Glücksspiel in Deutschland: Zahlen und Fakten

Auch in Deutschland erfreut sich das Glücksspiel steigender Beliebtheit. Marktberichte liefern interessante Erkenntnisse über die Entwicklung dieses Geschäftsbereiches. Wir haben die wichtigsten Daten für Sie zusammengetragen.

Strenge Regulierung

Der Glücksspielsektor in Deutschland hat seit jeher mit strengen Regulierungen zu kämpfen. Besonders das Interstate Gambling Treaty, das 2008 eingeführt wurde, hatte einen großen Rückgang der Einkünfte aus dem Glücksspielsektor zufolge. Dieses Treaty beinhaltete ein lückenloses Verbot von Online-Glücksspiel und besteuerte Umsätze aus Glücksspiel mit 16.7 Prozent. In der folgenden Regulierungsänderung wurde die Steuer auf 5 Prozent gesenkt, doch viele Punkte machten dem Glücksspiel in Deutschland ein Überleben auf dem Markt dennoch schwer, wie im Folgenden an den Beispielen der unterschiedlichen Sektoren deutlich wird.

Der Sportwetten-Sektor: Staatlich reguliert

Der Sportwetten-Sektor ist der am großflächigsten staatlich regulierte Glücksspielsektor. Der Staat erhofft sich, durch ein Lotteriemonopol das Suchtpotential besser kontrollieren zu können. Etwa 30 Prozent des Umsatzes des Glücksspielbereiches kommen aus der staatlichen Lotterie. Allerdings dominieren unlizenzierte Anbieter den Markt: Der staatliche Anbieter Oddset macht mit ca. 184 Millionen Euro Jahresumsatz nur 2-3 Prozent des Marktes aus. 95 Prozent der Gewinne werden von unlizenzierten Anbietern erwirtschaftet, die den Konsumenten häufig attraktivere Konditionen bieten können.

So kritisieren Experten, die starke Regulierung sorge nur für einen Rückgang des staatlichen Glücksspiels, während unlizenzierten Anbietern viel Freiraum gewährt werde. Ausländische Anbieter sind dabei die größten Konkurrenten für staatliche regulierte Anbieter.

Der Casino-Sektor: Halb staatlich, halb privat

In Deutschland gibt es ca. 77 Casinos, von denen die Hälfte dem Staat gehört und die andere Hälfte sich in einem gemischten Besitzverhältnis aus privat und öffentlich befindet. Einkünfte aus Casinobetrieben werden mit zwischen 40 und 80 Prozent überdurchschnittlich hoch besteuert. Im Casino-Sektor werden typischerweise 73 Prozent des Umsatzes durch Spielautomaten erwirtschaftet und 27 Prozent durch Tischspiele und Poker.

Auch im Casino-Sektor hatte das Interstate Gambling Treaty einen starken Rückgang der Einkünfte zufolge: Waren Casinos 2003 noch für 40 Prozent des Umsatzes aus dem Glücksspielbereich verantwortlich, waren es 2009 bereits nur noch knapp 29 Prozent. Mit ein Grund hierfür war die Einführung von Einlasskontrollen mit Identitätscheck, bei denen Leute aussortiert wurden, die auf Bundesebene vom Glücksspiel ausgeschlossen worden waren.

Spielemaschinen: Noch wenig reguliert

Spielemaschinen, im Englischen auch Amusement With Prizes, wie sie in vielen Restaurants oder Einkaufszentren zu finden sind, sind in Deutschland vergleichsweise gutmütig reguliert.  Sie sollen mit Casinos und der Staatslotterie konkurrieren können, weshalb die Spielzeit von 12 auf 5 Sekunden verkürzt und der maximale Spielerverlust von 60€ auf 80€ erhöht werden durfte. Der Umsatz konnte deshalb beispielsweise bis 2009 innerhalb von vier Jahren um 42 Prozent gesteigert werden. Casinobetreiber fordern nun stärkere Regulierungen, um den Boom dieser Maschinen zu dämmen.

Der Online-Sektor: Hohes Potential

Wird die strenge Regulierung in Deutschland für den Online-Sektor nur ein wenig gelockert, bietet er sehr hohes Potential: Derzeit ist Online-Glücksspiel in Deutschland beinahe flächendeckend verboten. Nur Wetten dürfen online abgeschlossen werden, jedoch sind sie auch mit einem Monatslimit von 1000€ begrenzt und dürfen kein In-Play-Wetten anbieten. Für Konsumenten ist die staatliche Lotterie deshalb kaum attraktiv. Private Anbieter können hier punkten: Ausländische Lotteriebetreiber können ihre Tickets zu besseren Konditionen anbieten und gewinnen somit viele Lottospieler für sich.

Der Online-Markt ist in drei Sektoren aufgeteilt: Zu 50 Prozent besteht er aus Sportwetten, zu 30 Prozent aus Online-Pokerspielen und zu 20 Prozent aus Online Casino Spielen. Sportwetten spielen etwa 480 Millionen Euro ein, Pokerspiele etwa 288 Millionen Euro und Online Casinos etwa 192 Millionen Euro. Die größten staatlich regulierten Wettbetreiber des dominierenden Segments sind Bwin.com und Bet-At-Home.com. Ausländische Betreiber machen jedoch auch hier einen wesentlich höheren Anteil aus.

Der Onlinemarkt macht derzeit nur 7,6 Prozent des Glücksspielmarktes aus. Doch dies könnte sich bald ändern. Bereits simple Maßnahmen wie eine bessere Besteuerung könnten zu Marktwachstum von bis zu 81 Prozent führen. Der Staat muss das Potential nur erkennen und sich entsprechend anpassen.

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