Duisburger Müffel-Rüffel

Da ist der Duisburger Zoo in finanzieller Schieflage -ich berichtete in den letzten Tagen darüber- und schon macht sich der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Joachim Bonn vom Acker – um es salopp und mit regionaler Prägung auszudrücken. So kann man es sehen. Wenn man andere städtische Medien und Verlautbarungen aufmerksam liest scheint es anders zu sein. Da ist u.a. die Rede von zahlreichen Impulsen die der Mann gesetzt hat und dass er selbst schon länger von einer zu hohen Arbeitsbelastung sprach. Ich würde sagen die PR-Märchentantenmaschine ist gut geölt und funktioniert wie geschmiert. Welche Impulse von ihm kamen erfährt man nämlich nicht.

Ich gebe deshalb zu bedenken dass Dr. Joachim Bonn eigentlich im Hauptberuf der Vorstandsvorsitzende der örtlichen Sparkasse ist, Mehrheitseignerin ist die Stadt Duisburg. Deshalb liest man in vorgenannter Presse dann auch, dass er sich durch den Abgang beim Zoo nun wieder ganz auf seine Hauptaufgabe konzentrieren kann.

Man(n), das ist ja der feuchte Traum jedes hart arbeitenden jungen Mannes wie Noah Becker (Name von der Redaktion geändert). Noah(Foto unten) arbeitet auf dem Bau und kriegt rund 2.000 Euro im Monat `raus – inkl. Überstunden. Wichtig: Schon mittags ist er ziemlich eingedreckt, verschwitzt und müffelt leicht unter den Armen.

Zum Vergleich: Dr. Bonn sitzt mittags wahrscheinlich in einem klimatisierten und wohltemperierten Sparkassenbüro hoch über der Stadt. Könnte ein Klischee sein, aber ich glaube im dunklen muffigen Keller hockt der Mann nicht. Bei ihm müffelt auch nichts, weshalb er sich u.a. gut als Vorstand und Vorsitzender eignet. Neben seinen fachlichen Fähigkeiten natürlich. Sein jährlicher Verdienst bei der Sparkasse liegt bei (lag 2016 bei) 534.000 EU plus 14.000 EU geldwerten Vorteilen (z.B. KfZ) – gesamt also 548.000 EU. Das macht im Monat rund 45,700 EU  vor Steuern, andere Einkünfte bzw. Nebeneinkünfte nicht mitgerechnet. Grosszügig besteuert verbleiben ihm ev. 25.000 EU pro Monat netto (von mir geschätzt). Das sind mehr als 12mal so viel wie Noah im Monat bekommt.

Noah dagegen ist abends so müde, dass er gar keine Zeit hat noch Aufsichtsratsvorsitzender beim Zoo zu werden, geschweige denn sich darum auch nur bewerben zu können.

Dagegen kann Herr Dr. Bonn sich sowas zeitlich leisten. Er scheint also in der Sparkasse -so mein Umkehrschluß- nicht besonders gebraucht worden zu sein. Folgende These könnte dies stützen und wirft gleichzeitig die Frage auf warum der Mann dort so viel verdienen muß. Hier die These die Sie bitte zwischen den Zeilen lesen müssen: Die Sparkasse Duisburg hat eine Bilanzsumme pro Jahr von rund 5,5 Mrd. und vier(!) Vorstandsmitglieder. Die HASPA (Sparkasse Hamburg) hat eine Bilanzsumme von 55 Mrd. p.a. und fünf(!) Vorstandsmitglieder.

Alles in allem betrachtet und zusammengefasst komme ich zu dem Schluß Herrn Dr. Bonn den Duisburger Müffel-Rüffel zu verleihen. Meine virtuelle Auszeichnung für echtes Engagement – fragt sich nur für welches?

Und da 2020 Kommunalwahlen sind und dann der Stadtrat neu gewählt wird, hier mal eine Aufforderung an die derzeitigen Volksvertreter: Nehmen Sie Ihre Verantwortung ernst und lassen uns mal durch echte Haltung erleben wie Sie das Dilemma der Duisburger Personalien bei Eigenbetrieben und Tochterunternehmen tatsächlich noch im Griff haben!

Bei der Sparkasse Ausgaben einzusparen bekommt durch die gesetzlich geregelten Vorgaben sozialer Prägung ausserdem eine besondere Bedeutung zu. Ausgaben dort zu verplempern stünde den Vorgaben diametral entgegen.

Und schöne Grüße von Noah, der sein Konto bei der Sparda hat, oder bei den IngDiba, oder bei der Commerzbank, oder oder oder. Wobei er nicht glaubt, dass es da anders liefe.

Hier übrigens ein Link zur Sparkassen-Werbseite mit dem Konterfei von Dr. Bonn und seinen drei Kollegen. Achten Sie bei dem grossen Bild auch auf die charmant-verschmitzte Haltung des Mannes halb rechts.

https://www.sparkasse-duisburg.de/de/home/ihre-sparkasse/ihre-sparkasse-vor-ort.html?n=true&stref=search&q=dr.+bonn

Ganz zum Schluß noch ein Hinweis für alle die nun meinen ich hätte hier die typische Neiddebatte bedient. Nein, ich gönne allen Protagonisten die durch echte Leistung, Anstand und Fairness erworbenen Ansprüche in Form von Geld und Meriten.

 

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