Liebe Malteser, liebes Rotes Kreuz, liebe Polizei NRW!(*)
Ich schäme mich.
Eigentlich wollte ich das schon längst geschrieben haben, Sonntag nach der Pressekonferenz. Und dann habe ich es doch vergessen – bis ich heute Abend in einer Gänsehaut-Situation zu denen gehört habe, die Euch applaudierten.
Sonntag auf der Pressekonferenz im Rathaus, die ja inzwischen traurige Berühmtheit erlangte, hat mir was gefehlt. Unter all dem "ich war es nicht" und "ich aber auch nicht" fehlte ein Wort des Lobes zu Euch. Denn betrachten wir es mal nüchtern:
Am Samstag kam es zu einer sogenannten Großschadenslage. Und selbst bei konservativer Schätzung hatte es plötzlich über 500 verunfallte Personen. Das ist logistisch und organisatorisch ein Albtraum, denn bei der Loveparade starben mehr Menschen und wurden mehr verletzt, als z. B. beim schrecklichen Brand am Düsseldorfer Flughafen.
Und trotzdem: Ihr habt Euch in die Menge geschmissen – im wahrsten Sinn des Wortes! - und seid den Opfern zu Hilfe geeilt. Ihr habt geborgen, gerettet, versorgt. Viele hundert Mal. Ihr habt Euer Leben und Eure Gesundheit riskiert, um andere zu retten – und schon das kann nicht mit Geld aufgewogen werden. Ich habe aber auch gesehen, wie ihr selbst gelitten habt.
Dabei habt Ihr nicht mal 2 1/2 Stunden gebraucht um die Situation komplett abzuwickeln. Mit unfassbarem Professionalismus -genau dem, der bei der Organisation möglicherweise einfach gefehlt hat.
Wie schrecklich die Tragödie von Duisburg auch war: Ohne Euch wäre es um ein vielfaches schlimmer geworden. Und ich wünsche Euch sehr, dass Ihr jetzt Ruhe findet, Euch um Eure eigenen Eindrücke kümmern könnt und untereinander Halt findet.
Was ich aber auch gesehen habe, sind vor allem junge Menschen unter Euch. Die man nicht auf diese Situation vorbereiten konnte – auch nicht mit Übungen. Ich habe gesehen wie Ihr an Eure Grenzen gegangen seid und darüber hinaus.
Und ich erwarte von der sich in ihren Büros verschließenden Stadtspitze Duisburgs, dass sie Eure Arbeit LAUT UND DEUTLICH würdigt.
Ihr seid die Helden der Loveparade.
Danke.
_________________
(*) Sollte ich eine Organisation übersehen haben, sorry
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Nicht zu vergessen all die spontanen Helfer, Krankenschwestern, Ersthelfer und andere, die sofort geholfen haben. Und die, die anderen Menschen aus dem Gedränge geholfen haben. Und natürlich jene, die die Arbeit nicht behindert haben, sondern sich zurück gehalten haben, Platz gemacht haben anstatt zu gaffen und zu blockieren.
An diesem Tag gab es viele Helden. Helden, die es lieber nicht geworden wären, wahre Helden!
Flo
27. Juli 2010 auf 00:50
Ja das stimmt – ohne die Infrastruktur und die Anleitung der “Profis” jedoch wäre vieles anders gelaufen. Wir prüfen gerade die Veröffentlichung von einigen Videos, die zeigen wie viele Menschen spontan erste Hilfe leisteten – aber eben auch unter Anleitung der Helfer…
Ach egal… jeder, selbst der, der nur die Hand gehalten hat, ist mehr Held als Sauerland, Rabe und Co zusammen.
Stefan Meiners
27. Juli 2010 auf 00:52
Wie recht Du hast…. Danke für diesen Eintrag. Es geht im Moment wohl so viel unter. Unverdienterweise. Man kann das Ausmaß wohl kaum erkennen und auch noch gar nicht die Leistung der Retter abschätzen, die dort geholfen haben. Danke für diese Worte.
Christin
27. Juli 2010 auf 00:51
Danke an den Autor für die netten Worte… ich kann mich dem nur vollkommen anschließen.
Genauso muss es sein, die Helfer haben mehr als nur Heldenarbeit getan.
Ich möchte nicht wissen wie das geendet wäre wenn nicht so viele geholfen hätte.
Danke für diese Worte die jedem in Deutschland (und in der ganzen Welt) auf dem Herzen lagen und liegen werden.
Marco
27. Juli 2010 auf 01:36
Pingback: Loveparade Duisburg: Warum? » RUHR.2010, Regional » Der Lelei Blog
Hallo
Danke an den Autor dieses Textes, denn diese Wort sind wahrer Balsam auf die geschundene Seele. Ich war einer der Helfer (Malteser) in dem Tunnel. Diese Bilder werd ich so schnell nicht wieder vergessen, mein Dank gilt aber auch jenen (Passanten) die mitgeholfen haben, die uns platz gemacht haben, die meinen Anweisungen Volgegeleißtet haben, ohne die hätten wir das nicht so schnell leisten können. Für mich sind die spontanen Helfer die wahren Helden.
Daniel
27. Juli 2010 auf 09:45
Auf jeden Fall DANKE…..ich war dieses Jahr nicht da und bin froh darüber,kam mir am Samstag aber ziemlich hilflos vor…..ich konnte nur aus der Ferne zuschauen,wie Gleichgesinnte sterben…..und aus der Loveparade wurde eine Kaosparade!!!!
R.I.P. Loveparade 2010
miriam
29. Juli 2010 auf 12:08
Moinsen…
Danke, dass das einer mal aufgegriffen hat. Sehr schön geschrieben! Danke an Diejenigen, die wirklich über Ihre Grenzen hinaus gewachsen sind und getan haben, was Sie konnten ..!
Wie schon gesagt: Die Helden der Loveparade!
DANKE!
Michi
28. Juli 2010 auf 20:33
Hallo Lieber Autor,
ich danke dir für deine Herzlichen Worte. Du brauchst dich dafür gar nicht schämen, denn du drückst aus was sich andere garnicht getraut haben nieder zu schreiben und zwar einfach nur ein danke. Den das ist wert voller als alles andere auf der Welt.
Ich war selber dort, im Dienst an diesen Tag. Zwar war ich auf einer Station für die Johanniter in der nähe des Hauptbahnhof, aber troztdem waren meine gedanken an den zahlreichen Kollengen die dort aktiv wurde/waren. Selbst wir mussten uns trotzdem um Betroffene kömmern die das erlebt hatten.
Zum abschluss möchte ich noch sagen das ich absolute gänse haut bekommen habe, als ich den Text gelesen habe.
Auch mein dank gehen an alle sonstigen Helfer, die den Einsatzkräften tatkräftig unterstütz haben dieses Ereignis zu meistern.
Oliver
29. Juli 2010 auf 23:55
Lieber Verfassser,
Dein Schreiben wurde inzwischen von verschiedenen Stellen im DRK Landesverband an die einzelnen Helfer verteilt und hat somit hoffentlich wenigstens einige der Helfer erreicht. Auch auf anderen SocialNetwork Plattformen wurde es veröffentlicht.
Erst mal kann ich mich den meisten Schreibern hier nur anschliessen. Es tut gut, dass man auch (abseits der eigenen Führungsstrukturen) an uns denkt. Für mich persönlich war der Einsatz im Tunnel in der Tat mit Abstand das schlimmste, was ich in meiner Zeit beim DRK erlebt habe. Dennoch fühle ich mich aber auch knapp eine Woche nach den schrecklichen Ereignissen nicht als “Held”, der jetzt belobigt oder geehrt werden muss. Ich kann für mich sagen, dass ich froh bin, für viele Betroffenen zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen zu sein, und mein menschenmöglichstes getan zu haben. Der Gedanke, dass diese Leistungen zur Kenntnis genommen und anerkannt werden freut mich, und hilft mir hoffentlich bei der Aufarbeitung des Gesehenen und des Erlebten.
Ganz ganz herzlich danke auch ich an dieser Stelle allen Helferinnen und Helfern, egal ob in Einsatzbekleidung oder in zivil, die uns in dieser Ausnahmesituation großartig geholfen haben. Das einzig positive, was ich für mich aus dieser tragischen Katastrophe für mich persönlich mitnehme, ist das gute Gefühl, in einem großen Team möglichst vielen Menschen geholfen zu haben. Da unten hat (zumindest auf dieser Ebene der gemeinsamen Zusammenarbeit) alles gestimmt. Man verstand sich einfach blind, und ja, wir haben das getan was möglich war.
Nichtsdestotrotz auch zum Schluss nochmal ein herzliches Dankeschön, dass man auch ans uns Helferinnen und Helfer denkt.
Mfg aus Aachen
Jun
30. Juli 2010 auf 13:21
Weil hier schon mal nachfragen kommen: Selbstverständlich findet man mich auch auf Facebook.
Stefan Meiners
30. Juli 2010 auf 13:37
Pingback: Linkscheucher – 26.07.2010 bis 11.08.2010 - Der Pixelscheucher