Gras ist das neue Alkohol

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung erzählt die Fotografin Jennifer Osborne von ihrem Besuch in der Oaksterdam University in Kalifornien, wo sie den Cannabis-Studiengang begleitet. Hier lernen die Studenten alles über die Hanfpflanze und Marihuana, vom Anbau bis zu den speziellen Hanfsamen-Typen wie Skunk und Cannabis-Sorten wie Afghan Kush.

Osborne erzählt im Interview, wie sehr sie überrascht war, die Gras-Uni zu besuchen. Sie sei kaum mehr als ein einziges Klassenzimmer gewesen und sehr überschaubar. Und doch melden sich Jahr um Jahr immer mehr Menschen für die Kurse an, bereits Tausende haben sie schon besucht. Osborne hat bei ihrer Dokumentation der Schule vor allem sehr viele unterschiedliche Typen fotografiert.

Die meisten, so Osborne, die einen Kurs an der Universität machen, wollen einen Fuß in die Tür der Marihuana-Industrie bekommen. Seitdem die Legalisierung in vielen US-Bundesstaaten durchgesetzt wurde, ist eine Art Goldgräberstimmung ausgebrochen. Mit Cannabis kann man jetzt – wenn man es richtig macht – reich werden. Auf der anderen Seite gibt es auch Studenten, die an die Oaksterdam University gehen, weil die Professoren teilweise über die Anbau-Genehmigungen entscheiden. Daneben gibt es aber auch ein paar Hippies und auch Menschen, die schon Erfahrung mit dem Anbau von Gras gemacht haben. Jeder scheint sein eigenes Ziel zu verfolgen und die Universität ist ein sehr bunter Mix. Man kann auf jeden Fall nicht behaupten, dass es sich bei allen Studenten um leidenschaftliche Kiffer handelt.

Die Studenten kommen zudem nicht nur aus den USA und Kanada, sondern auch aus Südamerika, Europa und Australien. Osborne hält den Trend zur Cannabis-Lehre für anhaltend, denn der Hype ist groß. Der sogenannte “Green Rush” in den USA ist eine ernstzunehmende Branche, so Osborne, die viele Hoffnungen weckt. Viele Menschen und Unternehmen investieren riesige Summen an Geld in diesen neuen Markt. Es verfestige sich gerade der starke Glaube daran, dass Gras das neue Alkohol wird. Obwohl noch nicht mal die Legalisierung auf bundesstaatlicher Ebene durchgewunken ist – und auf diesen Traum bauen alle, die schon in den Startlöchern stehen.

In Oaksterdam, so Osborne, spüre man diese Aufbruchsstimmung. Die Dozenten und Lehrer der Uni kennen sich auch in Dingen des Rechts und der Geschäfte aus. Sie wissen sehr viel und können auch einiges darüber erzählen, wie man die Pflanze anbaut. Im Interview redet Osborne viel über die liberale Einstellung der Universität und darüber, dass die meisten Dozenten vor allem Bürgerrechtler seien. Leider ist aber die Zukunft der Universität noch ungewiss. So lange die Lehrinstitution in einer legalen Grauzone agiere, könne sie jederzeit an Genehmigungen und sich ständig wechselnden Gesetzen scheitern.

 

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