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Offener Brief an Ulrich Thünken – SPD-Ortsverein-Duisburg-Duissern

Ulrich Thünken, SPD-Ortsverein-Duisburg-Duissern, Vorsitzender AG 60+, hat auf Facebook aktuell folgenden Post zum Thema

Seidenstraße bis Duisburg – 300 neue chinesische Firmen – 2.000 neue Arbeitsplätze

veröffentlicht:

(Zitat) Gefällt euch wirklich Xtranews oder die Tatsache, dass die neue Verbindung nach China tolle Chancen für Duisburg bietet? Der Bericht in den Tagesthemen war sachlich und stellt Duisburg in ein gutes Licht. Das kann man von Xtranews wirklich nicht sagen.

Sehr geehrter Herr Thünken,

danke für den Post den ich nicht auf Facebook, sondern hier in einem „Offenen Brief“ an Sie beantworte.

Mit Verlaub, Ihr Post zeugt entweder von einer Art blindem Gehorsam alles zu glauben und hinzunehmen was andere sagen -außer es steht in den xtranews- oder Sie sind grundsätzlich naiv in derartigen Dingen.

Wie können Sie nur annehmen die Tagesthemen hätten sachlich informiert, wenn es mir in wenigen Minuten gelungen ist im Bundesanzeiger die aktuellste Bilanz (2014) der Fa. Starhai International einzusehen und festzustellen, dass die Bilanz ziemlich merkwürdig ist? Das würde mich als fachlich-sachlicher Tagesthemen-Redakteur auf die Idee bringen mal genauer nachzufragen, vor allem wenn solch eine Firma sich öffentlich als Investor von 250 Mio. EURO geriert.

Ich bin nur ein kleines Licht bei xtranews, das hab ich aber hingekriegt. Und wir kassieren keine Gebührengelder. Meine „Infos“ kriegen Sie kostenlos.

Dass ich dabei nicht ganz sachlich bleiben kann liegt auf der Hand: Ich will es gar nicht. Ich informiere nämlich nicht vorrangig, sondern ich kommentiere.

Und nun kommen wir mal zum „ins gute Licht stellen von Duisburg“. Ins gute Licht stellen würde der OB die Stadt, wenn er von sich aus den gesamten Vorgang begleiten würde, zumindest medial. Aber dazu findet man gar nichts, deshalb ja meine Fragen in dem Artikel an ihn persönlich.

Gut Gesicht würde es Duisburg auch stehen, wenn Investoren oder vermeintliche Investoren nicht den Anschein erwecken könnten hier in Duisburg braucht man nur viel Geld zu haben oder so zu tun, von Arbeitsplätzen schwadronieren und schon flutscht alles wie geschmiert.

Demnächst verkleide ich mich als russischer Oligarch und verspreche ganz Duisburg zu kaufen, sicherlich ist mir dann auch gestattet die Königstrasse endlich komplett einzuebnen um darauf mein Fussballstadion, das meinen Namen trägt, zu errichten.

Wer 250 Mio. EURO investieren will, 300 Firmen aus dem Ausland ansiedeln will und 2.000 Arbeitsplätze schaffen will, wobei das auch nur 6,6 Arbeitsplätze pro neuer Firma sein würden, der stellt schon eine Bedeutung für die Stadtentwicklung dar. Und wir sind z.Z. nur beim „wollen“. Wollen will ich auch viel.

Nichts gegen die Fa. Starhai, nichts gegen Investoren, nichts gegen irgendwen, nur eine Stadt sollte gut überlegen was sie tut, wenn dies langfristige Auswirkungen haben kann.

Was ist wenn die Investitionen gar nicht in Deutschland getätigt werden, ausser ein kleiner Teil nämlich der Kaufpreis für das Grundstück(rund 5 Mio. )? Was ist wenn die Stadt Steuergeschenke gemacht hat, wenn die Grunderwerbssteuer nicht bezahlt werden muß, wenn die Arbeitsplätze gar nicht entstehen, wenn wenn wenn.

Und was ist wenn die 300 Firmen Konkurenzfirmen zu hiesigen Firmen sind und wenn dort chinesische Arbeiter arbeiten? Ev. durch ein (hoffentlich) bilaterales Abkommen ermöglicht, aber unter Umgehung unseres Mindestlohns?

Dann bauen ev. Chinesen in Deutschland künftig die Häuser bei uns. Und das viel billiger.

Was ist aber wenn es nicht nur beim Hausbau bleibt, sondern wenn diese Firmen auch noch unsere Infrastruktur übernehmen, Glasfaserleitungen usw. Ja, dann wird’s ev. auch Ihnen vllt. ein wenig mulmig. Das ist es mir aber auch, wenn es irgendein deutscher Konzern macht, vor allem wenn man ihm jegliche Kontrolle auch noch überlässt.

Duisburg ist so am Boden, dass Link und Co. zu jedem noch so verlockenden Strohhalm greifen. Glauben Sie allen Ernstes es investiert jemand in Duisburg aus lauter Gutmenschentum oder weil er Duisburg so liebt, vor allem wenn er selbst aus dem Ausland kommt? Bei Investoren geht es ums Geld: billig einkaufen – teuer verkaufen. Die müssen trommeln was das Zeug hält, selbst wenn es sich um vergammelte Ware handelt, die eigentlich keiner haben will. Das sich die achso sachlich-unbedarften Tagesthemen dabei zum Werbe-Handlanger machen ist schon mehr als fraglich.

Ich kenne die Fa. Starhai nicht en detail und vllt. sind die Leute dort ganz andere Investoren als die die ich bisher so kennengelernt habe. Aber dann habe ich auch ziemlich hohe Erwartungen und die werden durch meine ersten Eindrücke und Infos nicht gerade erfüllt. Erwartungen die ein OB auch haben sollte.

Eine einigermassen gute Website ist eben NUR eine einigermassen gute Website.  Die kann jeder mit WordPress in 10 Minuten bauen. Damit kann jeder zum Weltkonzern werden, jenachdem wie sehr er auf die Kacke haut. Ich habe es lieber handfest: Auskunft, Lebensläufe, Referenzen, Bilanzen usw. The good old method!

Natürlich liegt mir was an Duisburg, aber so wie es gemacht wird, wird es schlecht gemacht. Und darauf weise ich in aller Deutlichkeit hin.

Zum Schluß möchte ich noch auf Ihre SPD-Mitglieschaft zu sprechen kommen. Wie wäre es denn Sie würden Ihrem Genossen Sören Link mal empfehlen dafür zu sorgen sich an geltende Gesetze zu halten und demokratische Spielregeln einzuhalten. Umso fachlich-sachlicher könnte ich nämlich auch schreiben.

Insgesamt rund 30 Presseanfragen schiebe ich seit Monaten vor mir her die von ihm oder seinen Leute in der Verwaltung nicht beantwortet werden.

Wenn Sie also meinen Sie könnten mich in irgendeiner Form beeindrucken, dann, wenn Sie Herrn Link mal verbal auf die Füße treten, aber ich glaube dazu fehlt Ihnen der Mut.

Deshalb nehme ich Ihren Post auf Facebook nur bedingt ernst, viel ernster nehme ich jedoch die naive Einstellung und Absicht die m.M.n. dahinter steckt. Diese vermute ich -leider- bei sehrsehrsehr vielen Leuten.

 

Mit freundlichem Gruß

 

Michael Schulze