Kuhls Kolumne: EXPO HEILT VERSAILLES

ob-kuhl-02061870: Ein Hering namens Bismark überfällt Frankreich und gründet damit etwas Deutsches. 1914: Seine Hooligans randalieren in ganz Europa. 1918: Böse, böse Verräter stoßen den heiligen deutschen Randalettos einen Dolch in den Rücken und werden dafür in Versailles mit Demokratie bestraft. 1933: Ein Messias namens Adolf erklärt das Gesindel zur Herrenrasse und heilt so den Minderwertigkeitskomplex nach Versailles. 1939: Der gute, gute Führer Adolf zieht in die deutsche Welt zu richten die Lebenden und die Toten. Seine Kumpels machen sich die Taschen voll und die Juden müssen dran glauben. 1945: Alles ist am Arsch und das Dreckspack ist richtig scheiße drauf. 1948: Die SPD erobert das Duisburger Rathaus und die Stadt Montan rauscht in einen Boom. Arbeitskräfte aus dem Entwicklungsland Bayern stehen Schlange. In der „Deutsche Oper am Rhein“ jodeln Nibelungen während ein Schwimmbad nach dem anderen eröffnet. 1980er Jahre: Kohle wie Stahl sind anderswo günstiger zu haben und die Automatisierung kostet Jobs. Die bequem gewordene allzu mächtige Arbeiterpartei verpennt das Problem und konzentriert sich auf ihre Pöstchen. Schimanski symbolisiert als verarschter Rebell im Auftrag der Mächtigen die Ohnmacht der untergehenden Malocherkultur. „Ich komme aus Duisburg – und ich stehe dazu.“ als Gesamtstimmung. 2004: Adolf II., ein pilsseliger Berufsschullehrer, verspricht die Erlösung anhand kapitalistischer Wunder befreundeter Heuschrecken. Das Volk tritt – restlos deprimiert von den augenwischerischen Imagekampagnen der SPD-Oberbürgermeisterin Zieling – in den CDU-Fladen. 2006: Die City wird gemäß Monsterplan erbarmungslos gefostert, Anwohner werden vertrieben und soziale Missstände ignoriert. 2009: Das „City hui – ansonsten pfui“ verfängt bei oberflächlichen Wählern und der kommunale Führer tritt seine zweite Amtszeit an. 2010: 21 Menschen sterben bei der Loveparade. Sauerland macht seine Hände in Unschuld waschend den Pilatus: Inzwischen kommt heraus, dass er über die Mängel in der Vorbereitung vollumfänglich unterrichtet war und seine anderslautenden Statements im Wahrheitswert unter Null liegen. 2011: Der Persilschein für die politisch Verantwortlichen, ausgestellt von einer einschlägig verrufenen Anwaltskanzlei, sollte aus Opferentschädigungsmitteln finanziert werden. An allen Ecken und Enden tauchen neue Skandale auf. Vergleiche mit Gestalten á la Berlusconi machen die Runde. In der CDU verlassen die ersten Ratten das sinkende Schiff. Große Teile der Stadtverwaltung sind in der inneren Emigration. „Honoratioren“ zünden Nebelkerzen. Im Rat setzen sich die Aufklärungswilligen durch und die Abwahlinitiative wird wohl soviel Stimmen erhalten, wie Sauerland gewählt haben, Womit das Quorum locker um zwanzigtausend überschritten wäre. In Profiteurs- wie Mittäterkreisen zerfällt die Wagenburg. Wenn da nicht noch was wäre…

Man kennt sie ja diese Festivals, wo sich restlos zugeknallte verkommene Gestalten hemmungslos ihren Drogenphantasien hingeben…. Nein, nicht das Oktoberfest ist gemeint. Aber München war schon richtig. Die in den Föhn geratenen Herren machen in EXPOnentialer Rauschentwicklung. Auf besagter Messe treffen sich kommunale Angeber und blasen sich gegenseitig neue Luftnummern in die Ohren. Living Bridge, Eurogate, was auch immer… Diesmal soll die Gleisüberdachung des Duisburger Bahnhofs einem gigantischen Pfauenfächer nachempfunden werden. Das Ganze in Glas für deinen Preis im dreistelligen Millionenbereich. Investoren werden noch gesucht…

Nun zerfällt gerade die Clique eines gewissen Sauerland. Bürger drängeln sich, um für seine Abwahl zu unterschreiben. Der Rat befasst sich außerplanmäßig und öffentlich mit seinen Finanzierungstricksereien für einen obskuren Persilschein. Das ist Gift für die boomverwöhnten Heuschrecken aus gewissen Freundeskreisen.

Die Krake Multidevelopment (Forum, Galeria, Stadtfenster) will noch schnell ihre Zentrale in Bahnhofsnähe genehmigt haben, kollaboriert aber auch schon mit dem sattsam bekannten Hellmich (Profiteur zahlreicher Ausschreibungsverfahren und Erbauer von Sauerlands Zweitwohnsitz im sicheren CDU-Asyl Mülheim) in Dinslaken an einer Mall. Letzterer bietet sich plötzlich generöserweise an, den Schuhkarton doch noch fertigzustellen. Zahlen wie üblich nicht bekannt.

Krieger will seinen Möbeltempel innerhalb eines Jahres stehen sehn, die Bürofazilitäten könnten aber zehn Jahre dauern. Das „Mercatorviertel“, ein Ghettomodell, welches eine Ansammlung von Zwergenmützendachhäusern mit einer kantigen Wohnwurst umschließt, soll jetzt auch in Angriff genommen werden – so Investoren dazu bereit sind.

Eine Depression, ein Absturz, ein Minderwertigkeitskomplex – kompensiert mit Größenwahn. Natürlich kann die Expo nicht Versailles heilen. Und Duisburger Minderwertigkeitskomplexe schon mal gar nicht.

Das Foto mit Sauerland, Jäger und Greulich gutgelaunt in trauter Gemeinschaft auf der Expo erzeugt Brechreiz – symbolisiert aber auch, welche Volksvertreter und Parteien uns die Zukunft wortwörtlich verbauen wollen.

Wir brauchen andere.

Und die kommen nicht von selbst.

ARSCH HOCH!

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5 thoughts on “Kuhls Kolumne: EXPO HEILT VERSAILLES

  1. > „City hui – ansonsten pfui“

    City perdue: die Burch so escht voll per duis

    kennste noch nich – oder was?