DIE PARTEI und die Frage nach gesellschaftlichen Lösungen

Anna-Mareike Krause wäre mir nicht unbedingt aufgefallen, wenn mir Twitter sie nicht in meine Timeline gespült hätte. Ein Retweet. Nun hatte ich keine Ahnung, wer die Frau ist. Mehr als die Bezeichnung Nachrichtenjournalistin steht im Twitterprofil nicht, erst ein wenig Google ergibt: Die Journalistin arbeitet momentan bei der Tagesschau im Social-Media-Bereich, schrieb schon für die Berliner Zeitung – nicht zu verwechseln mit der BZ, bitte – und war auch beim WDR-Fernsehen schon aktiv. Was mir jetzt etwas Kopfzerbrechen macht, das ist der folgende Screenshot.

Aus zwei Gründen: Erstens ist mir nicht klar, woher das Zitat stammt. Die rote Linie deutet ja eher auf einen Text aus WORD oder PAGES oder OpenOffice hin oder was sonst Journalisten nutzen, wenn sie ihre Texte schreiben. Bisher ist die Antwort auf meine Frage, woher das Zitat den stamme noch nicht online. Und soweit ich das sehe, steht das auch sonst nicht in den Kommentaren dabei. Insofern: Wenn Frau Krause als Social-Media-Koordinatorin der Tagesschau täglich an die 12.000 Kommentare liest – so die Vorstellung beim Zündfunk – könnte es ja auch der Fall sein, dass das einfach nur ein Kommentar von jemanden ist, der bei der Tagesschau seine Meinung abgegeben hat. Allerdings teilt Frau Krause diese Meinung wohl, sonst hätte sie ja keinen kommentierenden Satz dazu geschrieben.

Die Frage, ob man eine Satirepartei nicht wählen solle, weil die keine Reformen anstrebe ist angesichts der Tatsache, dass man schon das Wahlprogramm der PARTEI gelesen haben sollte eigentlich obsolet. Natürlich strebt die PARTEI Reformen an. Es sind halt nur nicht die Reformen, die alle anderen so fordern. Damit geht die PARTEI halt in eine paradoxe Intervention – ein durchaus gängiges Mittel übrigens in Therapien. Wer sich aber das Verhalten der PARTEI zu bestimmten Themen anschaut, wer sich die Beantwortung der Fragen mal komplett beim Wahl-o-Mat auflisten lässt – der merkt schnell, dass die PARTEI durchaus sozialpolitisch mit einigen Dingen punkten kann. Etwa mit: „Die Obergrenze wird jährlich neu definiert: Deutschland darf nicht mehr Flüchtlinge aufnehmen als das Mittelmeer.“ Damit tritt die PARTEI ja eigentlich für eine sehr offene Flüchtlingspolitik ein. „Aber es darf trotzdem niemals so weit kommen, dass Kaninchen oder Legehennen mehr Quadratmeter zur Verfügung haben als ein Hartz IV-Empfänger.“ Politiker reden auch in diesem Wahlkampf nicht unbedingt über die Problematik des ökologischen Landbaus oder über die Situation von HARTZ-IV-Beziehern. Höchstens packt man noch verschämt ein Q an die sanktionsdurchsetzt Politik. Das ist auf den ersten Blick Unsinn, auf den zweiten kommt man da schon ins Grübeln. Wieviel Quadratmeter haben eigentlich Kaninchen oder Legehennen zur Verfügung? Und wie schon erwähnt: Natürlich will die PARTEI Reformen. Sie ist halt nur etwas unkonventioneller, was die Themen anbelangt. Vielleicht sollte man als Journalistin Dinge trennen können: Ja, das Vorgehen und Benehmen der PARTEI ist Satire. Aber die Positionen, die sie vertritt und die durchaus in Stadträten auch zur Sprache kommen und die Absicht, die sind schon ernsthafterer Natur. Was die Comedy-Schminke aber leider für manche allzu deutlich überdeckt. Das scheint bei Journalisten, die bisher mit ernsthaften Parteien zu tun hatten bei denen wusste, was die eigentlich wollen immer noch schwierig zu sein. Allerdings tut diese Irriation, Ratlosigkeit und die teilweise Wut ja der Diskussion auch gut. Sonst wäre dieser Artikel nicht entstanden. Insofern fördert die PARTEI die grundeigene demokratische Diskussionskultur. Das schafft sonst nur die AfD.

Was mich auch noch stört: Nicht jeder, der einen Screenshot teilt ist auch ein PARTEI-Wähler. Die Gleichsetzung von Leuten, die aus Amüsement oder Schmunzeln festgestellt haben, dass die PARTEI den Wahl-O-Maten nun perfekt für sich genutzt haben mit denen, die ernsthaft die PARTEI wählen werden ist etwas, was man als Journalist besser wissen sollte. Gerade das erstaunt mich bei einer Journalistin, die für den WDR gearbeitet hat und für die ARD arbeitet. Man kann durchaus ja gespaltener Meinung sein, was die PARTEI betrifft. Und ich mag die AfD nun überhaupt nicht. Aber würde ich eine Kolumne zur AfD schreiben würde ich doppelt und dreifach versichert sein, dass jedes Wort, jede Behauptung auch stimmt. Denn sonst würde ich dermaßen demontiert werden, dass es nicht mehr feierlich wäre. Warum das jetzt anders sein sollte, wenn man über die PARTEI berichtet und auch, wenn man nur seine Meinung als Journalist schreibt – ach, ich weiß es ja auch nicht…

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