Silicon Valley des Potts: Ruhrort, Kreative und Social Entrepreneure

Wenn Dirk Sanders in einem Interview zum Thema StartUp-Szene Pott einige Worte sagt und dann den Duisburger Stadtteil Ruhrort erwähnt, dann hab ich so ein gemischtes Gefühl. Einerseits, weil ich den Optimismus der Social-Impact-Macher durchaus schätze – und irgendjemand muss in dieser Stadt ab und an auch mal das Positive betonen. Andererseits aber habe ich so meine Erfahrungen mit dieser Stadt gemacht und irgendwie… Ich weiß es nicht.

Und auch, wenn es dem Macher des RUHR:HUB nicht passt erwähnt zu werden… Nun, der RUHR:HUB möchte ja Teil der StartUp-Szene des Ruhrgebietes sein. Für drei bzw. fünf Jahre sollen Gründer gefördert werden. Und dazu werden halt diese Campi bei den Partnerstädten gebildet. Für Duisburg ist das momentan offenbar in der Planung. Wer im Team sein wird – das bleibt abzuwarten. Vorstellen kann ich mir vieles, aber wenn ich das hier ausbreite, dann watscht mich der GF des RUHR:HUBS wieder im Kommentar ab und das muss nicht sein. Ich möchte seine Nerven ja doch schon schonen…

Auf enkelfähig jedenfalls wird Dirk Sanders, der Macher  des Social Impact Hubs gefragt, was nach einem Jahr Tätigkeit in Duisburg als Bilanz herauskommt. Und was er sich zukünftig wünscht?

Ich wünsche mir für die Region, dass wir einen Einfluss auf die Entwicklung haben, von Ruhrort aus über Duisburg bis in den ganzen Pott. Warum soll aus Ruhrort nicht ein Ort werden, wo kreative Geschäftsmodelle an den Start gehen? Es ist ein attraktiver Stadtteil, dafür hat auch Haniel viel getan. Wir haben hier Leerstand, Platz für Pop-up-Stores, also Läden, in denen Unternehmer ihre Idee über einen kurzen Zeitraum testen. Ruhrort könnte ein Spielfeld für angehende Unternehmer sein, wo sie Unternehmertum lernen. Wenn vor Ort eine Gründerkultur entsteht, kommen auch Cafés und Kunden hier hin und die Qualität des Standorts wird verbessert. Meine Vision ist, dass dieser Ruf ins ganze Ruhrgebiet ausstrahlt.  So befeuert ein Prozess den anderen, bis wir hier unser eigenes kleines Silicon Valley haben.

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Wünschen kann man sich vieles. Es müssen aber die Umstände und die Dinge so geordnet sein, dass man Wünsche auch umsetzen kann. In einer Stadt, die im Schatten der Kreativwirtschafts-Szene von Düsseldorf und Essen liegt, in solch einer Stadt ist das schwer – Düsseldorf hat die Hipster, Essen hat das UPH und damit die Gelegenheit für wenig Geld kreative Dinge dort zu inszenieren und Stammtische zu Themen wie SEO und Social und Web und so zu veranstalten. Duisburg hat zwar das WorkCafe, aber es ist noch nicht präsent als Veranstaltungsort für die Szene.

Was das hippe Düsseldorf und das schicke Berlin übrigens haben ist: Atmosphäre. Und eine Politik, die gewillt ist in der Kreativwirtschaft einen Motor für die Stadtentwicklung zu sehen. Duisburgs Politiker haben die Kreativwirtschaft nicht auf der Kette. Thyssen-Steel, ja. Oder auch Haniel, die den Social Impact Hub fördern, ja. Aber die Künstler, die wirklich was machen können möchten werden bisher ignoriert und ich glaube nicht, dass der Kultur-Entwicklungsplan – immerhin wurde er beschlossen – wirklich so in die Tat umgesetzt wird, wie wir Planer das uns vorstellen. Dazu hätten jetzt schon erste Anzeichen sichtbar sein müssen, aber es ist nichts zu sehen. Dabei bemüht sich die GfW ja durchaus, so ist das nicht. Die Mentalität im Kopf der Rathauspolitiker sieht in Duisburg aber eher den Logport, die Wissenschaft, die Logistik. Zwar gibts auch bestimmt hier zündende Ideen. Doch wie verortet man die in der bestehenden Bestimmung des Begriffs Kreativwirtschaft? Logistik kommt eigentlich nicht vor, Wissenschaft auch nicht…

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Pop-Up-Stores sind eine uralte Forderung auch von mir. Aber das wird nicht passieren, solange nicht die Vermieter der Räume von der Notwendigkeit des Laden-Experiments überzeugt werden können. Dazu bedarf es nun wiederum Anregungen aus der Politik, nettes, freundliches Einreden und permanentes Netzwerken. Wobei: Im Entwicklungsplan ist der Punkt des „Managers“ und einer „Raumbörse“ durchaus vorgesehen – man müsse das Ganze also jetzt anfangen und umsetzen. JETZT. Mich wundert es, dass es nicht längst im Rathaus ein Büro gibt, in dem jemand sitzt, der Ahnung von der Kreativwirtschaft hat – und nicht nur wie bisher sich auf die Künstler alleine konzentriert. Aber dafür müsste man ja eine Stelle schaffen und Geld in die Hand nehmen. Und man müsste auch wissen, dass Vertrauensarbeit sich nicht in diesem Wahljahr auszahlen lassen können wird…

Ich kann es nur wiederholen: Duisburg hat keine Gründermentalität. Keine Gründerkultur. Programm für Gründer gibt es ja, ob GfW oder IHK. Jedoch: Man muss Gründungskultur auch WOLLEN. Bewußt Anreize, Möglichkeiten und Bedingungen schaffen. Leider reicht da ein Social Impact Lab nicht alleine aus. (Und soweit ich das weiß, ist das ja auch nicht unbedingt von der Stadt mit Anreizen herangelockt worden.) Man müsste hierfür schon ein Netzwerk schaffen, das gemeinsam mit Politikern, Machern und Verantwortlichen zusammen etwas anschiebt. Genau dieses Netzwerk zu initiieren – auch wenn mal wieder es passieren wird, dass Leute nicht miteinander arbeiten wollen #ausgründen – und Gründer zu fördern, dazu hat das Land NRW ja diese Hub-Geschichte initiiert. Der RUHR:HUB soll ja auch keine Konkurrenz zu schon vorhandenen Angeboten sein, er soll Gründer generell unterstützen. Egal ob die Sozialgründer sind oder aus der Arbeitslosigkeit gründen oder ob die „normal“ gründen möchten – der HUB soll ja genau hier ansetzen und für die Region Essen, Oberhausen, Duisburg, Krefeld etc. pp. Strahlkraft entwickeln.

Das wird allerdings schwierig, wenn man das Kreativquartier Ruhrort näher betrachtet. Ruhrort hat die Angewohnheit, sich einzuigeln. Manchmal habe ich da einfach das Gefühl, dass Ruhrort für sich wirklich genug sein möchte und den Rest der Stadt ignoriert, weil – weil – das hat was mit Geschichte zu tun und 1975. Komplett uninteressante und doofe Gründe, eigentlich, aber der Weg nach Ruhrort führt ja schon über den Strom und wenn man über einen Strom muss, dann ist man ja schon aus der Stadt hinaus und in einem eigenen kleinen Kiez. Und apropos: Der Social Impact Hub ist auf dem Gelände von Haniel. Von hohen Mauern umschlossen, man muss am Pförtner vorbei und wehe, man hat keine Berechtigung im Auge des Durchlassers… Das ist schon sehr symbolisch, hat aber vermutlich nur mit den vorhanden Örtlichkeiten Haniels an sich zu tun. Und ist keine böse Absicht der Macher.

Ein eigenes kleines Jodel… Pardon. Ein Silicon Valley des Ruhrpotts. Ja. Schön wäre es. Aber es scheitert bisher an der Kleinbürgerhaltung der Politik, an einem kooperativen Netzwerk – das findet halt in Essen statt, sorry, Duisburg – und auch wenn das Glück als „konspirativer Kreativentreff“ gehandelt wird – das Glück ist nicht in Ruhrort. Ich denke auch nicht, dass wir das jemals für die Stadt hinbekommen, dieses Silicon Valley. Duisburg ist halt Logistik. Wissenschaft. Vielleicht noch Architekten. Aber die hippen jungen Designer, die Programmierer, die beim Latte am WLAN hängen und coden – das wirds in Ruhrort nicht so schnell geben. So bleibt vorerst nur der Wunsch, der der Vater des Gedankens ist – leider ist der Vater momentan schon sehr an die 100 Jahre alt…

2 thoughts on “Silicon Valley des Potts: Ruhrort, Kreative und Social Entrepreneure

  1. Warum auf Politik warten?
    Es ist sicherlich kein Problem mit dem Vermieter des PuC-Gebäudes zu reden.
    Ein wenig Crowdfunding und die Gründung einer Genossenschaft ist sicherlich auch kein Problem. Und dann kann man schon mit den Pop-Up-Läden loslegen.

    Nicht immer auf andere warten, sondern machen.

    Und einige Politiker sonnen sich ja ohnehin lieber in ihrer vermeintlichen Macht, als wirklich etwas bewegen zu wollen.

    • Christian Heiko SpließMo, 06 Mrz 2017 at 23:31:03-ReplyAuthor

      Wenn das kein Problem wäre, dann hätten wir das alles längst. Es ist so, dass man bis zu einer gewissen Grenze durchaus was machen kann, dann aber braucht man die Politik. Fluchtwege. Brandschutz. Renovierung des Gebäudes.

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