Duisburg ist überall – und Benehmen ist Glücksache

Wenn man den am Wochenende veröffentlichten offenen Brief der Ängehörigen des Anschlags in Berlin vor (fast) einem Jahr liest, dann wird mal in Duisburg unweigerlich auch an die Loveparade-Katastrophe von 2010 erinnert. Sinnigerweise kurz vor dem langerwarteten Prozessbeginn am kommenden Freitag.

Der offene Brief der Angehörigen der Attentatsopfer vom Berliner Breitscheidplatz richtet sich an Angela Merkel und macht in aller Form deutlich wie sehr auch auf dieser hohen Ebene Benehmen scheinbar reine Glücksache ist. Mal ganz abgesehen von den Fehlern und Unzulänglichkeiten der Behörden im Umgang mit dem Anschlagsattentäter.

Lesen Sie den offenen Brief hier (Link auf www.tagesspiegel.de):  http://www.tagesspiegel.de/berlin/opferangehoerige-kritisieren-merkel-attentat-am-breitscheidplatz-eine-tragische-folge-der-politischen-untaetigkeit/20663940.html

Besonders bemerkenswert finde ich die folgende Textstelle (Zitat): … So haben Sie schon am Tag unmittelbar nach dem Anschlag in der Gedächtniskirche einen Trauergottesdienst mit anderen Vertretern hoher politischer Ämter begangen. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir Betroffenen noch gar nichts von unserem Schicksal. Das dem Bundesministerium des Innern nachgeordnete BKA hatte eine Informationssperre zum Verbleib der Opfer verhängt und sich 72 Stunden Zeit für die Identifikation der Opfer gelassen. Während also der Trauergottesdienst stattfand, haben wir Hinterbliebenen verzweifelt nach unseren Angehörigen gesucht und dabei sämtliche Krankenhäuser in Berlin persönlich aufgesucht oder telefonisch kontaktiert. …

In erschreckender Weise wird hier deutlich wie funktionell und pressetechnisch Trauer und der Umgang mit Trauernden sein kann. Was danach an anteilnehmenden Handlungen von ganz oben kam kann man locker mit inakzeptabel -bis auf Ausnahmen- beschreiben. Und um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, reagiert die Kanzlerin nun wenige Tage später mit gewohnter Polit-PR und es wird gleich noch ein Batzen Geld mehr locker gemacht. http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_82830738/breitscheidplatz-bund-zahlt-1-6-mio-hilfe-angela-merkel-trifft-angehoerige.html

Dann kann man ja jetzt wieder zur Tagesordnung übergehen. So wie seinerzeit in Duisburg als Verantwortliche, die allerdings nun nicht vor Gericht stehen, auch so weitermachen wollten wie bisher, als sei nichts gewesen, ausser 21 Toten und 600 Verletzten. Tja, Duisburg ist eben überall und Benehmen ist Glücksache. Unfassbar – und diese Leute sind unsere Volksvertreter. Nicht zu vergessen: C wie christlich! Wie in Duisburg.

Drei „Vater unser“ und gut is`.

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