Zwischen Rechtspopulisten und Moralaposteln

In meiner politischen Arbeit die in Duisburg im Jahre 2012 begann und vormals in Frankfurt am Main anfing, habe ich viel Erfahrungen sammeln dürfen. Unter anderem auch mit dem Umgang von verschiedenen Menschen und Persönlichkeiten, die gerade in den politischen Gefilden sehr speziell sind. Seit meiner persönlichen Politisierung bemerke ich jedoch eine Veränderung im politischen Umgang miteinander, welche mir Sorgen bereitet und in mir immer wieder die Frage aufkochen lässt: „Was unterscheidet euch eigentlich noch von dem rechten Spektrum?“ Mit „euch“ sind jene Menschen gemeint, die sich moralisch über alles und jeden stellen. In Duisburg bemerkt man dies stärker als in anderen Städten, mag dies an einem fehlenden Bildungsgrad liegen, oder auch an der allgemeinen schwachen sozialen Struktur. Fakt ist jedoch, ein politisches arbeiten an solch einer Bürgerfront, ist alles andere als angenehm – dabei spielt es keinerlei Rolle welcher demokratischen Partei man angehört.

PEGIDA in Duisburg - Foto: Stefan Meiners

PEGIDA in Duisburg – Foto: Stefan Meiners

In Auseinandersetzungen zu politischen Sachthemen geht es in Duisburg zum überwiegenden Teil schon lange nicht mehr darum, welche Argumente dafür oder dagegen sprechen. Es geht denjenigen die sich zu Wort melden einzig und alleine um eins: Persönlichkeiten. Die Frage was ein Sachthema mit einer Person dahinter zutun hat, kann ich dem Lesenden hier in dieser Kolumne nicht beantworten. Was ich jedoch tun kann und auch werde, ist das Thema zu benennen und zu beleuchten – aus der Sicht des Funktionärs.

Seit ich mich speziell entschied für xtraNews zu schreiben, nämlich Kolumnen und vorerst keine journalistischen Artikel, verfolgt man natürlich auch das Onlinegeschehen und dessen Reaktionen auf das geschriebene. Man liest in Kommentarspalten kaum sachorientierte Kommentare, bzw. Diskussionen, welche eine Kolumne nämlich anstossen soll. Überwiegend liest man in Duisburger Gruppen persönliche und nicht sachorientierte Bemerkungen die einzig und alleine darauf abzielen, jemanden persönlich als Mensch anzugreifen, infrage zu stellen oder zu diffamieren. Dies ist nicht nur so in dem Gebiet des Schreibens so, sondern in der politischen Arbeit um ein vielfaches extremer und intensiver. Aber warum ist das so? Die Frage kann jeder nur für sich selbst beantworten, jedoch ist es genau jenes Phänomen, womit man im politischen Alltag dauernd konfrontiert wird und was einem das Leben so unheimlich schwer macht in der Arbeit als politischer Funktionär. Jeder, ob ehrenamtlich politisch engagierter Mensch oder Berufspolitiker würde lügen, wenn er behaupten würde, er würde niemals darüber nachdenken oder die Fragen nach dem „Warum?“ stellen. Ich schreibe seit neustem auch Kolumnen für überregionale Verlage, bzw. Zeitungen, die sich auf Bundespolitische Themen beziehen. Das beschriebene Phänomen ist auch dort zu beobachten, jedoch nicht in dieser Intensität wie in Duisburg und im umliegenden Ruhrgebiet.

Beäugelt man jenen ausführenden Personenkreis jedoch etwas genauer, kommt man schnell zu der Frage: „Was haben Sie eigentlich – sachorientiert und argumentativ – schon einmal dazu beigetragen unsere Stadt und Land voran zu treiben?“ In 99,9 Prozent der Fälle wird die Antwort nüchtern ausfallen, nämlich: Nichts.

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In der politischen Auseinandersetzung breitet sich zudem immer ein weiteres Feld aus, welches brandgefährlich ist und analog gekoppelt zu der oben beschriebenen Verhaltensform verläuft: „Meine Grundmoral und mein Wertekompass ist das einzig wahre Lebensziel – alles andere gehört verboten und bestmöglich isoliert.“ Ich möchte daher ganz bewusst die provozierend Frage stellen: 

Was unterscheidet jenen Personenkreis, der politisch eigentlich auf der anderen Seite von Rechts stehen müsste, bitte von der NPD, AfD, REP’s und so weiter?

Meist argumentieren jene genau damit, sich ehrenamtlich einzusetzen für Flüchtlinge, bei der Essensausgabe an der Tafel zu helfen und anderen – sicherlich – lobenswerten Dingen. Verstehen Sie meine folgenden Ausführungen nicht falsch, ich bin froh solch engagierte Menschen zu sehen in unserem Land, auch wenn ich mir wünschte das diese nicht notwendig wären. Aber sich deshalb selbst als besserer Mensch darzustellen und moralisch über alles und jeden zustellen? Alles andere in einer unmenschlichen Art und Weise, mit tiefverankerter Abneigung, am besten verbieten zu wollen oder sinnbildlich an den menschlichen Pranger zu stellen, macht jenen Personenkreis laut meinem Erachten nicht zu besseren Menschen. Im Gegenteil, es zeigt nur eines eindeutig: Ihre einzige Existenz- und „Argumentations“berechtigung ist das Leid und die Schwäche anderer Menschen. Ohne jene Menschen, hätten sie für sich keinerlei Grundlage um sich über alle anderen Lebens- und Formen des Denkens zu erheben. Will man den Kreis schließen, dabei fair und neutral bleiben, muss man sich die Frage stellen: Was unterscheidet jenen Personenkreis von einem rechtsorientierten Populismus, ausgehend von einschlägig rechten Parteienanhänger, welcher sich der Stilmittel bedienen mit den Ängsten der Ärmsten zu spielen und andere Lebensformen zu diskriminieren und niederzustellen?

Deutschland, vor allem aber Duisburg, fehlt es an Personen die ohne jegliche Scheuklappen einen Gestaltungswillen aufweisen. Leute die nicht nur zwei extreme kennen, sondern eine Vielzahl und auch etwas dazwischen. Denen es darum geht eine Gesamtheit nach vorne zu bringen, ohne dabei Parallelgesellschaften zu bilden an denen man seine eigene Daseinsberechtigung und Meinung koppelt. Dazu benötigt es nicht viel, außer den Mut sich anderen Meinungen und Ansichten stellen zu können und ihnen mit Respekt und Akzeptanz zu begegnen – ohne den anderen seine Ansichten dabei aufzuoktroyieren, weil man sich selbst für so wichtig und unverzichtbar hält. Zurück zu Debatten bei denen es um Inhalte und Sachverhalte geht, nicht um die Person, nicht um die demokratische Partei oder sonstigen selbst festgelegten symbolischen Eintrittskarten.

Zeigen Sie Mut. Treten Sie vor, schreiben Sie nicht stillschweigend Nachrichten mit Lobesbekundungen, sondern helfen sie mit in aller Öffentlichkeit. Denn wie meine Oma einst schon immer pflegte zu sagen: „Wenn die Klugen die Klappe halten, bleiben nur die Doofen über. Die Doofen merken ihre Doofheit nicht, denn dafür müssten sie sich selbst stetig hinterfragen – dabei steht ihnen ihre Doofheit im Weg.“

One thought on “Zwischen Rechtspopulisten und Moralaposteln

  1. Die Sache bei vielen Debatten ist, dass jeder eine andere Perspektive hat. Und sachliche Diskussionen sind auch nicht so einfach. Ein kleiner neutraler Hinweis oder auch nur eine Frage führt manchmal zu den seltsamsten Reaktionen.
    Und wie führt man einen Diskurs am Effektivsten? Denn jeden einzelnen Kommentar zu beantworten bindet unglaublich viel Zeit. Zeit, die dann für anderes fehlt.
    Dazu kommen in der Politik noch die Selbstdarsteller, welche nichts bewegen, aber viel Reden und sich sogar die Erfolge anderer aneignen.

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