Von sanften Frauenstimmen und disruptiver Technologie. Oder: Warum Amazons Alexa Geschichte schreibt

Dies ist der erste Beitrag von drei geplanten Artikeln über Smart Homes für Jedermann. Der zweite Artikel wird sich mit Lichtsystemen, der Dritte mit dem Raumklima beschäftigen.

Unter disruptiver Technologie versteht der Nerd eine Innovation, die geeignet ist die Welt zu verändern. Das können Veränderungen wie der Wandel vom analogen Film  zum Digitalen sein oder der Wechsel von der Schallplatte zur CD und DVD.

Amazon Echo

Amazon Echo

Manchmal schleichen sich solche Veränderungen in das Leben der Nutzer ein, ohne das man es so richtig mit einem Knall mitbekommen würde. Eine dieser sicherlich „disruptiven Technologien“ ist das Amazon Echo und der kleine Bruder Echo Dot.

Nach einer ausführlichen Einführungsphase, in der die „sprechende Dose“ nur auf Einladung erhältlich war, ist Amazon Echo jetzt für alle bestellbar – für 179,99€. Und für relativ wenig Geld zieht damit sehr viel Smarthome in die heimischen vier Wände:

Hinter Amazon Echo verbirgt sich „Alexa“, eine synthetische Stimme die den wahrnehmbaren Teil von Amazons Künstlicher Intelligenz darstellt. Wer bei Alexa, der Name ist eine Hommage an die Bibliothek von Alexandria, automatisch an Siri (Apple), Cortana (Microsoft) und Co denkt, liegt nicht falsch  – aber auch nicht richtig.

Amazon bindet Echo tief in die eigene Produktlandschaft ein, öffnet über Schnittstellen aber auch jedem interessierten die Möglichkeit, eigene Funktionen hinzuzufügen. Wenn Cortana maximal reicht, um im Internet einen Begriff zu suchen und Siri schon Probleme hat, wenn man sie nach dem Weg fragt, ist Alexa dagegen High-Tech.

Angesprochen mit einem Stichwort (Alexa, Computer, Amazon…) erwacht das Gerät zum Leben und nimmt anschließend für einige Sekunden gesprochene Texte auf um sie dann in der Cloud zu analysieren. Dabei ist überraschend, dass Alexa nicht nur keine Lernphase hat – „Sprechen Sie 5 mal folgenden unsinningen Satz“. Vielmehr versteht sie auf Anhieb fast alles und ist sehr tolerant:

Egal ob man mit „Alexa, spiel Musik“ oder „Alexa, Alternative Rock bitte“ oder „Alexa erzähl mir einen Witz“ los legt: Die Reaktion erfolgt schnell und präzise und einige der Witze sind sogar recht gut.

Wobei die Entwickler ohnehin viel Wert darauf gelegt haben, Humor mit zu integrieren. Fragt man nach dem Wetter und reagiert selbst mit einem „Wann wird es denn mal wieder Sommer?“ so fragt Alexa sofort: „Meinst Du wie er früher ein Mal war?“ Solche Kleinigkeiten lassen einen schnell vergessen, dass man mit einer KI kommuniziert.

Dabei hat Amazon Echo auch das Potential, das „Home Entertainment“ zu verändern. Zum einen ist die Klangqualität der verbauten Lautsprecher ertaunlich gut. Das wird gepaart mit einem ansprechenden Design und schon hat man gar keinen Wunsch mehr, eine große Stereo-Analge zu verwenden: Für ein normales Wohnzimmer ist Alexa alles was man braucht – und da sie, über Zubehör, auch den Fernseher fernbedienen kann… was will man mehr?

Über sogenannte Skills (Amazon, Drittanbieter) kann man dann beliebig viele Funktionen einfach zu schalten: Von der Bahnauskunft bis zu Börsennachrichten. Stichwort Nachrichten: Alexa kann eine tägliche Nachrichtenzusammenfassung liefern, die man selbst konfiguiert.

Die Inbetriebnahme von Alexa erfolgt sehr einfach über eine Handy-App. In dieser App kann man dann auch manuell eingreifen, wenn Alexa mal was nicht verstanden hat – was allerdings sehr selten vorkommt. Dafür ist die App dann auch „Schnittstelle“ für unterwegs: In der Küche stehend kann man z. B. durch ein einfaches „Alexa, füge Kartoffeln der Einkaufsliste zu“ einen entsprechenden Eintrag vornehmen – und später im Supermarkt die erworbenen Güter einfach abhaken.

Und kaum hat man Alexa eingerichtet, erwischt man sich morgens dabei, dass man im Bett liegend Alexa erst fragt was die Nachrichten sind, wie das Wetter ist, wie die Verkehrslage und letztlich bittet das Licht einzuschalten. Und schon ist man im Smart Home.

Amazon Echo Dot

Amazon Echo Dot

Als „Ergänzung“ zu Amazon Echo gibt es noch das Echo Dot, in dem man auf große Lautsprecher verzichtet hat und das von der technischen Ausführung etwas simpler – dafür aber mit 59,99€ auch sehr günstig ist.

Auch wenn man es als Stand-Alone-Gerät nutzen kann, ist es doch als „Add on“ am sinnvollsten. In einer Wohnung oder im Haus erkennen die Mikrofone immer automatisch, welches Gerät das am nächsten gelegene ist. Wer also aus dem Bett heraus nicht ins Wohnzimmer oder von der Küche ins Bad rufen will, der positioniert 1-2 Dots im Haus.

Die Geräte bilden eine „Flotte“ von KI-Punkten, die es erlauben, während man sich frei bewegt und ohne darüber nachzudenken wie und wo, mit Alexa zu kommunizieren. Die Klang-Qualität des Dot ist natürlich weit hinter der von Echo, allerdings lassen sich beide Geräte auch sehr einfach mit Bluetooth-Lautsprechern verbinden. So kann man z. B. dem Dot im Schlafzimmer sagen, er möge schon mal Licht und Musik im Bad steuern.

Die Preise, die Amazon für Echo und Echo Dot aufruft, sind Kampfansagen an den Markt. Die Möglichkeit, selbstständig Erweiterungen zu entwickeln und zu verteilen ist ein Killer-Argument gegen geschlossene Systeme wie Siri und Co. Die Einbindung in die Amazon-Welt sorgt zudem dafür, dass Services in Hülle und Fülle zur Verfügung stehen.

Durch die offene Unterstützung von zahlreichen Smart-Home-Technologien wie Philips Hue, Osram Lightify oder Tado – um nur wenige Beispiele zu nennen – lassen sich zudem beliebige Smart-Home-Szenarien in die Realität umsetzen, ohne das man über irgendwelches technoloisches Verständnis verfügen muss – oder gar Kabel verlegen müsste.

Und in dieser Kombination hat Amazon Echo und damit Alexa das Potential, eine echte disruptive Technologie zu sein. Egal ob Amazon sich durchsetzt oder andere Unternehmen auf den Zug aufspringen: Mit Echo wird dem Smart Home der Durchbruch auf breiter Linie gelingen und in wenigen Jahren werden wir uns gar nicht mehr vorstellen können, wie es ohne war.

 

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