„Raus aus der Deckung“ – Bundesligaprofi Andreas Luthe engagiert sich mit seinem Verein in safe Hands e.V.

Foto

Foto: in safe hands e.V.

Flüchtlingspolitik und Verantwortung in der Gesellschaft. Themen über die in der Öffentlichkeit aktuell viel diskutiert wird. Selten gaben sich diesbezüglich Größen aus Politik, Sport und Gesellschaft bei Talkshows die Türklinken in die Hand. Es gibt Personen die nicht gerne über diese Themen reden, sondern handeln.  Einer davon ist Andreas Luthe Bundesligatorwart beim FC Augsburg, zuletzt VfL Bochum. Der 29-Jährige Schlussmann entschied sich dazu zügig die Problematik der mangelnden Integrationsmaßnahmen entgegen zu steuern. Mit seinem Freund Jonas Erms gründete der aus Velbert stammende Schlussmann den Verein in safe hands e.V (Übersetzt: In sicheren Händen), ein gemeinnütziger Verein bestehend aus deutschen Profitorhütern. Mit der Gründung des Vereins übernimmt Luthe Verantwortung innerhalb der Gesellschaft und fördert Zusammenleben von Sport und Integration.

Mit der Gründung setzte der bodenständige Fußballprofi Signale in die Gesellschaft und Fan-Umfeld des deutschen Fußballs. Der Verein stand bei der Gründung im Fokus der VfL-Anhänger. Viele Fans des VfL Bochum wollten Wissen erlagen, was sich hinter der Initiative von ihres Schlussmanns verbirgt. „Andy, hat sich immer von einer guten Seite gezeigt. Die Gründung des Vereins, um einheimische Kids mit Flüchtlingskindern zu verbinden passt zu ihm.“ so Malte Schulz ein langjähriger VfL-Fan aus der legendären Ostkurve. Nun ist Andreas Luthe in der 1. Bundesliga beim FC Augsburg aktiv.  Bei in safe Hands e.V. wird das Torwartspiel als Integrationsinstrument genutzt. Interessierte können sich die Aktivitäten von FCA-Keeper Andreas Luthe auf den sozialen Netzwerken ansehen und werden zügig feststellen, dass Luthesehr aktiv daran arbeitet Aufklärungsarbeit zu leisten. „Fans“ auf der Facebook-Seite und „Follower“ auf Instagram werden regelmäßig über Projekte des Vereins informiert.

Was tut Luthe mit seinen Mitstreitern für die Integration der Kinder und Jugendlichen im Zusammenspiel mit in safe Hands e.V.?  Das Konzept sieht vor Kinder und Jugendliche auf der spielerischen Ebene zu integrieren. Zusätzlich sieht das Konzept vor, dass sich Einheimische Kinder mit Flüchtlingskindern im Rahmen der Einheiten austauschen, eventuell sogar Freundschaften knüpfen. Teilnehmer der Torwarttage haben in ihrer kurzen Lebenszeit viele Dinge erlebt, negativ als auch positiv. Jeder der Teilnehmer hat seine eigene Geschichte und ist individuell zu betrachten. Am Trainingstag haben Kinder und Jugendliche die Chance für einige Stunden den Alltag durch Bewegung, Torwartspiel und Austausch mit anderen Kindern zu vergessen. Der Spaß und Kommunikation untereinander stehen im Vordergrund der Aktionen. Die Aktivitäten von in save Hands e.V. sorgen für zahlreiche strahlende Kinderaugen. Genau diese sind die Motivationsspritze für Andreas Luthe und seine Mitstreiter, sie wollen etwas bewegen!

Andreas Luthe konnte sein bestehendes Netzwerk im Profifußball dafür nutzen um prominente Botschafter für seinen Verein zu gewinnen.

Ein kleiner Überblick der Botschafter und Mitglieder:

Wer sich die Liste der Mitglieder/Botschafter genauer ansieht wird feststellen, dass in safe hands e.V. über einem großen Image innerhalb des Profifußballs verfügt und ein ernstgemeintes Projekt ist. Werte und Handlungen stehen im Vordergrund. Die Mitglieder des Botschafter-Temas sind alle samt Torhüter und unterscheiden sich von ihren Erfahrungen gewaltig. Auf der einen Seite können Torhüter bei in safe hands e.V. über 200 Bundesligaspiele vorweisen, währen die „Talente“ ihre Einsätze noch auf einer Hand abzählen können. Gerade diese Unterschiede lassen sich symbolisch in die Zusammenführung unterschiedlicher Herkunftsländer transportieren.  Beispielsweise agieren bei in safe hands e.V. Torhüter mit großen Namen, wie Timo Hildebrandt als Ex-Nationaltorwart bis hin zum Newcomer

Bot

Botschafter Yannick Zummack übernimmt trotz seines jungen Alters von 20 Verantwortung in der Gesellschaft. Foto: Eintracht Frankfurt

Yannick Zummack. „Als ich die Anfrage erhalten habe das Projekt von meinem Kollegen Andreas Luthe zu unterstützen, musste ich nicht lange überlegen. Mir ist meine Verantwortung als Profifußballer bewusst. Der Gesellschaft möchte etwas zurückgeben und gerade den Kindern und Jugendlichen bei der Integration helfen. In meinem privaten Freundeskreis sind auch viele Nationen vertreten. Gemeinsam haben wir Spaß und Freude. Menschlichkeit und Charakter zählen, nicht die Herkunft.“ Gibt der 20-Jährige Zummack ein klares Signal in Puncto: Übernahme von Verantwortung! Trotz seines jungen Alters von 29 Jahren haben für „Andy“ Luthe Verantwortung und Handeln innerhalb der Gesellschaft eine hohe Bedeutung. „Hier geht es nicht um Namen, Erfahrenheit oder Altersklasse, sondern nur um das Projekt und die dazugehörigen Konzepte.“ Die ersten Erfolge von in safe hands e.V. lassen sich bereits verbuchen. Die vollendeten Trainingstage im Jahr 2015 sind erfolgreich abgeschlossen und mit einer positiven Resonanz zertifiziert worden. Der Zuspruch weitere Trainingstage umzusetzen war von Helfern, Teilnehmern und Medien sehr hoch. „Die Feedbacks sinde eine Motivationsspritze. Das Projekt wurde von den Kindern und Jugendlichen sehr gut angenommen.“, signalisier Luthe stolz. Das sportliche Angebot und der Einblick in das Torwartspiel unter Leitung von Profis sowie Helfern mit Teilnehmern aus verschiedenen Herkunftsländern steht im Fokus der Trainingstag. Fußball spielt eine große Rolle in Puncto Integration, denn mit seiner großen Tragweite innerhalb der Gesellschft lässt sich so weiterhin ein umfangreicher Fokus auf in safe hands e.V. lotsen, der unter dem Motto: „Raus aus der Deckung“ agiert.

XN-Redakteur Dustin Paczulla bekam die Möglichkeit den Keeper des VfL Bochum bei einem Interview in der Bochumer Innenstadt zu treffen. Andreas Luthe nahm sich viel Zeit für die Beantwortung der Fragen und gab viele Hintergrundinformationen.

Foto: in safe hands e.V.

Foto: in safe hands e.V.

Das Interview mit Andreas Luthe:

XN: Hallo Andreas! Vorab bedanken wir uns, dass Du Dir Zeit für das Gespräch nimmst. Was hat Dich dazu bewogen den Verein zu gründen?

Andreas Luthe: „Ich hatte schon länger vor mich in diesem Bereich zu engagieren. Plötzlich kam dann mein guter Freund Jonas Ermes und hat die ganze Zeit den Namen in safe hands im Kopf gehabt. Der Name verbindet die Inhalte des Vereins mit dem Torwartspiel. Die Kinder und Jugendlichen sind bei uns für eine kurze Zeit in sicheren Händen. Wir haben ein Konzept entwickelt und konnten im August 2015 starten.“

XN: Der Name in safe hands bedeutet übersetzt in sicheren Händen. Was soll der Name repräsentieren?

Andreas Luthe: „Wir helfen Flüchtlingskindern und deren Eltern Anschluss zu finden und versuchen sie in der Gesellschaft zu integrieren. Dabei konzentrieren wir uns insbesondere auf Kinder, sie sind bei uns einfach in sicheren Händen.“

XN: Euer Hauptfokus liegt wo?  

Andreas Luthe: „Zunächst wollen wir die Kinder und Jugendlichen beschäftigen. Wir wollen ihnen aber auch den Aufbau von sozialen Kontakten ermöglichen. Ein weiteres Ziel ist es die Kinder von der Straße zu bekommen, sie sollen das Torwartspiel spielerisch kennenlernen.“

Andreas Luthe: „Es ist oftmals so, dass die Kinder bei uns zum ersten Mal Torwarthandschuhe über ihre Hände streifen.  Sie wollen die Handschuhe gegen Ende des Trainingstages häufig nicht mehr ausziehen. Es ist schon beeindruckend zu sehen, wie Sport als Integrationsmaßnahme fruchtet.“

XN: Du möchtest als Profifußballer Verantwortung übernehmen und hast den Willen der Gesellschaft etwas zurückzugeben, was meinst Du damit konkret?  

Andreas Luthe:

„Profifußballern geht es generell sehr gut im Vergleich zu normalen Arbeitskräften. Ich bin privilegiert, das merke ich jeden Tag. Mein Ziel ist es der Gesellschaft etwas zu geben, da ich ein sehr angenehmes Leben führen darf. Vielen Menschen geht es leider nicht so gut, gerade wenn Kinder unschuldig in eine Situation geraten tut es weh zuzuschauen. Ich stecke viel Zeit in das Projekt in safe hands e.V. Die Zeit investiere ich gerne.“

XN: Du hast von Antrieb gesprochen, was treibt Dich besonders an?

Andreas Luthe: „Selbst habe ich leider keinen eigenen Nachwuchs im Hause. Wir arbeiten an den Trainingstagen mit Kids. Es ist beeindruckend zu sehen, wenn sie zwei bis drei Stunden mit einem breiten Grinsen über den Backen durch die Gegend laufen. Das Lächeln gibt mir viel zurück, denn die Kinder haben die Möglichkeit zumindest für einen Moment ihre Alltagssorgen zur vergessen.“

XN: Nenn den Lesern doch mal ein konkretes Beispiel, warum die Integration am Trainingscamp recht zügig erfolgt?

Andreas Luthe: „Das Teilnehmerfeld steckt sich weitläufig, zu einem haben wir Torhüter aus Amateurclubs eingebunden, die Großteils ihre Wurzeln hier in Deutschland verfügen. Ergänzt wird das Teilnehmerfeld durch Flüchtlingskindern aus einer angesiedelten Flüchtlingsunterkunft. Aus meiner Sicht verbindet Sport und dient als Integrationsinstrument. Herkunft und Aussehen spielen auf dem Platz keine Rolle, sondern Leistungen.“

XN: Beschreibe doch mal das Gefühl, wenn eine Trainingseinheit läuft und Du nach nur wenigen Minuten erste Erfolge im Umgang miteinander verbuchen kannst?

Andreas Luthe: „Mir bereitet es sehr große Freude die Teilnehmer im Trainingsbetrieb zu beobachten. Jedes der Kinder hat seine individuelle Geschichte, die man respektieren muss. Unter der Woche investiere ich sehr, sehr viel Zeit in den Verein, um weiterhin Erfolge in der Integration zu verbuchen. Bei uns haben die Kinder außerdem die Möglichkeit ihre Sorgen für einige Minuten oder Stunden zu vergessen.“

XN: Timo Hildebrand, Tobias Sippel sind beispielsweise große Namen im Profifußball, aber auch junge Newcomer, wie Yannick Zummack von Eintracht Frankfurt. Alle haben ihre Unterschiede, wie leicht oder schwer war es die Arbeitskollegen von Deinem Verein zu überzeugen?

Andreas Luthe: „Wir haben Torhüter am Board, die sofort signalisiert haben, dass sie hinter der Idee stehen und mit voller Begeisterung und Elan etwas bewegen wollen. Unser Ziel für 2016 ist es die Torwarttage nicht nur im Ruhrgebiet, sondern auch an anderen Standorten auf nationaler Ebene durchzuführen. Unsere Botschafter und deren Netzwerk können wir beispielsweise dazu nutzen, um weitere Personen von in safe hands e.V. zu überzeugen.“

XN: Wie sieht ein Torwarttag in der Regel aus, beschreib ihn doch mal bitte mit wenigen Worten?

Andreas Luthe: „Grundsätzlich ist es so, dass wir einen Amateurverein mit am Board haben. Der Verein stellt Kinder zur Verfügung bzw. bietet ihnen die Möglichkeit am Torwarttag teilzunehmen. Neben dem Amateurverein gibt es auch noch Kinder von einer umliegenden Flüchtlingsunterkunft (Alter 7-14 Jahre), die zu uns kommen. Beide Lager werden von uns abgeholt und zur Sportstätte transferiert. Besonders ist, dass wir Eltern die Möglichkeit bieten ebenfalls teilzunehmen. Sie können sich dann beispielsweise mit den Eltern des anderen Lagers austauschen.“

XN: Wonach richten sich die Trainingsinhalte der Trainer?

Andreas Luthe: „Wir verteilen zu Beginn die Trainingsutensilien. Unser Partner Uhlsport stellt uns das Material Verfügung. Jedes Kind erhält ein paar Handschuhe was er behalten darf, zusätzlich werden Fußballschuhe und Trainingskleidung gestellt. Zu Beginn einer Trainingsübung absolvieren wir leichte Übungen. Zum Einstieg werden Fangübungen und Grundtechniken eingebaut. Die Kinder kommen häufig erstmals in die Begegnung mit dem Torwartspiel.“

XN: Wie groß ist die Erleichterung bei Dir persönlich, wenn ein gelungener Trainingstag den Ausklang findet?

Andreas Luthe: „Da überwiegt absolut die Freude. Wir haben bei jedem Camp einen Fotografen dabei, er stellt Bilder zusammen und es ist jedes Mal ein Highlight sich die Bilder mit den strahlenden Kinderaugen anzusehen.“

XN: Trainingstage, Organisation, Transfer und Webauftritt sind mit Aufwand und Kosten verbunden, wie deckt sich Euer Verein?

Andreas Luthe: „Wir müssen sagen, dass wir unser Konzept sehr kostengünstig ausgelegt haben. Wir arbeiten mit Ehrenämter etc. Einen Trainingstag können wir mit geringen Mitteln über die Bühne bringen. Außerdem sammeln wir Spenden.“

XN: Eines Eurer Ziele lautet ist die Standorterweiterung, welche Städte kommen hierfür in Frage?

Andreas Luthe: „Definitiv Stuttgart, da hier unser Botschafter Timo Hildebrandt in der Region über ein exzellentes Netzwerk verfügt und sich von Stuttgart aus sehr vielseitig engagiert. Frankfurt ist aufgrund des Nachwuchstalentes Yannick Zummack ebenfalls in Planung.“

XN: Für die Durchführung der Trainingseinheiten benötigt ihr Platzkapazitäten, wie stemmt ihr das?

Andreas Luthe: „Ganz einfach hier helfen uns die örtlichen Vereine.“

XN: Du warst zuletzt Torwart beim VfL Bochum in der 2. Bundesliga, wie sehr hat Dich der Verein bei Deinem Vorhaben unterstützt?

Andreas Luthe: „Den ersten Torwarttag konnten wir in Bochum über die Bühne bringen, da mich mein Arbeitgeber sehr umfangreich unterstützt hat. Der VfL hat uns Plätze, aber auch Trainingsmaterial, wie beispielsweise Hütchen, Dummys und Leibchen zur Verfügung gestellt.“

XN: Wie viele Trainingstage habt Ihr 2015 durchgeführt?

Andreas Luthe: „Zwei! Die Planungen benötigen immer etwas Vorlaufzeit. Aktuell scheitert es ein wenig daran, dass ich am Wochenende sportlich eingespannt bin.“

XN: Wie viel Vorbereitungszeit benötigt so ein Camp?

Andreas Luthe: „Drei bis vier Wochen, da auch eine enge Abstimmung mit der Stadt erfolgt. Hier klären wir welche Flüchtlinge an den genannten Trainingstagen zu uns stoßen können.“

XN: Die Kapazitäten des Camps sind sicherlich begrenzt, Du hast eine hohe Nachfrage angesprochen. Wie filtert man die eingehenden Anmeldungen?

Andreas Luthe: „Wir gehen da nach Eingang der Anmeldung, aber es ist in der Tat so, dass wir filtern müssen.“

XN: Wie viele Helfer sind insgesamt am Board?

Andreas Luthe: „Viele Ehrenamtliche Helfer, Helfer aus dem VfL-Umfeld und Sozialarbeiter die über ein hohes Maß an Erfahrung mitbringen.“

XN: Wir bedanken uns für das Interview und die Vorstellung von in safe hands e.V.

Andreas Luthe: „Nichts zu danken, sehr gerne!“

Das könnte Sie auch interessieren:
  Badespaß statt Shopping - Teil 2 von OB-Kandidat Wolters hat eine Idee

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.