge geschehen! “Solln die doch verrecken!” hörte ich im Bekanntenkreis jüngst.
Ein Marketing sähe anders aus, übrigens auch für den Innenhafen. Die Divergenzen zwischen Sprüchen und Produkten machen all die Anstrengungen in Duisburg völlig unglaubwürdig. Insgesamt scheint Duisburg ein zentrales Marketing-Problem zu haben, das darauf beruht, das Produkt überhaupt nicht zu kennen, nicht einmal die durchaus aufgreifbaren Vorteile und Liebenswürdigkeiten. Man darf jedoch nicht erwarten, dass diese den Typologien folgen, die für internationale Metropolen gelten. Versucht man dem Missverhältnis von Marketing und Produkt auf den Grund zu gehen, bleibt kaum anderes übrig, als unterschwellige Animositäten zu befürchten.


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Danke für den Artikel.
Axel Krause
27. Januar 2013 auf 17:04
Du hast meine volle Zustimmung, Reinhard! Zudem begrüße ich die ausgesprochen gute “Schreibe”, die man heutzutage in Blättern wie WAZ, NRZ oder RP vergeblich sucht.
Andreas Quinkert
2. Februar 2013 auf 23:30
Vielen herzlichen Dank, Andreas!!
Reinhard Matern
3. Februar 2013 auf 10:08