Schluss mit Nine-to-Five: Flexible Arbeitszeitmodelle

Nicht nur Arbeitgeber drängen seit Jahren auf eine Lockerung des Arbeitsschutzgesetzes, um flexiblere Arbeitszeiten zu ermöglichen. Auch das Handwerk fordert nun die 48-Stunden-Woche. Diese soll zwar die maximale Wochenarbeitszeit (ausgelegt auf sechs Werktage) beibehalten, jedoch den starren Acht-Stunden-Tag abschaffen. Darüber hinaus wünschen sich viele Arbeitnehmer hierzulande auch andere, flexiblere Modelle wie Gleitzeit oder das Arbeiten von Zuhause aus im Home Office. Einige europäische Nachbarländer, allen voran die Niederlande und Dänemark, können dabei als Vorbilder dienen.

Dank der Digitalisierung ist das Erfassen der Arbeitszeiten von Mitarbeitern für Unternehmen immer einfacher geworden. Nicht nur antiquierte Stempelkarten gehören der Vergangenheit an, selbst das Führen von einzelnen Excel-Listen für jeden Angestellten entfällt. Stattdessen gibt es für Unternehmen moderne Software für die Arbeitszeiterfassung, die es jedem Mitarbeiter und der Personalabteilung ermöglicht, die geleistete Zeit bequem und übersichtlich zu dokumentieren und zu überblicken. Damit existieren bereits wichtige Lösungen, die flexiblere Arbeitszeiten in Betrieben zumindest von der technischen Seite her ermöglichen. Doch obwohl in vielen Firmen bereits gewisse Regelungen für Home Office sowie Teil- und Gleitzeit existieren, hinkt Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern Europas immer noch stark hinterher.

Die Niederlande und Dänemark gehören bekanntermaßen zu den Ländern mit der besten Work-Life-Balance. Grund dafür ist, dass beispielsweise in Dänemark die Arbeitskultur eine andere ist. Sie ist weniger auf Wettbewerb ausgelegt, sondern fußt stärker auf das Vertrauen und das Miteinander zwischen Angestellten und der Führungsetage. In Dänemark besitzt auch das Familienleben einen sehr hohen Stellenwert und wird daher im Berufsleben respektiert und entsprechend unterstützt. Obwohl das Arbeitspensum insgesamt mit dem in Deutschland vergleichbar ist, haben die Dänen viel häufiger die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit weitestgehend selbst einzuteilen. Dadurch genießen Mitarbeiter in dänischen Betrieben die Freiheit, die Arbeit dem individuellen Lebensstil und dem Familienalltag anzupassen und nicht andersherum.

Dies hat auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Während hierzulande rund 70 Prozent der Mütter mit einem Kind unter 15 Jahren berufstätig sind und die Hälfte davon wiederum nur in Teilzeit arbeitet, sind im hohen Norden 80 Prozent nahezu ausschließlich in Vollzeit beschäftigt. Ermöglicht wird dies durch viel staatliche Unterstützung. Im Gegensatz zu Deutschland, fließt in Dänemark nahezu das Doppelte an Ausgaben in entsprechende Angebote und Einrichtungen. So haben die Dänen einen rechtlichen Anspruch auf einen ganztägigen staatlichen Betreuungsplatz für Kinder ab sechs Monaten. Auch für den älteren Nachwuchs ist nach Krippe und Kindergarten gesorgt: Schulen und Gemeinden bieten vom Nachmittagsunterricht bis hin zu Sportprogrammen umfassende Beschäftigungs- und Betreuungsangebote an, die es beiden Elternteilen ermöglichen, ihren Beruf in Vollzeit auszuüben und dennoch genug Zeit fürs Familienleben zu haben.

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