Macht Duisburgs OB Stimmung gegen sozial Schwache?

Das Magazin Focus jedenfalls beantwortet diese Frage z.Z. mit einem eindeutigen „JA“. Grund ist ein aktuelles Interview von Sören Link mit Redakteuren von derwesten.de.

Der Kernsatz und die Überschrift auf den bzw. die sich auch der Focus bezieht lautet:

„Die Osteuropäer kommen ja nicht alle nach Duisburg, um hier zu arbeiten.“

Weiter unten finden Sie die Links zu beiden Artikeln.

Ich möchte die Sache zum Anlaß nehmen das aus meiner Sicht wie folgt zu kommentieren:

Die deutsche Politik -vor allem die der GroKo- ist seit mindestens zwei Jahren und spätestens seit Frau Merkels „Wir schaffen das.“ mit einem Flüchtlingsproblem beschäftigt, das sie nicht wirklich in den Griff kriegt. Das merkt man weniger wenn man Deutschland als Ganzes betrachtet, wohl aber schon wenn man z.B. Duisburg und hier die lokalen Brennpunkte betrachtet.

Dass OB Link und „seine“ Verwaltung mit diesen Problemen fertig werden muß, ist sicherlich nicht allein ihm anzulasten, wohl aber der Umgang damit.

Nicht unbedingt als OB, wohl aber als SPD-Genosse, hätte er auch aufgrund des kurzen Weges zu Innenminister Jäger und weiter zur Parteispitze, durchaus seinen Einfluß geltend machen können und/oder auf die Barrikaden gehen können, was z.B. den NRW-Flüchtlings-Verteilungsschlüssel usw. anging. Ebenso hätte er seinen Genossen-Einfluß geltend machen können was den Verteilungschlüssel in Duisburg selbst angeht. Tat er aber beides nicht. Nein, im Gegenteil, er und andere ließen sogar zu, daß sich die Ghettoisierung in Duisburg munter weiter verstärken konnte, so sehr, daß er nun zur Verbalkeule greifen kann, um auf den vermeintlich Allein-Schuldigen für eine Image-Misere und mehr rumhacken zu können. Die sich übrigens auch nicht wehren (können), was ihre soziale Schwäche ja nochmals unterstreicht – so werden sie ev. Sündenböcke und das Ganze erinnert ganz gewaltig an den Begriff der Hackordnung.

Natürlich oder wahrscheinlich sind einige oder sogar etliche Osteuropäer, hier meint Link vor allem wohl Rumänen und Bulgaren, schwierige Menschen – zumindest aus der Sicht eines deutschen Ottonormalbürgers. Aber eben nicht pauschal alle. Nur wenn man sie machen läßt wie sie wollen, ohne den negativen Auswirkungen ihres Handelns auf andere Einhalt zu gebieten, dann nehmen sie sich eben was sie wollen. NUR: Das trifft aber auf jede andere Menschengruppe und Gemeinschaft auch zu – egal wo sie herstammt. Man braucht sich nur die Berichte über Ausschweifungen in der „Truppe“ durchzulesen. Kein Osteuropäer dabei und der Boss sogar eine Frau, womit ich auch mal ein Vorurteil bediene, was eben auch nicht stimmt. Der geneigte Leser könnte ja nun meinen, die Ausschweifungen gab es eben wegen der Frau an der Spitze, die die „Truppe“ halt nicht im Griff hat.

Ohne Gesetze und Gesetzeseinhaltung, -überprüfung und -ahndung gerät jede Gemeinschaft ausser Kontrolle und gibt sich mit der Zeit eigene Gesetze. Das ist nichts Neues. Soziologie und Geschichte sind voll von Beispielen. Das Osteuropäer das im praktischen Leben etwas anders regeln als Schweden und Finnen und Norweger leuchtet ein.

Das Sören Link nun wie ein harter Kerl dastehen will um seine eigene Klientel und mögliche WählerInnen bei Laune zu halten und so zu wirken als hätte er Durchsetzungsvermögen, ist nur beschissene Wahlkampfrhetorik. Meiner Meinung nach steckt nichts dahinter als heisse Luft und wenig Rückgrat. Auch die zahlreichen Hyper-Aktivitäten um Abrisse und Aufkäufe von Problemhäusern in Marxloh gehören dazu.

Und als hätte er aus der jüngeren Geschichte nichts gelernt, werden Schuldige von ihm stilisiert, die sie zwar auch sind, nämlich durch asoziales Verhalten bis hin zu Straftaten, aber sie sind nicht die einzigen Schuldigen. Deshalb hilft es manchmal sich an die eigene Nase zu fassen. Schuldig an manchen asozialen Entwicklungen kann man nämlich auch durch Unterlassung werden.

Ein OB sollte die Souveränität haben sich dieser Verbalkeulen wie Herr Link nicht bedienen zu müssen, sondern durch sein Handeln immer vorbildlich und besorgt und durchgreifend und authentisch für alle sein. Alles andere ist und bleibt nur Gelaber.

Hier die Links zu beiden Artikeln:

https://www.derwesten.de/staedte/duisburg/bald-touristenmagnet-duisburgs-oberbuergermeister-vergleicht-marxloh-mit-little-italy-in-new-york-id211733287.html

http://www.focus.de/politik/deutschland/unverantwortliches-spiel-mit-dem-feuer-stimmungsmache-gegen-rumaenen-duisburgs-ob-spielt-sozial-schwache-gegeneinander-aus_id_7536243.html

 

Und hier noch ein paar Nachsätze zum Schluß:

Erstens:

Mich wundert schon weshalb Herr Link mit dieser Einstellung (u.a. auch: “ … lieber Syrer als Südosteuropäer …“) noch in der SPD ist.

Zweitens:

An alle bei denen die Linkschen Sprüche verfangen sollen oder können: Was glauben Sie wohl, wieso wir alle so billige Möbel kaufen können? Richtig, auch wegen des Billig-Holzes aus Rumänien. Warum wir alle so billig am Meer Urlaub machen können? Richtig, auch wegen des Goldstrands in Bulgarien. Und warum können manche Industrien wohl so billig produzieren und Händler so billig an uns alle verkaufen? Richtig, wegen des Arbeiter-Strichs in etlichen Gegenden, wo man rumänische und bulgarische Tagelöhner findet. Und wen finden wir oftmals illegal auf deutschen Baustellen, auch den Baustellen der öffentlichen Hand? Und wer fertigt unsere billigen Klamotten? Und wen …  Und wer …

Drittens:

Mein Tipp: Think global, act local!

 

5 thoughts on “Macht Duisburgs OB Stimmung gegen sozial Schwache?

  1. Norbert Krambrich 1. September 2017 at 08:02:02 -

    Was Herr Link und übrigens auch die wenigsten seiner Spielfreude aus Politik und Verwaltung begreifen: Weder kann selbst das übelste Duisburger Abschreckungszenario einen einzigen Zuwanderer oder Geflüchteten abhalten hierher zukommen- dazu müsste man nämlich begreifen, welche Hoffnungslosigkeit, Angst und Verzweiflung Menschen um treibt, ihre Heimat zu verlassen-, noch ist es ein erfolgsversprechendes Mittel, um am rechten Rand irgendwelche Stimmen anzugreifen.
    Viel sinnvoller wäre die Einführung entsprechender Unterbringungskonzepte, Stichworte Mindeststandards, unabhängiges Beschwerdemanagement, Clearing-Verfahren, uneingeschränkter Zugang zur Wohnungsakuthilfe, dezentrale Stadtteilberatung, Einführung einer Gesundheitskarte für Zuwanderer und Menschen im Asylbewerberleistungsgesetz etc., alles Maßnahmen, die in kommunaler Verantwortung liegen und diverser Berechnungen zufolge nicht nur menschenwürdiger, sondern auch kostengünstiger sind.So bleibt festzustellen, dumm bleibt dumm, rassistisch rassistisch und geistige Brandstiftung bleibt nicht ohne Folgen.

  2. Michael Schulze 1. September 2017 at 12:57:37 - Author

    @Norbert Krambich
    Genau.
    Ich habe noch folgendes dem Artikel hinzugefügt:

    Und hier noch ein paar Nachsätze zum Schluß:

    Erstens:

    Mich wundert schon weshalb Herr Link mit dieser Einstellung (u.a. auch: “ … lieber Syrer als Südosteuropäer …“) noch in der SPD ist.

    Zweitens:

    An alle bei denen die Linkschen Sprüche verfangen sollen oder können: Was glauben Sie wohl, wieso wir alle so billige Möbel kaufen können? Richtig, auch wegen des Billig-Holzes aus Rumänien. Warum wir alle so billig am Meer Urlaub machen können? Richtig, auch wegen des Goldstrands in Bulgarien. Und warum können manche Industrien wohl so billig produzieren und Händler so billig an uns alle verkaufen? Richtig, wegen des Arbeiter-Strichs in etlichen Gegenden, wo man rumänische und bulgarische Tagelöhner findet. Und wen finden wir oftmals illegal auf deutschen Baustellen, auch den Baustellen der öffentlichen Hand? Und wer fertigt unsere billigen Klamotten? Und wen … Und wer …

    Drittens:

    Mein Tipp: Think global, act local!

  3. Herr Meiser,den Ausführungen kann ich mich anschliessen.Warum und wieso SPD Obere die CSU rechts überholen kann ich nicht nachvollziehen. im Westen erklärt Link, dass bei den Osteuropäern eine Nulltolleranzstrategie gefahren wird. Wenn ich als OB in einer Stadt eine Nulltoleranzlinie fahre-gegen Alle- ist das bayerische Haltung am äüßersten Rand. Jeder der in Duisburg wohnt…. Deutsche Türken, Albaner,Bosnier können mit keiner Toleranz rechnen, wenn sie ein Arbeitsangebot ablehnen,10 km/h zu schnell fahren, laut auf der Straße sind, Hochzeiten mit Huperei veranstalten- das ist Zero Tolerance.jedoch ist es nicht typisch Duisburg. Duisburg ist eine tolerante Stadt.Da wird mal ermahnt statt zu bestrafen.Nulltoleranz paßt nicht zu Duisburg. Wenn aber gesagt wird: Das Leben in Duisburg ist wie bisher,- macht Euch keine Sorgen- aber gegen eine Volksgruppe, da fahren wir Nulltoleranz und lassen ihnen nichts durchgehen. Das ist doch Rassismus vom Feinsten.Da muss man auch nicht diskutieren.Rassismus ist ganz einfach definiert.Ich behandle jemanden wegen seiner Herkunft schlechter oder strenger als meine eigenen Leute.Dass es starken Zuspruch wegen dieser Dinge sowie wegen des Syrerzitates aus der Bevölkerung gibt ist wohl logisch.14 bis 16% in Duisburg sind AFD Wähler im harten Kern.Die jubeln automatisch.Der Rest dieser Leute dürfte auch bekannt sein.Wenn so offen in Duisburg etwas gesagt werden darf, was klar der Rassismusdefinition entspricht mal ne Frage : Warum gibt es keinen Widerstand?

  4. @Laskowski Peter
    Mehr Widerstand, ja wünsch ich mir auch. Schicken Sie doch den Artikel-Link an jeden weiter den Sie kennen.