Duisburger Preis für Toleranz und Zivilcourage – Projekt „Junge Muslime in Auschwitz“

Der Preis für Toleranz und Zivilcourage wurde am heutigen Nachmittag bereits zum 18. Mal verliehen. Das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage zeichnet jährlich Menschen aus, die sich durch ihr Engagement für Toleranz in besonderer Weise stark gemacht haben.

Die diesjährigen Preisträger, der Verein Jungs e.V gemeinsam mit dem Jugendzentrum Zitrone aus Obermarxloh, gründeten das Projekt „junge Muslime in Ausschwitz“, welches sich zur Aufgabe gemacht hat, Rassismus und Antisemitismus durch eine intensive Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der Shoa zu bekämpfen.

Im Rahmen der Preisverleihung im Jüdischen Gemeindezentrum Duisburg, nahm Burak Yilmaz, stellvertretend für den Verein „Jungs e.V.“ und dem Jugendzentrum Zitrone aus Obermarxloh, den Preis aus der Hand von Carina Gödecke, der Vizepräsidentin des nordrhein-westfälischen Landtags, entgegen.

Der 27. Januar ist in der Bundesrepublik seit 1996 „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“. Er ist als Jahrestag ist auf den 27. Januar 1945, den Tag der Befreiung des Vernichtungslagers AuschwitzBirkenau durch die Rote Armee bezogen. An diesem Tag wird in Duisburg deshalb auch traditionell der Preis für Toleranz und Zivilcourage in der Jüdischen Gemeinde verliehen.
„Es ist uns trotz der andauernden Baustelle in der Gemeinde, ein besonderes Anliegen, dass der Preis in unseren Räumlichkeiten verleihen wird“, eröffnete Geschäftsführer Alexander Drehmann, vor ca. 200 geladenen Gästen, die heutige Veranstaltung.

Über das Unaussprechliche zu sprechen, das Unglaubliche zu verstehen, darum geht es dem „Jungs e.V“ gemeinsam mit dem Jugendzentrum Zitrone aus Obermarxloh. Denn sie fahren mit jungen Muslimen ins einstige Konzentrationslager Auschwitz. Carina Gödecke (SPD), hielt eine bewegende und tiefgründige Rede, wie auch die weiteren Laudatoren, Armin Schneider, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises, Bürgermeister Manfred Osenger und Angelika Wagner vom Deutschen Gewerkschaftsbund. Jeder von ihnen wies auf eine immerwährende Pflicht der Erinnerung, um ein Menschheitsverbrechen wie den Holocaust niemals wieder geschehen zu lassen. Alle Laudatoren betonten, dass es gerade zur heutigen Zeit, in der die AfD Judenfeindlichkeit wieder salonfähig mache, unabdingbar für unsere Demokratie sei, dass sich Menschen gegen Antisemitismus einsetzen.

Das Projekt „Junge Muslime in Auschwitz“ hat aufgrund der immer wieder aufkommenden Anfeindungen junger Muslime gegenüber Juden in Deutschland ein „aktuelles Programm mit Vorbildcharakter.“ Das Projekt erfülle in besonderer Weise alle Voraussetzungen, die an die Preisträger gerichtet sind. Es gehe sprichwörtlich über Grenzen und „reißt Mauern ein“, so Gödecke in ihrer Rede.

„Vertreter verschiedener Bereiche des öffentlichen Lebens haben über die Verleihung des Preises entschieden. Sie waren sich schnell einig, dass „Jungs e.V.“ ein Zeichen für eine vielfältige und weltoffene Stadt setzt. Wir brauchen gute Beispiele wie dieses, sie tragen maßgeblich zu einem von gegenseitigem Respekt getragenen Zusammenleben in unserer Stadt bei“, lobte auch die Duisburger DGB-Geschäftsführerin Angelika Wagner.

Dem anwesenden Publikum zeigten die Teilnehmer des Projektes im Rahmen der Veranstaltung eine Videobotschaft, die unter die Haut ging.  Sie zeigte junge Muslime, die in Auschwitz lernten, dem Judentum offen und vorurteilsfrei zu begegnen, sich mit Antisemitismus und dessen Gefahren auseinanderzusetzen. Aus diesem Grunde fahren jedes Jahr rund zehn junge Männer zum früheren Vernichtungslager der Nazis nach Polen. Der Aufenthalt wird von den Teilnehmern in langer und intensiver Arbeit vorbereitet.

Anfangs befassten sich die jungen Männer mit der Zeit des Nazi-Regimes und dem von Deutschland betriebenen Massenmord an sechs Millionen Juden. Darauf aufbauend wurden die Hintergründe des Nahost-Konflikts thematisiert. Dabei ging es weder darum, die Politik der israelischen Regierung zu glorifizieren noch darum die Standpunkte der Palästinenser zu verdammen: „Es geht um Einordnung, um die Bereitschaft, ums Nachdenken“, berichten Teilnehmer. Es gehe auch darum, niemals zu vergessen und aus der Geschichte zu lernen.

 

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