Venlo: Cornelia Schleime – Ich zeige nicht alles

Friseur- und Maskenbildnerlehre, Kunststudium. Observation durch die Stasi. Sängerin in einer Punk-Band und Schmalfilme. Ausstellungsverbot. Fünf abgelehnte Ausreiseanträge. 1984 hastige Ausreise aus der DDR innerhalb 24 Stunden. Dann das mysteriöse Verschwinden ihres gesamten Oeuvres aus ihrer Wohnung. So das frühere Leben der Berliner Künstlerin in Kurzfassung.

 

Cornelia Schleime, Aus der Reihe: See you (696), 2015, Aquarell auf Bütten, courtesy Livingstone gallery The Hague / Galerie Michael Schultz Berlin

Cornelia Schleime, Aus der Reihe: See you (696), 2015, Aquarell auf Bütten, courtesy Livingstone gallery The Hague / Galerie Michael Schultz Berlin

Die Vernissage am Sonntagnachmittag 10. April 2016 war außergewöhnlich gut besucht. Auffällig waren die zahlreichen deutschen Besucher, darunter auch bekannte Gesichter aus der rheinischen Kunstszene.

Das Interview, das Prof. Harald Kunde, der Direktor des Museum Kurhaus Kleve mit der gut gelaunten Künstlerin führte, war ein Highlight. Das Gespräch zwischen zwei Menschen mit DDR-Biografien offenbarte u.a. interessante Erkenntnisse über die persönlichen und künstlerischen Bruchlinien in Künstlerbiografien der Wendezeit und den Neuanfang bei ‚Null‘.

 

Unter dem Titel ‚Ich zeige nicht alles‘ präsentiert das Museum van Bommel van Dam in Venlo Arbeiten auf Papier von Cornelia Schleime (*Berlin, 1953). Bei dieser Schau ist eine Auswahl aus den expressiven, fast surrealistischen Zeichnungen der Serien Animation, Camouflage, Mutationen, Köpfe und See You, u.a auch aus der hauseigenen Sammlung, sowie aus niederländischen Privatsammlungen zu sehen. Die Ausstellung wurde von Gastkurator Jeroen Dijkstra (Livingstone Gallery, Den Haag) in Zusammenarbeit mit der Künstlerin und der Galerie Schultz, Berlin zusammengestellt.

 

Entlang Cornelia Schleimes schier unerschöpflicher Imagination scheinen Subjekt und Objekt, entgegen aller Logik, unvermittelt eins zu werden, um zu einem absurden Organismus zu verschmelzen. Fabelwesen evozieren Assoziationen zu griechischen Sagenwesen; z.B. dem Zentaur, dem Minotaurus oder einer Chimäre aus Elefant und Mensch, dem indischen Ganesh.

Die Zeichnungen der Berlinerin zeigen Parallelen zu den Oeuvres berühmter Filmregisseure wie Alain Resnais (‚Mon Oncle d’Amerique‘) und David Lynch (Mulholland Drive und Inland Empire/ ‚Eine Frau in Schwierigkeiten‘) in denen sich Menschen in Tiere verwandeln.

 

Schon 2009 hatte das Museum van Bommel van Dam die sehr positiv aufgenommene Soloschau Love Affairs der Künstlerin gezeigt und mit Unterstützung des Venloer Knecht-Drenth-Fonds ein wichtiges Gemälde sowie drei Arbeiten auf Papier aus der Serie Camouflage erworben. 2014 wurden diese Erwerbungen um die großformatige Acrylarbeit Liegender Akt I und ein Porträt in Tusche und Aquarell aus der Serie Köpfe ergänzt.

Die Porträts dieser Serie, die 2015 schon in der Ausstellung ‚Augen zu und durch‘ in Den Haag zu sehen waren, visualisieren menschliches Durchhaltevermögen und Überlebenstrieb. Wer sich mit ihnen wappnet, stellt nach Rückschlägen und Widerständen den Blick auf ‚unendlich‘ und verfolgt sein Ziel fest entschlossen weiter. Diese Entschlossenheit entspringt auch aus Schleimes ‚Übersiedlung‘ von Ost- nach West-Berlin im Jahre 1984, findet sich in ihrer Art zu leben wie auch in ihrem Werk.

 

Die großen Porträts ihrer neuesten Serie See You vermeiden bewusst das klassische Konzept der ‚Augen als Spiegel der Seele‘. Schleime sucht hier die Konfrontation mit dem Betrachter, provozierend, melancholisch oder nachdenklich. Sieht sie mich an, oder blickt sie durch mich hindurch? Die Person im Bild lässt ihn an sich heran (see you/ bis bald) bzw. weist ihn ab (see you/ tschüss!). Der Betrachter muss sich mit dem Bild befassen.

 

Die Ausstellung ist Bestandteil der internationalen Wanderausstellung Cornelia Schleime – Oeuvres sur papier 1988-2014, die zuvor im Musée d’art moderne et contemporain Saint-Etienne (F) zu sehen war. Im November 2016 wird Cornelia Schleime den „Hanna-Höch-Preis“ in der ‚Berlinischen Galerie‘ entgegen nehmen. In diesem Rahmen wird auch eine Retrospektive zu sehen sein.

 

Die Parallelausstellung ‚Niets Menselijks is ons Vreemd‘ mit Arbeiten von drei niederländischen Künstlern und dem chinesischen Maler/ Kuratur wurde um Auswahlen aus der hauseigenen Sammlung angereichert und schmiegt sich organisch an die Auswahl der Berlinerin.

 

‚Ich zeige nicht alles‘ ist noch bis 25. September 2016 zu sehen.

 

Publikation: ‚Echofenster‘

Zur Ausstellung ist die Publikation ‚Echofenster‘ erschienen.

 

http://www.cornelia-schleime.de

http://www.vanbommelvandam.nl/de

 

Museum van Bommel van Dam

Paul Hermans, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Deken van Oppensingel 6

NL 5911 AD Venlo

0031 77-3513457

p.hermans@vanbommelvandam.nl

 

http://www.vanbommelvandam.nl/

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