HERR PAUL – Ein Theaterstück zur aktuellen Gentrifizierungsdebatte in Ruhrort

Axel Gottschick als „Herr Paul“ und Friederike Schmahl als seine ältere Schwester Luise auf einer Probe. (Foto: Fritz Hemberger)

Axel Gottschick als „Herr Paul“ und Friederike Schmahl als seine ältere Schwester Luise auf einer Probe. (Foto: Fritz Hemberger)

Noch bevor die 37. Duisburger Akzente am Freitag in einer Woche eröffnet werden, sind alle vier Vorstellungen der Akzente-Theaterproduktion „Herr Paul“ im Ruhrorter Lokal-Harmonie bereits ausverkauft. Während die Premiere am 2. März „rappelvoll“ sein wird, wie der Veranstalter mitteilt, könnten an den Terminen 3., 11. und 12. März vereinzelte nicht abgeholte Karten an der Abendkasse gegebenenfalls noch zu haben sein.
Der „Run“ auf die Karten, so das Lokal Harmonie weiter, sei vermutlich darauf zurückzuführen, weil die Akzente-Auftragsproduktion, das 1994 von Tankred Dorst auf die deutsche Wiedervereinigungsproblematik geschriebene „Stück des Jahres“ auf die aktuelle Gentrifizierungsdebatte in Duisburg-Ruhrort adaptiert habe. So wären nicht nur die im Stück genannten Örtlichkeiten mit Ruhrorter Lokalkolorit versehen worden, sondern ließen auch die zwei Gegenspieler von „Herrn Paul“ (gespielt von Axel Gottschick“) mit zwei derzeit tatsächlich in Ruhrort agierenden „Finanzplayern“ namentlich wie charakterlich sehr ähnlich erscheinen: nämlich den Projektentwickler Jockel (gespielt von Peter G. Dirmeier) ebenso wie den dazugehörigen Grafen als Investor (gespielt von Sascha von Zambelly).
Die Geschichte selbst spielt in der ehemaligen Eisenwarenhandlung „Hennes“ auf der Harmoniestraße, die Jockel zu einem exquisiten Antiquitätengeschäft umbauen will. Im Schlepptau mit dabei ist seine Freundin Lilo (gespielt von Silke Roca). Jockel hat nur zwei Probleme: Erstens kein Geld, das soll ein adliger Großinvestor beisteuern, und zweitens Herrn Paul, dieser lebt nämlich dort seit Jahren mit seiner älteren Schwester Luise (gespielt von Friederike Schmahl) in dem ursprünglich elterlichen Haus. Es geht also um das Thema „Entmietung“, einem klassischen Vorgang der Gentrifizierung.
Paul verkörpert durch seine Verweigerungshaltung und Unangepasstheit eine Existenz, die durch Nicht-Handeln, durch die Widerständigkeit des Trägen, den Geist der kapitalistischen Innovation konterkariert. Er ignoriert die Gebote von Effizienz, Zeitökonomie, Arbeit und Kapital indem er da ist. „Wer lebt, stört“, sagt er und setzt damit eine Handlung subversiven Widerstands in Gang.
Die Textfassung und Inszenierung liegt in Händen von Olaf Reifegerste; die Ausstattung (Bühne und Kostüme) besorgt Sigrid Trebing; Kompositionen und die Musik steuert Wolfgang van Ackeren bei und Claudia Gonzalez unterstützt den künstlerischen Stab bei der Realisierung dieser Theaterproduktion.

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