Von meinem Umgang mit Pressemitteilungen

Empört taucht das Gesicht eines Vertreters der Kulturbranche vor meinen Augen auf. Ich seufze. Dabei hatten wir doch gerade eine sehr schöne Pressekonferenz mit Kaffee, Keksen und allem was dazugehört. Ich liebe Pressekonferenzen, aber nicht wegen des Kaffees oder des Tees sondern einfach weil man auf diese Art und Weise am Unkompliziertesten mit Menschen reden kann. Schließlich bin ich ja als Vertreter für Xtranews in einer netten Position: Nicht ich möchte etwas von denen, die wollen etwas von mir.

Doch dieses empört-gestellte Gesicht, dass da auf mich zukommt scheint mir den Tag vermiesen zu wollen. Fehlt nur noch, dass er sich breitbeinig in Positur stellt und anfängt Feuer zu speien. Unwillkürlich denke ich an den kleinen Drachen, der Feuerwehrmann werden wollte – warte, Grisu, richtig! und versuche nicht amüsiert dreinzublicken. Jedenfalls baut sich der Vertreter der Kulturbranche vor mir auf und möchte mich anscheinend zur Rede stellen. Was der aber möchte und was ich möchte sind zwei verschiedene Dinge.

Als Redakteur möchte ich zum Beispiel, dass Pressemitteilungen für Veranstaltungen nicht einen Tag vorher am Mittag oder am Abend verschickt werden. Dies ist hier zwar ein Online-Magazin, aber ich bin hier ja nicht mit einer vollen Stelle beschäftigt – tja, schön wäre es wenn man von seiner  journalistischen Tätigkeit komplett leben könnte, doch mir fehlt der Stallgeruch der Branche und der übliche Weg – und ehrlich gesagt: Zu erwarten, dass Leute von heute auf morgen auf einmal ihre Pläne ändern nur weil die tolle Institution diese wunderbare Veranstaltung hat… Man muss bisweilen doch auch mal praktisch denken. Denkt denn keiner an die Kinder?

Oh, Verzeihung, ich werde leicht sarkastisch bei diesem Thema. Ich erwarte halt ein gewisses Maß an Professionalität. Dazu gehört auch, dass wenn ich dreimal anmahne, den Veranstaltungsplan nicht als PDF zu schicken – erwarten die echt, dass jeder einen Mac hat, mit dem man sowas als Bild speichern kann? – ich dann einfach nur das PDF hochladen und einen Link dazupacke. Was natürlich schade ist, weil das Plakat IM Beitrag eine gewisse optische Wirkung hätte, aber ich laufe keinem hinterher.

Ebenso lieben es Leute offenbar Pressetexte als PDF zu verschicken. Klar, ich liebe es auch mit Copy-Paste den Text herauszukopieren, beim Einfügen in WordPress dann seltsame Formatierungen zu haben und mindestens eine halbe Stunde dran zu sitzen den Text so in Form zu bringen, dass der lesbar ist. Nicht. Nein, wirklich nicht. Und auch ein Papier im neuesten WORD-Dokumentformat ist bisweilen ungeschickt. Warum eigentlich nutzt kaum jemand RTF? Vor allem: Was soll an einem Pressetext so heilig sein, dass ich ihn nicht ändern sollen könnte? Das muss ich doch als Journalist bisweilen?

All diese Dinge im Kopf – und bestimmt habe ich einige vergessen – möchte ich dem Vertreter, der da vor mir steht und sagt: „Ich habe den Eindruck, dass Sie uns bewußt ignorieren wenn es um Pressemeldungen geht“, all das möchte ich ihm am Liebsten ins Gesicht schreien. Dummerweise darf ich das nicht. Hmm, berufe ich mich jetzt auf einen technischen Fehler? Falsche Mailadresse? Irgendwas fällt mir bestimmt ein. Wie immer.

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