Wenn die Kirche für sich selbst predigt: Wie gehts mit der Christuskirche weiter?

Der kürzlich erschienene Gemeindebrief der Kirchengemeinde Neudorf-West hat in der Kolumne der Kirchenmaus Hallelefix eine Vision entworfen. Wer auch immer diese Kolumne schreibt: Visionen hat er. Nur die Wirklichkeit sieht anders aus. Ein Stand der Dinge.

Trostlos, verlassen, verkommen: Dieses Bild erzeugt der aktuelle Zustand der Christuskirche am Marktplatz in Neudorf-West. Der einstige Hauptzugang ist mit den Resten eines nächtlichen Zusammentreffens der Szene bedeckt, die man so ungern in der eigenen Nachbarschaft hat. Regelmäßig ist auch der Seiteneingang zugemüllt. Gerade jetzt zu dieser Jahreszeit, wenn der Rasen um die Kirche gemäht ist, treten die Mängel dieses Gebäudes mehr hervor als sonst. Der Zaun, der als Absperrung dienen sollte, aber leicht umgehen werden kann, verstärkt das Bild der Verlassenheit noch mehr. Zur Nacht der offenen Kirchen 2014 konnte man sich mit Bauhelm davon überzeugen, dass das Innere der Kirche noch so aussieht, wie in einem Artikel der WAZ von 2013 beschrieben: „Auf der Tafel in der Christuskirche stehen noch die Lieder vom letzten Gottesdienst angeschlagen. Vor zwei Jahren haben sie noch Erntedank in dem Gotteshaus gefeiert. Seitdem ist die Kirche nicht mehr benutzbar, die Deckenkonstruktion muss dringend saniert werden.“

Die Kirche predigt für sich selbst

2011 also musste die Kirche Hals über Kopf verlassen werden, weil die Deckenkonstruktion einen sicheren Aufenthalt in der Kirche nicht mehr zuließ. Zwar hat das Presbyerium der Kirche seitdem in etlichen Gemeindeversammlungen darüber informiert, dass man vorhabe das Grundstück, auf dem momentan das Gemeindehaus steht, an einen Investor zu verkaufen und mit diesem Geld die Kirche zu sanieren sowie ein neues Gemeindehaus zu bauen. Allein: Ob sich ein Investor gefunden hat, ob der Plan wie gewünscht ausgeführt werden kann – darüber schweigt sich das Leitungsgremium bisher aus. Dabei sollte das Presbyterium der Gemeinde auf Fragen aus den Reihen der Gemeinde eine Antwort geben können. Selbst dies aber scheint nicht möglich zu sein.

„Die Kirche predigt für sich selbst“ – so Martin Nadolny, Pfarrer der Gemeinde. Ein erstaunliches Statement, das einzige übrigens, was man aktuell neben den Angaben auf der Homepage zur Sachlage bekommt. Man sollte diesen Satz nicht genauer untersuchen oder gar wirklich wörtlich nehmen – denn dann müsste man feststellen: Was die Kirche derzeit predigt ist, dass sich keiner mehr um sie kümmert und man sie aufs Abstellgeleis gefahren hat. Ein Gebäude spiegelt auch immer den inneren Zustand der Gemeinde wieder. Wenn dann noch das Motto der Gemeinde die „Herberge am Weg“ ist, dann möchte man es keinem zumuten wollen hier ein Zimmer zu buchen. Willkommenskultur sieht anders aus.

Hallelefix und die Neugestaltung des Marktplatzes

Der Gemeindebrief von Neudorf-West, der in einem neuen Layout erschienen ist, verbreitet jedoch zumindestens in der Kolumne der Kirchenmaus Hallelefix – die „besonders gut Hallelujah singen, aber auch kritisch nachdenken kann“ – stets nicht nur verhaltenen sondern überdimensional sprudelnden Optimismus. „Ich bin mir sicher, dass die Christuskirche doch noch renoviert werden wird“ – so die Kirchenmaus. Dass mit diesem Satz schon mal der Eindruck erweckt wird, man hätte nun gar nicht mehr mit einer Renovierung rechnen können sein dahingestellt. Und man solle doch jetzt „Flagge zeigen“. Das könne man demnächst doch sehr gut, weil der Vorplatz der Kirche neu gestaltet wird – neue Wege, eine Kletterskulptur, es soll gepflegter und netter werden. Die Hoffnung der Anwohner: Ein gepflegterer Marktplatz könnte die Szene, die dort abends manchmal derart randaliert, dass eine Nachtruhe nicht möglich ist, wenn nicht gar vertreiben so doch wenigstens etwas dämpfen. Hallelefix träumt von flanierenden Menschen, spielenden Kindern und Menschen, die auf den Bänken in der Sonne sitzen – und die dann ein Gebäude im Blick haben werden, an dem seit Jahren offenbar nichts getan wurde. Ein Gebäude, das man vernachlässigt. Das keine Wertschätzung erfolgt. Das wird eine sehr interessante Kombination.

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Wie geht es weiter?

Selbst als Gemeindemitglied ist es nicht möglich genauer herauszufinden, wie aktuell der Stand der Dinge ist. Fragt man nach dem Gottesdienst beim Kirchencafe die anwesenden Presbyter erhält man entweder Ausflüchte oder wird auf das offizielle Statement verwiesen, das in einem der Gemeindebriefe zu finden gewesen sein soll. In einer der früheren Ausgaben, die Gemeindemitglieder natürlich zu Hause massenweise im Schrank stehen haben. Auch wenn man Pfarrer Nadolny oder Pfarrern Krüger in einem intimeren Rahmen fragt wird man nichts weiter erfahren als dass, das man bemüht sei den Plan mit dem Investor in die Wirklichkeit umzusetzen.

Da vor kurzem das Leitungsgremium der Gemeinde neu gewählt wurde, allerdings wenig neue Gesichter zu sehen sind, wird man auch gerne derzeit mit den Hinweis abgespeist, man müsse sich ja erstmal neu konstituieren, das dauere halt alles. Aber: So neu ist das aktuelle Presbyterium der Gemeinde nun nicht. Stattdessen wurden diejenigen gewählt, die auch schon vorher sagten, sie hätten Fehler gemacht, ja, natürlich sei man nicht professionell genug vorgegangen, ja, aber man wolle das ändern. Dieses Versprechen stammt übrigens von der vorletzten Wahl…
Wie die Zukunft jetzt auch immer aussehen mag, eines steht fest: In den Köpfen der Menschen hat sich längst die Realität festgesetzt, dass die Kirchengemeinde Neudorf-West alles andere als attraktiv ist. Und wenn sich ein Image einmal in den Köpfen von Menschen festgesetzt hat ist es schwierig bis unmöglich, das aus den Köpfen herauszukriegen. Es wäre zu wünschen, dass die Gemeinde endlich konkrete Schritte benennt wo man aktuell ist und der Fahrplan für die Zukunft aussieht.

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