Duisburg: Mahnwache zum 30. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl

Das Antiatom-Bündnis Niederrhein erinnert mit einer Mahnwache an den 30. Jahrestag des Atomunfalls von Tschernobyl. Seinerzeit in aller Munde sind die Folgen inzwischen weitestgehend aus dem Bewusstsein verschwunden. Die Antiatom-Aktivisten weisen auf die bis heute bestehenden Langzeitfolgen hin, insbesondere an die nach wie vor bestehende radioaktive Belastung von Lebensmitteln. Aber auch aktuelle Gefährdungen durch überalterte Atommeiler stehen im Blickpunkt. Am Dienstag, den 26. April laden die Atomkraftgegner ab 16:00 Uhr zu einer Mahnwache mit Informationsstand auf die König-Heinrich-Straße ein.

Von <a rel="nofollow" class="external text" href="http://flickr.com/photos/83713082@N00">Carl Montgomery</a> - <a rel="nofollow" class="external text" href="http://flickr.com/photos/83713082@N00/535916329">Flickr</a>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0" title="Creative Commons Attribution 2.0">CC BY 2.0</a>, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3746027

Von Carl MontgomeryFlickr, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3746027

Im April 1986 kam es in Tschernobyl zu einer der schwersten Atomkatastrophen in der Geschichte der Menschheit. Die Region ist bis heute unbewohnbar. Tausende Helfer, die den Brand im havarierten Atomkraftwerk bekämpften, starben in kurzer Zeit den Strahlentod. In den folgenden Jahren erlagen weitere Zehntausende einem Krebsleiden. Die radioaktive Wolke breitete sich über halb Europa aus. Ein Aufenthalt im Freien war damals besonders riskant. Der Sand auf Spielplätzen musste ausgetauscht werden und der Verzehr vieler Lebensmittel wurde zeitweilig verboten. Auch in Westeuropa stieg die Krebsrate und die Zahl an Fehlgeburten und Missbildungen bei Kindern nahm drastisch zu. Heutigen Schätzungen zufolge gehen in der Bundesrepublik mehr als 5000 Fehlbildungen bei Neugeborenen, unter denen die Betroffenen und ihre Familien bis heute leiden, auf das Konto der Atomkatastrophe.
Inzwischen kehrte im Alltag vieler Menschen wieder Normalität ein. Aus Sicht der Atomkraftgegner kann allerdings keine Entwarnung gegeben werden. Messungen des Umweltinstituts München vom November 2015 weisen selbst nach 30 Jahren noch stark überhöhte Strahlenwerte nach. Alltägliche Lebensmittel wie Waldhonig, Heidelbeeren und eine Vielzahl von Pilzen sind davon betroffen. Deren Strahlenbelastung liegt bei bis zu 900 Becquerel Cäsium pro Kilo. Der gesetzliche Grenzwert liegt bei 600 Becquerel. Unabhängige Experten setzen die Maximalbelastung bei erwachsenen Menschen bei 30 – 50 Becquerel an. Für Kinder und alte Menschen ist selbst diese Strahlenbelastung viel zu hoch.

Die Atomkraftgegner sehen aktuell in den belgischen Uraltmeilern Tihange und Doel eine permanente Gefahr. Ein Unfall dort hätte ungleich schwerwiegendere Folgen als die Ereignisse vor 30 Jahren. Sie fordern deshalb den sofortigen Ausstieg aus der Atomtechnologie.

Hierzu Michael Zerkübel vom Antiatom-Bündnis: „Der Mensch vergisst und beruhigt sich mit verharmlosenden Begriffen wie Restrisiko. Radioaktivität vergisst nie! Wir hoffen, dass es nicht einer weiteren Katastrophe bedarf, um die einzig richtige Lehre zu ziehen, nämlich die sofortige Abkehr von der Atomtechnologie. Leider steigt das Restrisiko aber mit jedem weiteren Monat, in denen die alten Atomkraftwerke am Netz bleiben.“

Die Aktivisten des Antiatom-Bündnisses erinnern am Dienstag, den 26. April in einer Mahnwache auf der König-Heinrich-Straße im Bereich des Amtsgerichtes an die Katastrophe und informieren über die nach wie vor bestehenden Langzeitfolgen. Sie halten Lebensmittelmuster, die nach wie vor  besonders belastet sind, als Anschauungsmaterial bereit.

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