Deutschlands Wirtschaft, Erfolg und Herausforderungen

Quelle: www.pexels.com

Der deutschen Wirtschaft geht es gut: Deutschland gehört zu den führenden Exportnationen, es hat seit Jahren ein stabiles Wirtschaftswachstum und die Arbeitslosenquote ist auf einem Rekordtief. Die „Agenda 2010“ hat Deutschland im internationalen Wettbewerb gestärkt. Mit der Flüchtlingskrise von 2015 kommen auf Deutschland jedoch neue Herausforderung zu, die es zu meistern gilt.

Deutschland ist führende Exportnation

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Deutschlands wird in diesem Jahr (2018) auf etwa 4,3 Billionen US-Dollar geschätzt. Damit belegt Deutschland im internationalen Vergleich Platz 4 der führenden Exportnationen. Mit einem Wirtschaftswachstum (BIP-Wachstum) von 2,2 % im Vergleich zum Vorjahr, liegt Deutschland im europäischen Durchschnitt und wächst sogar schneller als die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten von Amerika. In den 1990er und 2000er Jahren war Deutschland mehrfach Exportweltmeister, wurde inzwischen aber von China, den USA und Japan überholt.

Angela Merkels Austeritätspolitik

Die amtierende deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ist bekannt für ihre strikte Sparpolitik. Die „Schwarze Null“ ist nunmehr schon ein Synonym für den Sparkurs der Bundesregierung geworden. Nicht nur in Deutschland, auch in den Verhandlungen mit Griechenland, zeigt Angela Merkel, mit ihrer Forderung: „Geld gegen Reformen“, eine harte Hand.

Die große Koalition hält auch weiterhin an dem Kurs Merkels fest. Im europäischen Ausland wird Angela Merkels harter Führungsstil oft als Ursache für die gute wirtschaftliche Lage in Deutschland gesehen. Die letzte große Reform des deutschen Arbeitsmarkts geht jedoch noch auf die von Bundeskanzler Gerhard Schröder eingeführte Agenda 2010 zurück. Das Reformpaket stellte die Weichen für die wirtschaftliche Entwicklung in den letzten 15 Jahren.

Die Agenda 2010: Billiglohnland mit geringer Arbeitslosenquote

Anfang der 2000er Jahre wurde das Reformpaket „Agenda 2010“ von der rot-grünen Bundesregierung unter Altkanzler Gerhard Schröder auf den Weg gebracht. Das Maßnahmenpaket wurde zur Bewältigung der Probleme des Arbeitsmarkts und des demographischen Wandels beschlossen.

Die wirtschaftlichen Maßnahmen der arbeitgeberfreundlichen Agenda 2010 haben folgenden Ziele:

  • Förderung des Mittelstands
  • Anpassung des Kündigungsschutzes
  • Absenkung der Lohnnebenkosten bei gleichzeitiger Erhöhung der Sozialabgaben

Vor allem aufgrund der Niedriglohnpolitik der Agenda 2010 war es Deutschland möglich, sich an der Spitze der führenden Exportnationen zu halten. Aufgrund des niedrigen Lohnniveaus in Deutschland sind die Preise für deutsche Produkte im internationalen Vergleich niedrig. Seit Einführung der Agenda 2010 ist die Arbeitslosenquote in Deutschland von über 10 % auf 5,3 % (2018) gesunken. Seit Einführung der Agenda 2010 sind die Nominallöhne abgesunken, bei steigender Inflationsrate. Dies hat ein stetiges Absinken der Reallöhne zur Folge. Dadurch wird der hohe Exportüberschuss Deutschlands erst möglich. Kritiker der Agenda erheben den Vorwurf, dass die niedrige Arbeitslosenquote in Deutschland sowie die günstigen Preise deutscher Produkte nur durch die Ausweitung der prekären Beschäftigung ermöglicht wurden.

Die Flüchtlingskrise: Probleme und Herausforderungen

Wie Admiral Markets berichtet, sieht sich Deutschland im Zuge der Flüchtlingskrise mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Allein im Jahr 2015 ersuchten 1,2 Millionen Flüchtlinge Asyl in Europa, rund 470.000 davon in Deutschland. Damit ist Deutschland das beliebteste Ziel für Flüchtlinge in ganz Europa. Der Großteil der Flüchtlinge sind Männer (75%) im Alter zwischen 18 und 34 Jahren. Das hat in der Vergangenheit in Deutschland zu erheblichen Problemen geführt. Die Vorfälle von Silvester 2015 in Köln und kürzliche Proteste in Chemnitz sind hier nur zwei Beispiel, für die tiefen Verwerfungen in der deutschen Gesellschaft, die durch die Flüchtlingskrise zu Tage kommen.

Neben der Integration der Flüchtlinge ist auch die Beschäftigung der Flüchtlinge eine zentrale Herausforderung für die deutsche Wirtschaft. Die Eingliederung der Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt stellt sich nicht nur aufgrund der sprachlichen Barriere als schwierig dar, sondern auch aufgrund kultureller Unterschiede. Jedoch ist die Situation nicht neu. Die Anwerbung von ausländischen Fachkräften ist in Deutschland schon seit fast 70 Jahren im Gange.

Deutschland ist Einwanderungsland

Seit mehreren Jahrzehnten ist Deutschland schon Einwanderungsland. Beginnend mit der Gastarbeiter-Anwerbung aus Italien im Jahr 1954 war Deutschland seit jeher auf die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte angewiesen. Ein paar Jahre später wurden dann auch Fachkräfte aus Griechenland, Spanien und der Türkei angeworben. Auch heute ist der vorherrschende Fachkräftemangel in Deutschland eine der zentralen Herausforderungen für die Zukunft.

Die nach Deutschland kommenden Flüchtlinge können oft keine, in Deutschland anerkannte, Ausbildung vorweisen. Die Ausbildung der Flüchtlinge und die Anerkennung von bereits im Heimatland erworbenen Fachkenntnissen sind daher wichtige Einflussgrößen auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands. Gelingt die Eingliederung der hier anerkannten Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt, könnte dies ein wichtiger Schritt zur Bekämpfung des Fachkräftemangels sein. Ob und wie dies gelingen soll, ist derzeit noch strittig. Seitdem Angela Merkel im Zuge der Flüchtlingskrise mit ihrem „Wir schaffen das!“ für Aufsehen gesorgt hat, sieht auch sie sich immer mehr Kritik ausgesetzt. Schließlich hat Angela Merkel bis heute noch nicht erklären können „wie“ das gelingen soll.

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