Matt Dangerfield: „Punk Rock wurde in Maida Vale mitgeboren“

Der Gitarrist und Sänger der legendären englischen Punk Rock Band „The Boys“, Matt Dangerfield, erinnert sich an die Ursprünge des Punk Rocks im Westen Londons, Maida Vale. Dangerfield gilt heute als eine der wichtigsten Personen,  wenn man vom Punk Rock spricht. Eine Begegnung.

Matt Dangerfield  machte in jeder Hinsicht eine gute Figur,  als ich ihn in Berlin am Potsdamer Platz zum Interview traf. Er trug eine  Art  Ledercap mit Sonnenbrille samt edlem Sakko und wirkte trotz Jetlag (er kam gerade aus Frankreich) gut gelaunt, freundlich und auffallend charmant. Keine Spur einer vielleicht zu erwartenden Person mit Überlastung oder Betagtheit, dessen Vergangenheit mit den „Boys“ Punk Rock Geschichte schrieb.

dangerfieldNoch immer scheint es so zu sein, dass „The Boys“ eine der meist unterschätzten Pop-Punk Bands auf diesen Planeten sind. Es gilt unter Experten als sicher, dass sie damals zumindest den Status der Pop Band „Bay City Rollers“ hätten erreichen müssen. Ihre Single „First Time“ kletterte 1977 die englischen Charts langsam hoch,  als ihre Plattenfirma RCA die Nachricht vom Tode Elvis ereilte.  Dangerfield: „Die Mitarbeiter von RCA bangten plötzlich um ihre Jobs. Alles drehte sich um Elvis und wir waren von einem Tag auf dem anderen völlig uninteressant. Es war eine Tragödie,  weil Punk das ganz große Ding war. Jeder kaufte Punkplatten und wir galten als eine der Besten“.

Dabei begann es damals so einflussreich in Maida Vale. Joe Strummer lebte dort, Johnny Rotten auch. Dangerfield besaß ein kleines Studio als die „Hollywood Brats“ Mick Jones und Tony James sich dort begegneten. „Mick und Tony wollten Andrew und Casino Steel von den Brats treffen. Aber Casino erwähnte schließlich, dass sie nicht an den beiden,  sondern an meiner  Person interessiert wären“ so Dangerfield und fährt fort: „Ich dachte keine zwei Sekunden nach,  weil die Brats einfach brillant waren und war dabei“. Brillant waren anscheinend auch die damaligen Pubs in Maida Vale denn Dangerfield gestikuliert auffallend mehr mit den Händen, weil er sich an die damaligen Zeiten begeistert  zurück erinnerte,  als wir uns Bilder der damaligen Pinten anschauten.

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Ursprünglich  war jedoch eine Band aus New York für seinen Einstieg in Punk verantwortlich: „Velvet Underground waren vielleicht der Beginn von Punk für mich. Ich kannte damals ein Mädchen. Sie sagte mir, dass sie ein schreckliches neues Album aus New York  gehört hätte. Ich hatte sowas  in der Form noch  nie gehört und kaufte es mir schließlich. Ich liebte es. Später war auch diese Kolumne im NME von den neuen Bands in New York, wie Richard Hell oder den New York Dolls und ich wollte immer mehr darüber wissen“.

Heutzutage ist Matt Dangerfield immer noch mit den „Boys“ unterwegs und produziert nebenbei. Dabei wirkt er immer noch wie ein „Boy“ in seiner aufgeweckten, neugierigen Art , als wir unser Gespräch in einer Hotelbar bei einem Bier fortführen. Deren aktuelle CD „Undercover-Live in China“ ist hervorragend produziert und ein Streifzug durch die Geschichte der „Boys“. Die Jungs genießen einen fantastischen Ruf, welcher dank Ihres Managers „Steve Metcalfe“ wohl so nicht zustande gekommen wäre. Dangerfield: „Steve liebt die Band und ist ein klasse Kerl. Er denkt immer nur daran was das Beste für die Band wäre und macht alles für die Band“.

Am Ende unserer Begegnung,  frage ich nach seiner ersten Wahl zwischen Elvis, Leonard Cohen und Sinatra. Obwohl er Cohen und Sinatra sehr mag, musste er nicht lange überlegen: „Elvis“!

Elvis Presley, ausgerechnet!

 

Roman Romero

http://www.theboys.co.uk/

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