Wenn Frau Markowski Stratmann liest: Duistopias „Die Vorlesung“

„Ham se denn auch eine Karte?“, beäugt mich kritisch die Hausfrau, die an der Tür des „Kein Waschsalon“ steht. Haarnetz. Schluppen. Geschmacklose Putzschürze. Voll das Klischee also und natürlich ist es ein Rolle. Frau Markowski heißt die Putzfrau, die hier an diesem Abend im Neudorf eigentlich nur da ist um den „Kein Waschsalon“ für die Lesung vorzubereiten und vielleicht die ein oder andere Hilfestellung währenddessen zu leisten. Wasser einschenken etwa für die „jungen Leute“, die aus Büchern lesen, die sie in den Öffentlichen Bücherschränken gefunden haben.

Kein WaschsalonVeranstalter dieser „Vorlesung“: Die Macher von Duistopia. Das Faltblatt, das seit einiger Zeit unregelmäßig erscheint, beleuchtet die schönen und skurrilen Seiten der Stadt, spart auch nicht mit sehr engagierten Vorschlägen für all die Baustellen, die es in Duisburg so gibt. In jeder Ausgabe stellen die Macher dabei ein Buch aus den Öffentlichen Bücherschränken vor und haben bewusst die interessantesten, komischsten und merkwürdigsten für diese Lesung zusammengestellt. Eine Vorlesung, die durch die Figur der Frau Markowski zusammengehalten wird – sie beginnt und sie beendet den Abend mit einer Lesung aus Elke Heidenreichs „Frau Stratmann“-Tagen und als Zuhörer wird man schmerzlich daran erinnert, dass Elke Heidenreich einst sehr kenntnisreich dem Ruhri auf das Maul und auf das Herz sah. Eine sehr schöne Wiederentdeckung.

Das könnte Sie auch interessieren:
  Cauly Souza kommt zum MSV Duisburg

Zwischen Frau Markowski, die angelegentlich auch schon mal den Duftzerstäuber betätigt oder wischt, gesellen sich die vier jungen Leute – ebenfalls Rollenfiguren, die einen Ausflug in die Welt der Bücher machen, die von ihren Besitzern nicht mehr gewollt wurden. Warum und wieso? Das kann man nicht erahnen, vielleicht aber doch: Das Psychologische Fachbuch hat schon knapp 30 Jahre auf dem Buckel und da mögen Kenntnisse schon veraltet sein. Elke Heidenreichs Radiokolumnen um Frau Stratmann sind zu sehr der Zeit verhaftet, in der sie entstanden sind – sie würden in der Form heute nicht mehr so funktionieren. Der sehr klischeehafte Thriller um einen Mörder, der seine Opfer mit einer Radkette um die Ecke bringt ist immerhin noch angenehm plastisch geschrieben und erzählt – Unterhaltungslektüre im besten Sinne. Nina Hagens Autobiographie ist – schräg. Und das Buch, das angeblich dabei helfen soll, Mathe im späteren Leben zu mögen entpuppt sich eher als Kalauer- und Witzbuch. Alles in allem erleben die Zuhörer eine vergnügliche und amüsante „Vorlesung“, die gerne wiederholt werden dürfte. Nur eine Frage blieb offen: Wie beheben wir jetzt die Matheschwäche von Frau Markowskis Justin?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.