Duisburg: Blind Date mit dem Ausbildungsplatz

Niederrheinische Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve und Agentur für Arbeit Duisburg gehen neue Wege bei der Vermittlung in Ausbildung! Besuch bei der Raumdesign Dommers GmbH
Was zählt bei einer Bewerbung um den Ausbildungsplatz? Sind es in erster Linie die Schulnoten und die Bewerbungsunterlagen? Oder ist nicht die Motivation des Bewerbers entscheidend?
v.l.n.r.: Astrid Neese (Agentur für Arbeit), Anastasia Volikova (Auszubildende), Peter Dommers (Geschäftsführer), Jürgen Kaiser (Niederrheinische IHK)

v.l.n.r.: Astrid Neese (Agentur für Arbeit), Anastasia Volikova (Auszubildende), Peter Dommers (Geschäftsführer), Jürgen Kaiser (Niederrheinische IHK)

In Zeiten des allgemein beklagten Fachkräftemangels müssen mehr Unternehmen umdenken. Vielfach sind nämlich nicht die Schulnoten ausschlaggebend, ob man eine motivierte Nachwuchskraft für seinen Betrieb findet. Doch leider scheitern noch viele Jugendliche an dieser Hürde und haben nicht die Chance bis zu einem Vorstellungsgespräch vorzudringen. Lernt man sich erst einmal persönlich kennen, sieht es aus Sicht der Personalverantwortlichen oft anders aus, als es die Bewerbungsunterlagen vermuten ließen.

Mit dem Blind Date am 27.09.2017, einem Projekt der Agentur für Arbeit und der Niederrheinischen IHK sollte Jugendlichen genau diese Chance gegeben werden. Arbeitsagentur und IHK haben Arbeitgeber mit noch offenen Ausbildungsstellen angesprochen. Und auf der anderen Seite fanden sich viele Bewerber, die trotz zahlreicher Bewerbungsversuche noch keinen Ausbildungsvertrag in der Tasche hatten. So trafen sich Unternehmen und motivierte Bewerber, doch die Schulnoten wurden im ersten Gesprächsteil völlig ausgeblendet (Blind-Date!). Die jungen Menschen konnten sich – gut vorbereitet von der Berufsberatung der Arbeitsagentur und den Ausbildungsberatern der IHK – den Ausbildungsbetrieben präsentieren und mit Persönlichkeit und Motivation überzeugen.
 
Eine dieser Jugendlichen war Anastasia Volikova. Ihre positive Ausstrahlung und ihre großes Engagement bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz fielen ihrer Berufsberaterin in der Agentur für Arbeit auf und so war sie eine Kandidatin für die Blind-Date-Veranstaltung in der Niederrheinischen IHK in der Duisburger Innenstadt. Sie traf auf die Raumdesign Dommers GmbH, ein alteingesessener Duisburger Raumausstatter, der unlängst sein 80jähriges Jubiläum gefeiert hat. Geschäftsinhaber Peter Dommers war von der Idee überzeugt. „Bewerbungsunterlagen sind zwar nicht unwichtig – das gilt auch für Schulnoten. Doch vor allem müssen mich Bewerber persönlich überzeugen, warum sie bei mir ihre Ausbildung absolvieren möchten. Anastasia Volikova ist das gelungen. Sechs Tage nach der Blind-Date-Veranstaltung hat sie bereits ihre Ausbildung zur Verkäuferin bei uns begonnen. Und sie hat natürlich die Chance, mit einem dritten Ausbildungsjahr als Einzelhandelskauffrau abzuschließen. Ich würde auf jeden Fall wieder an diesem unkonventionellen Veranstaltungsformat „Blind-Date“ teilnehmen.“
Anastasia Volikova hat gerne am Blind-Date teilgenommen. Nach rund 70 Bewerbungen ergab sich für die junge Frau eine neue Chance. In der Ausbildung bei Raumdesign Dommers kann sie ihre Interessen in Gestaltung und im Verkaufsbereich unter einen Hut bringen. Dafür nimmt sie zurzeit täglich drei Stunden Fahrzeit mit dem öffentlichen Nahverkehr in Kauf.
 
Astrid Neese, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Duisburg, sieht sich mit diesem Versuch, neue Wege bei der Ausbildungsvermittlung zu gehen, bestätigt: „Der Fachkräftemangel wird in Unternehmen spürbarer und die klassischen Verfahren zur Gewinnung von Nachwuchskräften sind nicht mehr automatisch erfolgreich. Es freut mich, wenn Unternehmen umdenken und sich auf ein Experiment einlassen. Dass es bei unserem Pilotversuch dann gleich beim ersten Mal klappte, damit haben wir nicht gerechnet – und uns umso mehr darüber gefreut. Wir kennen noch viele junge Duisburgerinnen und Duisburger, die auf eine solche Chance warten und sich nach vielen Bewerbungen endlich auch einmal einem Ausbilder persönlich präsentieren wollen. Allein diese Gelegenheit steigert die Motivation vieler Bewerber enorm. Die Fortsetzung von Blind-Date ist für 2018 schon geplant.“
Jürgen Kaiser, Leiter des Bereichs Ausbildungsberatung bei der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer, freut sich über die Bereitschaft der Betriebe, sich auf ein neues Format einzulassen. „ Wir konnten zusammen mit dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Agentur für Arbeit und jobcenter Duisburg Ausbildungsbetriebe gewinnen, die bereit waren, ohne jede Vorinformation über die Bewerber in ein Gespräch einzusteigen. Mit Jugendlichen, von denen nur das Interesse am entsprechenden Ausbildungsberuf bekannt war. Der Erfolg mit der Einstellung einer Auszubildenden bei Raumdesign Dommers spornt uns an, weitere Blind-Dates zu planen.“
 
 

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