Quo vadis, ECCE?

Image via Wikipedia
Disclaimer: Ich habe einige Artikel bei 2010lab.tv veröffentlicht.
Glaubt man den Ruhrbaronen, die in der Regel ja gute Quellen haben, dann steht bei der ECCE ein Umbruch bevor. Das beim Start mit Vorschusslorbeeren bedachte Gorny-Projekt soll in eine GmbH umgewandelt werden, die Stadt Dortmund sorgt nur noch für ein kostenneutrales Mietsverhältnis, wird aber wohl kein weiteres Geld hinzuschießen. Ebenfalls ist von lab2010.tv wohl keine Rede mehr. Während die Ruhrbarone, die eh schon seit jeher konsequent gegen das ECCE waren – andererseits dürfen sie sich aber auch fragen lassen, wo ihr grandioser Gegenentwurf zum ECCE ist, meckern ist einfach, machen ist König - löst die Meldung gemischte Gefühle aus. Nicht, weil mir ein Arbeitgeber eventuell verloren geht, sondern weil ich mich frage: Wer zum Teufel hat denn jemals geglaubt, dass ein von oben aufoktroiertes “Kreativquartier-Planungszentrum” im Dortmunder U funktioniert? Sehen wir mal davon ab, dass das Gebäude selbst immer noch Probleme bereitet, es ist schon ein Jubelgrund wenn mal alle Rolltreppen in dem Ding funktionieren…
Erstmal: Warum von allen Seiten auf das Team von 2010lab.tv eingehauen wird ist mir unverständlich. Sicherlich waren da die Erwartungen extremst hoch, waren die Anforderungen auch vielleicht eine Spur über dem angesetzt, was mit einem solchen Team machbar ist. Wer allerdings glaubt, Lab2010tv würde nur Lobhudelei in seinen Artikeln betreiben, sollte mal genauer hinschauen. Denn das ist keineswegs so – eher habe ich lab2010.tv als Bereicherung zu den Blogs wie den Ruhrbaronen empfunden. Und wenn wir an dieser Stelle von Erfolg oder Misserfolg reden … sollte man sich mal in Zukunft die Zahlen des Projekts Zwanzig10 ansehen, wäre ich nicht überrascht wenn die auch nicht so großartig wären. Das Teil hat sich inhaltlich nun auch nicht weiterentwickelt, es steht immer noch der Wettbewerbs-Text von 2010 für das Logo dort. Und das Kulturhauptstadtjahr ist vorbei, der Texte sollte also mal grundsätzlich überarbeitet werden. Bevor man also über Erfolg oder Misserfolg diskutiert sollte man vor der eigenen Haustür nach dem Rechten sehen. (Ich persönlich bin nach einigen Differenzen mit meinem privaten Blog damals wieder aus dem Projekt ausgestiegen und die Artikel hier tagge ich auch persönlich nicht fürs Portal. Was die Redaktion nicht ab und an abhält, doch noch was nachzutaggen…)
Zweitens: Eines hat das ECCE mit Sicherheit erreicht. Medienaufmerksamkeit für das Thema Kreativquartiere per se. Das ist nichts Schlechtes.
Drittens: Ohne das ECCE wäre das Dortmunder U wahrscheinlich nicht mehr vorhanden – schließlich war das Bauwerk vor dem Umbau ja in einem desolaen Zustand. Kleiner Pluspunkt, aber immerhin.
Ja, das sieht nicht viel an Argumenten für das ECCE aus, natürlich. Aber immerhin sind es mal welche. Jetzt aber zu den Zukunftsplänen, in denen lab2010.tv wohl keine Rolle mehr spielt. Vor allem ein Passus ist kopfschüttelnswert:
Aus den Mitteln zur Fortführung der Kulturhauptstadt, die je zur Hälfte vom Land NRW und den Ruhrgebietsstädten aufgebracht werden, erhält eine Gesellschaft, die von der Stadt Dortmund zu gründen ist 300.000 Euro. Andere Städte können sich an ihr beteiligen.
Das ECCE als Kreativquartier-Organisationszentrale für die Städte des Ruhrgebiets? Wie naiv sind die Herren da oben eigentlich? Haben die nicht gemerkt, dass das Kulturhauptstadtjahr überhaupt keinen Effekt für das Zusammenwachsen oder die Zusammenarbeit der Städte gebracht hat? Es heißt zwar Metropole Ruhr, aber innerhalb dieser Metropole kochen die Dörfer immer noch ihre eigenen Süppchen. Schön auch der Konjunktiv an dieser Stelle – Städte können, könnten sich ja beteiligen. Werden diese aber nicht tun. Schließlich könnte man ja in ihre Kompetenzen eingreifen. Nein, das ist so typisch Beamtendenke: Erstmal machen wir was Zentrales und später informieren wir alle, dass die jetzt da ans Zentrale melden müssen.
Duisburg wird sich vom ECCE sowieso nicht reinreden lassen – wobei das Kreativquartier Ruhrort sich vermutlich auch nicht vom Duisburger Rathaus reinreden lassen wird. Duisburg-Ruhrort ist nämlich das Modell dafür, wie Kreativquartiere entstehen sollten: Von unten. Durch das Engagement und die Initiative derjenigen, die vor Ort sind, die sicherlich ab und an mal Hilfestellung von der Stadt brauchen – die aber dann in aller Ruhe organisch wachsen können. Eine Keimzelle ist mit dem Coworking Dortmund gelegt. Diese kleinen Initiativen, diese Aktionen von Künstlern gehören unterstützt. Begleitet. Nicht administriert wie man das wohl beim ECCE vorhat. Dann kann das Ganze was werden. Hoffen wir es mal.
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Da schon gefragt wurde: Ja, ich habe den Artikel nebenan gelesen. Unsere Meinungen klaffen aber hier derartig auseinander, dass sich eine Diskussion darüber nicht lohnt. Daher werde ich keine Kommentare dazu abgeben.
Christian Heiko Spließ
6. Juli 2011 auf 07:33
arbeite gerade daran die verschiedenen szenen duisburgs an einen tisch zu bringen
was eine geradezu historische aufgabe ist und angesichts der sauerland-verwüstungen drängt
dienstag, 12.7. im djäzz mein talk:
KULTUR IM KOLLAPS
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judas thomas kuhl
3. Juli 2011 auf 11:20
Pingback: Links anne Ruhr (04.07.2011) » Pottblog