Duisburgs Sauerland Politik

Adolf Sauerland (CDU), ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt Duisburg und Hassbild vieler. Persönlich verantwortlich für die Katastrophe der Love-Parade gemacht, verbrannt und verachtet. 21 Menschen sind damals in den Tod gelaufen, blind. Eine wahre Katastrophe, für die heute noch die Schuldigen gesucht werden. Für einige ist der Schuldige seit damals jedoch klar und ohne Umschweife bringen sie das immer wieder mit ihrem Hass zum Ausdruck, vergessen jedoch den Menschen hinter seinem Amt.

Wenn ich so durch Duisburg laufe, gerade im Innenstadtbereich, erinnert mich alles an Herrn Sauerland. Alles, was nun versucht wird, durch die SPD als das ihre zu verkaufen, ist das Meisterwerk eines Walsumers Ex-Oberbürgermeister. Herr Sauerland, hat über Jahre geplant, nicht so wie der heutige Reaktions-Oberbürgermeister über drei Monate.

Von der hässlichen Bahnhofsplatte zieht es sich wie ein Teppich quer durch die Duisburger Landschaft: ein Bauvorhaben nach dem anderen, eine nachhaltige Realisierung nach der anderen. Wir haben in Duisburg, ob wir dies möchten oder nicht, Herrn Sauerland viel zu verdanken. Mehr sogar, als wir ihm öffentlich zugestehen. Wäre die Katastrophe der Love-Parade nicht in seine Karriere gekracht, er wäre heute noch mit seinem Mofaroller quer durch Duisburg unterwegs und sich sicherlich immer noch nicht zu schade, bei jedem potenziellen Investor die Türklinke zu putzen, für seine Stadt. Ja, sogar beim Rausgehen sein gespültes Wasserglas in Gastgebers Schrank wieder zurück zustellen, um einen guten und bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Wenn man mich fragt, ob ich in meiner politischen Laufbahn Fehler gemacht habe, muss ich mit „Ja!“ antworten und hinzufügen: „Ganz sicher sogar werde ich zukünftig auch Fehler begehen. Ich gebe mir Mühe jeden Fehler zu vermeiden, aber ich werde ohne Fehler nicht lernen und mich weiterentwickeln können.“ Diese Selbsterkenntnis ist in der Politik jedoch verhöhnt. Ja, sie wird sogar durch jeden Trainer für Öffentlichkeitsarbeit konsequent gemieden, wie der Teufel das Weihwasser meidet. Es ist ein Zeichen von Schwäche, die Medien zerreißen einen, man wird nie wieder Fuß fassen können – so die Grundüberzeugung im politischen Alltag.

Damals, gerade aktiv geworden in der politischen Parteiarbeit, habe ich mich in meinem naiven Leichtsinn mitreißen lassen. Ich habe nicht verstanden, warum ein Oberbürgermeister so reagiert, wie er damals reagiert hat. Ich habe nicht verstanden, was das sollte, ich war 24 Jahre alt, die Eierschalen hinter den Ohren. Heute, 31 Jahre und ein paar Jahre im politischen Alltag verankert, verstehe ich ganz genau, was passiert ist. Mehr sogar, ich kann es nachempfinden und sogar fühlen.

Wir haben damals einen großen Fehler begangen, welcher sich in der heutigen Zeit konsequent überall verschlimmert: Wir führen Debatten in Duisburg, in NRW und deutschlandweit mit einer moralischen Erhabenheit. Die Medien heizen diesen Prozess, auch unsere damalige Duisburger Tragödie, maßgeblich mit an. Nein, Politik darf nicht ohne jeglichen Anstand und Moral handeln und entscheiden. Haltung und Werte gehören zum Handwerkszeug, wie zum Zimmermann ein Hammer. Jedoch kann ein Zimmermann ohne Nägel keinen Dachstuhl bauen.

Ein Paradebeispiel findet man in der derzeitigen Flüchtlingsdebatte und zum Thema Innere Sicherheit. Man muss es faktisch und sachlich benennen: Die damalige Grenzöffnung war laut Europäischen Gerichtshof keinerlei Rechtsbruch und trotzdem war diese Grenzöffnung ein Fehler mit fatalen Folgen. Als die Flüchtlinge damals in München ankamen, bat die bayrische Landesregierung andere Bundesländer um Hilfe. NRW half, Bayern verteilte unregistrierte Flüchtlinge auf einen Zug gen NRW. Als der Zug in Dortmund ankam, befand sich in diesem Zug nur noch 1/3 aller losgeschickten Flüchtlinge. Keiner weiß bis zum heutigen Tag, wo die restlichen der „hilfebedürftigen“ Flüchtlinge abgeblieben sind. Bis zum heutigen Tage möchte niemand die Verantwortung für dieses Desaster übernehmen, lobt aber die moralische Haltung der Bundesregierung. Faktisch ist dies jedoch ein innenpolitisches Sicherheitsdesaster, welches jedoch kaum Anerkennung findet. Hauptsache ist, man kann beruhigt seiner Nachtruhe nachgehen. Wir führen Debatten darüber, ob wir eine Putzfrau, „Putzfrau“ nennen dürfen. Sie könnte sich gekränkt fühlen, deshalb führen wir die Begrifflichkeit „Fußbodenkosmetikerin“ ein, für das eigene Gewissen – hochgespitzt trifft diese Metapher die derzeitig politische Prioritätensetzung.

Die moralische und fehlerfreie Erhabenheit ist eine trügerische Sicherheit für sein eigenes Weltbild und beruhigt nur das eigene Gewissen. Eine Verbesserung von Missständen und akuten Problemen wird diese Geisteshaltung niemals herbeiführen können. Im Gegenteil, sie erdrückt und erstickt jede sachliche- und faktenbasierte Debatte im Keim. Es gibt nur noch gut oder böse, rechts oder links und das politische Arschloch, welcher ein Mix aus etwas Undefinierbaren darstellt. Wer sachlich und realitätsnahe Fakten auf den Tisch bringt, wird von allen Seiten mit der moralisch fehlerfreien Keule erschlagen, diffamiert, verfolgt, abgestempelt, und wenn es realisierbar wäre, an ein Schwarzes Brett gehangen – freigegeben zur gesellschaftlichen Hexenverbrennung.

Formiert sich eine gesellschaftliche kleine Gruppe rund um den moralischen Fressenstopf, an dem sich jeder seines ruhigen Gewissens bedienen kann, ist die Presselandschaft meist nicht weit entfernt, um den gegenseitigen Zerfleischungsprozess voranzutreiben. Die jeweiligen Oppositions-Parteien formieren sich zum Abendmahl, natürlich völlig selbstlos. Dabei vergessen alle eine elementare Frage: Wer ist fehler- und makellos und weshalb wird der Politik nicht ermöglicht Fehler zu begehen, diese klar zu benennen und dessen Umstände abzustellen? Aufgrund der moralisch erhabenen Elitegesellschaft? Dann sollten Sie sich die Fragen stellen, welche moralischen Grundwerte dahinter stecken, Menschen einer modernen Hexenjagd auszusetzen. Ja, man sollte erkennen das es Duisburg und auch in Teilen von ganz Deutschland an einem fehlt: Demut, Bescheidenheit und vor allem Dankbarkeit. Vielleicht ist es dann auch wieder möglich, sich auch als verantwortlicher Fehler in seinem Weiterentwicklungsprozess offen einräumen zu können. Denn nur das, ausschließlich, trägt dafür Sorge Missstände abstellen zu können.

7 thoughts on “Duisburgs Sauerland Politik

  1. Michael Schulze Mo, 31 Jul 2017 at 21:32:19 -

    @Max Bauer
    Ich will nur einiges zu Herrn Sauerland anmerken. Natürlich gehen Qualitäten unter wenn ein schlechter Nachgeschmack sie übertüncht. Natürlich hatte der Ex-OB seine guten Seiten, aber am Schluß offenbarte er sie nicht und zwar dann nicht als es am stärksten darauf ankam. Und das bleibt eben hängen. Das muß man wissen, sollte man wissen und als Erwachsener weiß man das auch, besonders wenn man in der Politik ist. Wenn dann ein Nachfolger es nicht besser macht, dann kommt vllt. Wehmut auf, dass der Ex gar nicht so schlecht war, aber dieser Ex musste nunmal „weg“ und er hätte ja auch auspacken können, was er übrigens immer noch kann.
    Damalige Einheizer wie CDUler Thomas Mahlberg (MdB) und sicher auch der EX-WDR Chef und Ex-GF von Kulturhauptstadt2010 Fritz Pleitgen haben sicherlich dazu beigetragen, dass Herr Sauerland sich hat verleiten lassen, etwas nicht zu verhindern, was gesunder Menschenverstand verhindert hätte.

    Es war zudem auch eine Scheißhaus-Idee mit der Love-Parade das Duisburger-Image aufzupeppeln.

    Und ich komme jetzt mal nicht mit der moralischen Keule und ich weiß, daß nach dem Kriege alle Gräben voller Weisheit sind, aber wenn man sich die Tunnel und die schmalen Gänge ansieht, kann man sich nicht vorstellen irgendeiner mit Geist und Verstand hätte das zugelassen.
    Übelgenommen hat man dem Ex-OB vor allem seine Unterlassungen was seinen Umgang mit dem Unglück angeht.
    Und mal ganz ehrlich: Möchten Sie einen wie Sauerland erneut an der Spitze, weil er doch sein guten Seiten hatte, davor zumindest?

    Und natürlich arbeite auch ich mich an schlechten Politikern ab, aber nicht weil ich mich für besser oder gar fehlerlos halte, und ich weiß auch um die Bürden der Ämter, aber viele Politiker haben selbst ein Räderwerk an Positiv-PR am Laufen und dem muß man entgegenwirken. Wenn sie nämlich auch mal Fehler zugäben, dann könnte man geneigt sein zu denken und zu schreiben sie wären echt-ehrliche Menschen, tun sie aber nicht, weil die Macht -und selbst wenn es nur eine kleine Macht ist- ihnen die Sinne vernebelt.
    Und instinktiv weiß jeder mit Macht, dass er keine Schwäche zeigen darf. Besonders wenn er Macht qua Amt hat, aber nicht qua Fähigkeiten.
    Höflinge und Günstlinge der Macht sägen dann sofort an den Beinen des Throns.
    Nur ganz wenige Leute sind in der Lage auch mal unwissend zu sein und Fehler zu machen und zuzugeben. Man erkennt sie an einfachen Dingen wie z.B. dem Umstand, dass sie nicht unbedingt immer vorne, in der 1. Reihe und am höchsten stehen wollen.
    Sie glänzen nicht durch Worte, sondern durch (eigene) Taten.

    Das schreibe ich als jemand der 25 Jahre älter ist als Sie.

  2. Sehr geehrter Herr Bauer, Ihr Beitrag lässt mich zugegebenermaßen ziemlich irritiert zurück.
    Das hängt sicherlich mit Ihrem „Sauerland-Intro“ zusammen.
    Am Tag der Loveparade waren Sie 24 Jahre alt und wo hielten Sie sich an diesem Nachmittag gerade auf ?
    Ich war damals bereits 57 – und wohnte ca. 500 Meter vom Katastrophen-Tunnel entfernt. Das hieß für meine Frau und mich: ab ca. 17 Uhr Martinshörner ohne Ende, Hubschrauberlärm bis zum Abwinken, Fließtext „10 Tote bei der Loveparade“ im WDR-Fernsehen. Und die Gewissheit, dass irgendwo zwischen unserem Haus und dem LoPa-Gelände unser jüngster Sohn mit seinen Freunden stecken musste. Letztlich waren sie auch auf der Rampe gelandet, kamen aber alle insgesamt wohlbehalten zwischen 19 und 19:30 zu uns zurück. Warum ich dass erzähle ?
    Am 25.7.10 fand dann diese legendäre Pressekonferenz statt, und ich saß nur noch fassungslos vor dem Bildschirm ! Zu dem Zeitpunkt bereits 20 Todesopfer, und der OB wollte mit nix zu tun haben ? Als oberster Dienstherr der Stadtverwaltung hatte er die verdammte Pflicht und Schuldigkeit sein Amt niederzulegen. Und die nachfolgenden Proteste der Bevölkerung hatten auch vielfach nichts mit „Hexenjagd“ zu tun. Es ging zumindest darum, die moralische Verantwortung einzufordern. Aber die CDU wollte lieber auf Gedeih und Verderb ihre Machtposition in einer Ruhrpott-Stadt manifestieren. Ich kann mich noch gut an die grinsenden CDU-Gesichter nach der gescheiterten Abwahl-Abstimmung im Stadtrat Anfang September 2010 erinnern. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wollte ich meine abgegebene Sauerland-Wahlstimme zurück, und engagierte mich letztlich bei „Neuanfang für Duisburg“ .

    Sorry, jetzt habe ich ziemlich weit ausgeholt.

    Wenn ich durch die Stadt gehe oder fahre, denke ich bei der Altstadtbrache, der Mercatorhalle, der teuren Stadtbibliothek, der Küppersmühle, dem Landesarchiv, der Waterfront und der tollen Tribüne im Innenhafen immer an Adolf Sauerland. Und erst recht im Karl-Lehr-Tunnel !

  3. Michael Schulze Di, 01 Aug 2017 at 02:29:44 -

    @Frank Nohl
    Ja die grinsenden Gesichter, bitte nennen Sie mir die Namen der Grinser und wenns geht eine Fotoquelle. War Herr Mahlberg dabei?
    Danke vorab.
    Senden Sie eine Mail an redaktion@xtranews.de, zH Herrn Schulze.

  4. Interessante Mischung aus „früher war alles besser“ und kaum verhohlener Angst vor Überfremdung. Der Artikel befremdet mich doch sehr.

    Aber im Kern bleibt festzuhalten: Das Sauerland gehen musste, hatte nichts mit seinem Wirken für oder in Duisburg allgemein, sondern einzig mit seiner unerträglichen Verhaltensweise bei der Loveparade-Katastrophe zu tun.

    Und was das mit Flüchtlingen zu tun haben soll, die von Bayern aus in Dortmund ankommen oder nicht, das weiß vermutlich nur der Autor.

  5. Sauerlands Handlungen nach der Loveparade fehlte jegliches Fingerspitzengefühl.
    Daran ist er gescheitert und nicht an der Katastrophe. An dem gleichen Verhalten sind übrigens auch Jäger und Kraft bei der Landtagswahl gescheitert.

    Wer Fehler nicht eingestehen kann, ist schwach.

  6. Norbert Krambrich Mi, 02 Aug 2017 at 07:49:59 -

    Ob nun die seit Sauerland herrschende Baukultur immer so förderlich für Duisburg ist will ich dahingestellt lassen, für seine Abwahl war allerdings alleinig sein inakzeptables Verhalten im Umgang mit der Loveparade und die völlig fehlende Sensibilität.

    Was mich vielmehr irritiert ist die zunehmende Anzahl von Artikeln, die vor allem bei obigen Autor von fehlender Sachlichkeit geprägt sind.Da werden Zusammenhanglos Behauptungen über Flüchtlinge in die Welt gesetzt, in einem anderen Artikel Vorurteile über Langzeitarbeitslose gepflegt, allein Belege bleibt der Autor schuldig, was er nicht schuldig bleibt ist ein der Stil der Verunglimpfung und Zersetzung.
    Wer ernsthaft die desaströsen politischen Verhältnisse in dieser Stadt kritisieren will, sollte die eigene Forderung nach Sachlichkeit ernst nehmen und sie nicht nur propagieren.Schaut man sich allerdings den bisherigen politischen Werdegang des Autors an bleibt zu befürchten, dass er die politischen Mittel seines ehemals “ best buddies“ Sören Link verinnerlicht hat und nun jeden populistischen Winkelzüge zur Profilierung nutzt.Vom Sauerland-Gegner, Link-Hasser, Rubinstein-Unterstützer zum Link- Freund, SPD-Mandatsträger, parteilosen Einzelkämpfer etc., entweder ist es völlige Orientierungslosigkeit oder politische Berechnung, die den Autor um treibt, in der Wahl seiner Mittel ist er allerdings weder unerfahren, noch zimperlich.