Bayern-Bonus: Mythos oder Realität?

Seit vor kurzem der FC Bayern München bei der Hertha in Berlin zu Gast war, ist die Diskussion über einen möglichen Bayern-Bonus wieder voll entbrannt. In der 6. Minute der Nachspielzeit hatten die Münchner im Olympiastadion den Ausgleich erzielt und den Berlinern somit noch den fast sicher geglaubten Heimsieg entrissen. Seit Beginn der Datenerfassung wurde in der Bundesliga noch nie so spät ein Tor erzielt.

Als nach den gespielten 90 Minuten Schiedsrichter Patrick Ittrich noch fünf Minuten Nachspielzeit anzeigte, war die Welt für alle Nicht-Bayern-Fans noch in Ordnung. Doch auch nach diesen fünf Minuten ließ man noch weiterspielen, bis schließlich doch noch der Ausgleichstreffer fiel. Zufall oder gar der ominöse Bayern-Bonus? Die Statistiken geben Auskunft.

Betrachtet man die vielen Unterbrechungen, scheinen die fünf Extraminuten auf den ersten Blick durchaus berechtigt zu sein. Schaut man sich aber mal die Nettospiel an und vergleicht diese mit anderen Spielen, fällt schnell auf, dass im Match Berlin gegen München gar nicht so wenig gespielt wurde. So war die Zeit in der der Ball rollte mit 63 Netto-Minuten und 15 -Sekunden der Spitzenwert des Spieltages. Kein anderes Team konnte demnach so lange versuchen, ein Tor zu erzielen, wie die Bayern.

Laut Sportdaten-Lieferant Opta beträgt die Nettospielzeit in der zweiten Spielhälfte in dieser Saison durchschnittlich 27:42 Minuten – das Tor zum 1:1 fiel jedoch nach 30:45 Minuten, also deutlich über dem Schnitt. Interessant ist auch, dass die Schiedsrichter in der Bundesliga statistisch betrachtet kürzer nachspielen lassen, sobald die Bayern nach 90 Minuten in Führung liegen.

Foto Thomas Rodenbücher

Foto Thomas Rodenbücher

Auf dem ersten Blick gibt es dabei erneut keine Auffälligkeiten. Die durchschnittliche Nachspielzeit beträgt bei allen Spielen in der Bundesliga ungefähr drei Minuten und bei Spielen mit Münchner Beteiligung nur unwesentlich weniger. Während dies alle Bayern-Spiele betrifft, egal ob sie nun in Führung liegen oder nicht, fallen Nachspielzeiten, bei denen der FC Bayern München zurück liegt, länger aus: Liegen die Bayern in front, werden im Schnitt 2:17 Minuten oben drauf gelegt, andernfalls auffällige 4:06 Minuten.

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Sicherlich treffen auch andere Teams in der Nachspielzeit das Tor, doch Treffer, die etwas Zählbares einbringen, findet man am häufigsten bei den Münchner Bayern. So konnte sich das Team von Trainer Carlo Ancelotti allein in dieser Saison am 17. Spieltag gegen den SC Freiburg, am 20. Spieltag gegen den FC Ingolstadt und eben im Match gegen Hertha BSC kurz vor Spielende wichtige Punkte für die Meisterschaft sichern. Ist das Zufall, ein Bonus oder doch der Qualität der Mannschaft geschuldet? Eine abschließende Antwort wird es darauf so schnell nicht geben. Auffällig ist wieder nur, dass das letzte Tor, welches den Bayern in der Nachspielzeit Punkte kostete, bereits 2005 fiel. Damals Damals traf Sören Larsen einen Elfmeter für den FC Schalke 04.

Ob nun Hertha BSC in der Bundesliga, Malaga und Valencia in Spanien oder auch Nottingham Forest und Birmingham City in England – was haben die Teams gemeinsam, wenn man bei letztgenannten mal vom gleichen Trikotsponsor 888 absieht? Sie leben nicht so sehr von der Spielkultur wie europäische Top-Teams, sondern definieren sich vor allem durch Kampf und Siegeswille. Doch je länger eine Partie letztendlich geführt wird, desto eher geht ihnen die Puste aus. Und Mannschaften wie die Bayern profitieren dann davon.

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