Einer der größten Märchenerzähler-Vereine Duisburgs hatte wieder mal Jahresempfang

Richtig, die IHK feierte sich gestern in der Mercator-Halle mal wieder -wie alljährlich Anfang des Jahres- selbst. TÖ-TÖÖÖ. Tusch. Und wie kann es anders sein, alles ist auf dem besten Weg und nächstes Jahr ist alles noch besser.  Dass im Artikel der RP http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duisburg/vorwaerts-geht-es-nur-gemeinsam-aid-1.7326258 das Thema SmartCityDuisburg keine Rolle spielt, ist schon ein wenig beachtlich. Was soll‘ s.

Dafür lobte IHK-Präsident Landers sein „REICH“ angeblich als stark, innovativ, bunt und vielfältig. Ob REICH ein Wort von ihm ist oder ob es von der RP-Redakteurin stammt, weiß ich nicht.

Unser allseits geliebter Industrie-Handels-Wirtschafts-KÖNIG fuhr dann wohlfeil fort und sprach vom gemeinsamen Agieren zum Wohle der Region und von Verantwortung bei der Ausbildung und Integration. Gemeinsam sollen die Herausforderungen der unerlässlichen Digitalisierung gemeistert werden und der Masterplan auf den Weg gebracht werden. Letzterer enthält immerhin 60 Maßnahmen um den Wirtschaftsstandort weiter voranzubringen. Verdammt, ich bin echt gerührt(neudeutsch: geflashed) und nicht geschüttelt, das klingt ja so wie meine Mama vor etlichen Jahren an meinem Bettchen, als sie mir sanft ins Ohr flüsterte: „Dass mit Mathe wird schon mein Sohn. Du bist auf dem besten Wege ein guter Schüler zu werden. Papa hat einen Masterplan wie er Dir helfen kann.“ Oh Mama, wie vermisse ich Deine warmen Worte. Ich schweife ab. Sorry.

Zurück zu den Duisburger Märchenerzählern. Nehmen wir uns mal gezielt das Thema Ausbildung vor: Nur noch gut 20% aller Betriebe bilden überhaupt noch aus. Und erst gestern hatte ich die Situation in Duisburg diesbezüglich beschrieben. Gerade im verarbeitenden Gewerbe (Industrie – daher das I in IHK) und in der Logistik sind die Ausbildungsplätze im letzten Jahr gegenüber dem Vorjahr nochmals um fast 9% je Branche zurückgegangen. https://www.xtranews.de/2018/01/15/duisburger-reim-industrie-gesundheit-logistik-und-verkehr-da-sind-die-azubiplaetze-leer-id56195442.html

Was den Masterplan angeht, so habe ich mich selbst danach beim Unternehmerverband schon erkundigt. Frühestens im Frühjahr 2018 soll es früh losgehen. Bisher ist noch nichts Konkretes gesagt worden, geschweige denn Konkretes passiert, was wird da bereits so märchenhaft gelobt und gefeiert – auf dem IHK-Jahresempfang?

Und wie brav die Zuschauer und Zuhörer auf dem Bild (s. RP-Artikel) in Reih und Glied sitzen. Da lob ich mir die Hamburger IHK , die hat da richtige Turbulenzen am Start:   https://www.abendblatt.de/hamburg/article213088717/Die-Handelskammer-streicht-fast-jeden-vierten-Job.html Senkung der Beiträge, Entlassungen usw. Herrlich.

Auch in Duisburg braucht niemand die IHK wirklich, zumindest nicht in dieser Form. Wer hat auch schon Lust solche Märchen-Veranstaltungen mitzubezahlen inkl. eines solch aufgeblähten Apparates mit Leuten die nur so tun als seien sie in der freien Wirtschaft, die aber von Zwangsbeiträgen abhängig sind.

http://www.ihk-niederrhein.de/downloads/ihk/Organigramm_November_20172.pdf

http://www.ihk-niederrhein.de/downloads/ihk/IHK-Geschaeftbericht_2016_17.pdf

 

Und wie frisch-modern und uptodate eine Organisation mit immerhin 17,5 Mio. Euro Beitragseinnahmen/Jahr im Industriesektor daherkommt, kann man hier bewundern: http://www.ihk-niederrhein.de/Industrieresolution , wenn man auf diesen Link unten klickt:

http://www.ihk-niederrhein.de/downloads/ihk/Industrieresolution1.pdf

Ich verrate schon mal, dass es eine resolute Resolution aus 2010 ist, als hätte sich seitdem nichts verändert. Sie ist ausserdem so nichtssagend, dass es mir die Tränen in die Augen schiessen lässt, weil ich mich so sehr fremdschäme.

Wäre ich doch mal besser in Mathe gewesen, dann wäre ich zur IHK gegangen, hätte mir jeden Tag ein paar tolle Sprüche für die Webseite ausgedacht, ein bisschen Prüfungen abgenommen, aber ansonsten die anderen für mich rackern lassen.

Ein Märchen hätte wahr werden können.  Das einzige Problem ist der Spiegel in den ich jeden Morgen gucken muß.

 

 

One thought on “Einer der größten Märchenerzähler-Vereine Duisburgs hatte wieder mal Jahresempfang

  1. Lieber Herr Schulze,

    Sie scheinen ja sehr informiert zu sein, weshalb ich mich an Sie mit einer Frage wende, die mich seit vielen Jahrzehnten bewegt und dessen Beantwortung mir bislang verwehrt ward:

    Was macht eigentlich so eine IHaKa den ganzen Tach?

    Bevor Sie mir antworten, gestatten Sie mir dazu eine kleine Anekdote. Danke

    Habe mal an einer NRW-weiten IHK-Veranstaltung teilnehmen dürfen. Es ging um das später jämmerlich gescheiterte „FOC“ am Zinkhüttenplatz (Leuchtturmprojekt), das von der IHK DU nicht befürwortet wurde, wie ich immer wieder lobend erwähnt habe.

    Gleichwohl hatte die Gesamt-IHK NRW nur mehr oder eher weniger professionelle Befürworter auf das Podium gesetzt – inclusive dem entwickeln wollenden „Devellopper“ Sevenheck, der einem Gerücht zufolge für den „Devellopper des Jahres“ nominiert war. Später wurde er dann von der Justiz gesucht, weil er sich wohl aufgrund fehlender finanzieller Masse geweigert hatte, die Grunderwerbssteuer zu bezahlen. Die Stadt DU soll eingesprungen sein. Soll. Weiterhin soll er in sein Heimatland Holland geflohen sein und sich dort mit Richard Kimble getroffen haben, um sich betreffs des weiteren Fluchtwegs beraten zu lassen. Wie gesagt: „soll“ – also ein Gerücht; wenn auch eines von für gewöhnlich wohl unterrichteten Greisen.
    Irgendwer ist immer im Soll. Da kann er so viel haben wie er will. –

    Moderiert hat ein WDR-Moderator. Er tat das sehr moderat. Noch moderater waren die ca. 150 mehr oder eher weniger anwesenden IHK NRW Mitarbeiter und innen: Sie schwiegen. Und zwar so laut, daß es im Saal dröhnte. Auch die IHK DU dröhnte mit, obwohl sie sich ja als Kritikerin geoutet hatte.
    Erwartungsvolle Unruhe kam erst auf, als im Hintergrund Aufbaugeräusche für das Mittags-Buffet zu hören waren.

    Kurz vor dem Ende der Talk-Runde bin ich dann zur Bühne gegangen und habe den Moderator respektvoll leise gefragt, ob wir Zuhörer und -schauer auch was sagen dürften. Ich durfte und hub an: „In den Geredebeiträgen wurden alle Teilnehmer des Geschehens genannt. Nur 1 fehlte: Der Bürger“. Und um den ginge es ja eigentlich, sollten doch ca. 1.000 alteingesessene Bürger DUs aus ihren Wohnungen vertrieben werden, weil ihre Siedlung für das FOC geschleift werden sollte, wertvollstes architektonisches Kulturgut also auch der Vertreibung anheimfallen, fuhr ich fort, endete und setze mich wieder. Das saß. Aber nicht lange

    Den Talkschaurundenbeiwohnern stand das blanke Entsetzen ins Gesicht: War nun das Buffet in Gefahr? Sollte man deswegen demonstrieren („Wir hamm Hunger, Hunger, Hunger – wir hamm Hunger, Hunger, Hunger, haben Durst“)?

    Brauchte man dank des weisen greisen IHK-NRW-Vorsitzenden natürlich nicht, der sich bei allen Teilnehmern und vor allem lieben Teilnehmerinnen herzlichst für die lebhafte Diskussion bedankte und seiner Freude zum Ausdruck gab, daß man/frau sich bald wiedertreffen würde zu einer weiteren Weihrauchverunstaltung – in alter Frische, Fische, Fischers Fritz und so. Das Buffet ist eröffnet. Gut Mampf

    Ja, ja, die IHK: Nie war sie so wertlos wie heute.

    Seien wir aber nicht zu kritisch und pessimistisch und stimmen gemeinsam das
    beliebte, leicht veränderte Kinderlied „Augustin, lieber Augustin“ an:

    O du liebe IHK, IHK, IHK
    o du liebe IHK, alles ist hin.
    Geld ist weg, Mäd’l ist weg, alles weg, alles weg.
    O du liebe IHK, alles ist hin.

    Herr Schulze … Herr Schulze? … Herr Schulze!!! Wo sind Sie denn hin???!!! Mhm …

    – Tja – wech isser.
    – Nu weiß ich immer noch nich …
    – Wollte mich auch mit ihm mal verabreden für zum Kennenlernen.
    – Dann eben das nächstemal.
    – Hab‘ nämlich noch ein lange Todo-Liste mit Fragen
    – …

    Dann trink‘ ich mir erstmal einen Kaffee Togo

    (Bürger geht ab, „Oh, Du lieber Augustin“ pfeifend, Publikum kaut)