Noch nicht fertig, schon verkauft: Das Lanuv in Duisburg

Der schwedische Fonds „Hemsö“ hat den Neubau für das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) am Hauptbahnhof gekauft. Begründung: Die hervorragende Infrastruktur und die langfristige Vermietung an das Lanuv. Das erklärte Jens Nagel, Geschäftsführer der Hemsö GmbH in Deutschland gegenüber der Presse.

Interessant, da das Immobilienunternehmen Aurelis Real Estate schon rund 15 Monate vor der Fertigstellung den Neubau an die Schweden veräußert. Der Investor erwarb auch das benachbarte Parkhaus. Über den Kaufpreis vereinbarten die Vertragsparteien Stillschweigen. Transaktionsberater für Hemsö war der strategischer Partner, die Quadoro Doric Real Estate GmbH mit Sitz in Offenbach/Main.

Noch interessanter wäre nun zu wissen wie hoch die Miete ist, die das Lanuv zahlt und wie lange die Mietdauer ist.

Und noch interessanter wäre es zu wissen was der Bau gekostet hätte, wenn das Lanuv selbst Bauherr wäre. Aurelis soll rund 70 Mio. investiert haben. https://www.lanuv.nrw.de/landesamt/veroeffentlichungen/pressemitteilungen/details/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=431&cHash=2437c15b396ebe95a5237f074bda8fdb

Machen wir mal eine Rechnung auf:

Aurelis investiert 70 Mio. nach eigenen Angaben (kann stimmen, muss es aber nicht) und Hemsö kauft für mind. 70 Mio., die kennen ja die Bausumme von Aurelis.

Hemsö vermietet und will dabei verdienen. Gehen wir anfangs mal von 10 Jahren Mietzeit aus und davon das Hemsö in der Zeit das Invest glatt zurückhaben will. Dann zahlt das Lanuv mind. 7 Mio. Euro Miete p.a., die Gesamtmietfläche beträgt rund 17.000 qm, d.h. Kaltmiete = 34,31 Euro/qm pro Monat. Die MWST. lasse ich mal unberücksichtigt.

Bei 20 Jahren: Kaltmiete = 17,16 Euro/qm pro Monat.

Bei 30 Jahren: Kaltmiete = 11,44 Euro/qm pro Monat.

Guckt man nun in den Gewerbemietspiegel der IHK http://www.ihk-niederrhein.de/downloads/ihk/Gewerblicher_Mietpreisspiegel_2016_Niederrheinische_IHK.pdf findet man aktuell die Angabe <8 Euro/qm für Duisburg bei Büros und Praxen. Bei 17.000 qm dürfte es erheblichen Mengenrabatt geben.

Noch Fragen?

Ich weiß, da gibt es erhebliche Dunkelziffern. Hemsö könnte zB auch Verluste machen um Steuern zu sparen, also die Miete viel geringer ansetzen. Man könnte mit einem höheren Restwert kalkulieren, oder man beginnt anfangs mit hohen Mieten und senkt sie i.L.d. Zeit, oder andersrum.

Eines ist jedoch sicher, die Miete zahlen wir – mit Steuergeld und machen gleich mal einen Fonds irgendwie etwas vermögender, denn sonst würde der es nicht machen. Wie sinnvoll wäre es solche sicheren Geschäfte über die örtliche Sparkasse abzuwickeln, und die Rendite in soziale Projekte zu stecken? Warum nur investieren Städte selbst immer nur mit Verlusten? Und warum Aurelis überhaupt verkauft ist mir auch schleierhaft.

 

Comments are closed.