‚Tarzan am Main – Spaziergänge in der Mitte Deutschlands‘

Büchner-Preisträger Wilhelm Genazino liest und diskutiert mit Gabriele von Arnim
ruhrSpott – Ein Projekt des Literaturbüros Ruhr in Kooperation mit der Stadtbibliothek Duisburg und dem Verein für Literatur und Kunst

Wilhelm Genazino, 2013 beim Frankfurter Kunstverein, in Frankfurt am Main - Foto Dontworry https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wilhelm-genazino-2013-ffm-939.jpg

Wilhelm Genazino, 2013 beim Frankfurter Kunstverein, in Frankfurt am Main – Foto Dontworry https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wilhelm-genazino-2013-ffm-939.jpg

Irgendwie erkennen wir das wieder im Ruhrgebiet: Wer Deutschland sehen will, fährt nach Berlin oder München, vielleicht an die malerischen Ufer des Rheins, aber liegt das wirkliche Deutschland nicht ganz woanders? Dort, wo man keine Stadtrundfahrten und Bötchentouren macht? Vielleicht sogar in einer Fußgängerunterführung in Dortmund oder Frankfurt am Main?
„Die meisten Menschen, die mich kennen“, schreibt Wilhelm Genazino, „wundern sich, dass ich in Frankfurt lebe.“ Und warum? Weil alle meinen, „Frankfurt sei hässlich, abstoßend, ordinär, spießig, kurz: ungenießbar.“ Vielleicht ist das tatsächlich so, aber sind die lupenrein schönen Städte deshalb wirklich interessanter, bedeutender, lebenswerter? Oder sind die Verehrer der aufregenden und schönen Gegenwart der Metropolen einem Irrtum aufgesessen?
Wilhelm Genazino, in dessen Romanen Frankfurt oft den Schauplatz bildet, hat sich auf den Weg gemacht, die unansehnliche, aber wirkliche Mitte Deutschlands zu erkunden: Einkaufsstraßen und Vororte, Katzen in Schaufenstern, nächtlich knabbernde Mäuse in der U-Bahn und Alkoholiker an Kiosken. Zugleich erzählt Genazino seinen eigenen Weg durch Frankfurt: von der frühen Zeit als Pardon-Redakteur, als zwischenzeitlich fast gescheiterter Schriftsteller, als stiller Beobachter von Einheimischen. Er beschreibt das gewöhnliche Deutschland, das exotischer ist als die Ferne, die inzwischen jeder kennt, und er erzählt wie in seinen großen Romanen mit facettenreich-abgründigem Witz.

Wilhelm Genazino, 1943 in Mannheim geboren, lebt in Frankfurt. Er wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Georg-Büchner-Preis und dem Kleist-Preis. Sein Werk erscheint bei Hanser, zuletzt die Romane ‚Wenn wir Tiere wären‘, ‚Die Liebe zur Einfalt‘ oder ‚Bei Regen im Saal‘.

Dr. Gabriele von Arnim arbeitete als freiberufliche Journalistin in New York, war US-Korrespondentin für die Kunstzeitschrift ‚art‘, für diverse deutsche Zeitungen, für den Hörfunk und Moderatorin für ARTE, den SWR und das Schweizer Fernsehen. Von ihr erschienen in der Reihe ‚Kleine Philosophie der Passionen’ das Bändchen ‚Essen‘ sowie der Erzählband ‚Matilde, unverrückbar‘. Gabriele von Arnim lebt in Berlin.

Freitag, 23. Oktober 2015, 20 Uhr, Zentralbibliothek, Steinsche Gasse 26, 47051 Duisburg
Eintritt: 6/8 € (Vorverkauf/Abendkasse)
Karten im Vorverkauf in der Zentralbibliothek (während der Öffnungszeiten)
Keine telefonischen Reservierungen
stadtbibliothek-duisburg.de

One thought on “‚Tarzan am Main – Spaziergänge in der Mitte Deutschlands‘

  1. Ein einmaliges literarisches Event in Duisburg, dessen Besuch ich nur wärmstens empfehlen kann! Wilhelm Genazino ist ein großartiger zeitgenössischer Schriftsteller. Die „Abschaffel“-Triologie und „Ein Regenschirm für diesen Tag“ sind am bekanntesten; doch das Oeuvre rund um Angestellten-Romane und männliche Antihelden in der Midlife Crisis ist beachtlich. Auch „Tarzan am Main“, das bereits vor einigen Jahren erschienen ist, hat mir gefallen – ich liebe Genazinos präzise Beobachtungsgabe, seinen lakonischen Schreibstil und die gelungene Balance zwischen Sozialkritik und ironischer Leichtigkeit.