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Das voraussichtliche Ende einer Industrie

Foto: MichaelGaida (gemeinfrei)

Keine der gesellschaftlich etablierten Künste ist derart konservativ ausgerichtet wie die Literatur. Bereits Greiner (ZEIT) hatte darauf hingewiesen, allerdings in einem anderen Zusammenhang. Dabei lebt und versiegt die Literatur geradezu in einem Museum. Umbrüche wie Schönbergs Zwölftonmusik oder das bildnersche Engagement von Wols sind literarisch rar. Arno Schmidt wäre im deutschsprachigen Raum anzuführen, unter den Neueren und Jüngeren vielleicht Ann Cotten. Aber das wars auch schon fast. Und den Feuilletonisten fällt nicht mehr ein, als auf ‚Sinn‘ zu beharren, ohne angeben zu können, auf was sie sich beziehen könnten, eventuell auf den uralten Museumsbestand? Werden die literarisch geschäftlichen Aussichten magerer, kürzlich hatte der Börsenverein betont, dass es zusätzlich zur bereits grassierenden Misere kaum noch junge Käufer gebe, werden Altertümer, sei es auch aus der sogenannten Moderne gerühmt, wird immer wieder an einem literarischen Kanon gebastelt, um nicht in der Medien- und Game-Konkurrenz klanglos unterzugehen.

Was aber wäre zu erwarten, wenn der Markt künstlerischer Literatur, wie es in den anderen Künsten längst üblich war und ist, zu einem Special-Interest mutierte? Viele der restlichen angeblichen Experten würden verschwinden, wahrscheinlich auch viele der Autoren und Verlage, deren primäres Bedürfnis es ist, mit dem Schreiben und Verlegen Geld zu verdienen. Was wäre daran auszusetzen? Die literarische Kunst wäre endlich von den externen Versuchen, gesellschaftlichen Einfluss auszuüben, befreit. Lediglich eine Pop-Literatur würde zunächst auf dem Massenmarkt bleiben, ähnlich wie in der Musik. Fragen nach Wirtschaftlichkeit haben in der künstlerischen Literatur nichts verloren, genausowenig wie in Philosophie und Wissenschaft.

Es ist ein Glückszustand, dass die Literatur gleichsam den Bach runter geht. Nur wirtschaftliche Interessen lassen in verbliebenen Strohhalmen mögliche Anker erblicken. Ein Industriezweig bricht ab; um diesen ist es aus meiner Sicht nicht schade.