Offener Brief: Fragen an den Duisburger OB Sören Link

An den OB DU Sören Link – persönlich – Offene Mail

Betr.: Platanen vor dem Hbf – im freien Fall

Lieber Herr Link,

Mit dem Zweiten sieht man besser ...Sie haben zu der Fällaktion mutig Stellung bezogen, wie in unten angeführtem Artikel angeführt, und wieder einmal gesacht, was Sache ist. –

Nun verstehe ich an Ihren Äußerungen verschiedene Dinge nicht:

–  Der von Ihnen verwendete Begriff „bürgeröffentlich“ war mir bisher kein Begriff, ich habe ihn aber in mein Sprach-Portefolio aufgenommen, in denen z.B. unter anderem schon so Begriffe wie „bürgerähnlich“, „bürgerscheu“ oder „Bürgerschreck“  verzeichnet sind. –

–  Bei Debatten kommt es wie bei anderen Dingen auch, nicht ausschließlich auf die Länge an. –

–  Es hat niemand bestritten, daß die Mehrheiten im Rat für gewöhnlich breit zu sein scheinen. –

–  Bestreitbar ist aber Ihre Behauptung, daß Gerichte der Stadt „korrektes Handeln“ bestätigt hätten. Die Gerichte haben lediglich festgestellt, daß die Kläger (und innen) nicht klageberechtigt seien. Zum Inhalt der Klage haben sich die Gerichte nicht geäußert, die zudem auch noch in der Einzahl waren, handelte es sich doch nur um ein und dasselbe Gericht. – Äußerungen der landeseigenen Aufsichtsbehörden liegen mir indes nicht vor, insofern ich dazu keine Stellung beziehen kann. –

–  Daß Sie andere Meinungen respektieren, ist natürlich nobel, wenn für mich in einer Demokratie auch selbstverständlich, insbesondere für einen OB, insofern ich nicht ganz verstehe, warum Sie das erwähnen. Das gilt auch für Ihre Feststellung, zur Politik gehöre auch, Entscheidungen zu treffen. –
Interessant in dem Zusammenhang wäre und ist, was Ihrer Meinung nach denn noch zur Politik gehört: Bürgernähe, Sachverstand oder gar Sinn und Verstand? Sie können mir das bestimmt in dem von mir avisierten Gespräch mit Ihnen erläutern, das von Ihnen leider noch nicht terminiert ist, wozu ich Sie nochmals bitte. –

–  Zum Schluß des Artikels wird’s dann aber doch haarig bis zwiespältig, wenn Sie versuchen zu erklären, worum es bei der Fällorgie eigentlich geht, was demnach den Handelnden bisher verborgen geblieben zu sein gescheint hat. Wenn ich Sie recht verstehe, gehört auch das Fällen von Bäumen fürderhin zur Visitenkarte Unserer Stadt, was ich eindeutig für bedenklich halte. –
Naja, auf jeden Fall wird noch viele, viele Jahre vielen, vielen Menschen und Tieren auffallen, daß da Bäume wech sind und sich eine Öde ausgebreitet hat, die Wüsten zur Ehre gereichen würde. Ihre Holzauktion hat mich übrigens inspiriert, an einer „Ode an die Öde“ zu schreiben. –

Ich würde mich freuen, wenn Sie mich über die von mir angeführten Punkte aufklären könnten, möglichst innerhalb Ihrer Legislaturperiode. –

Zum Abschluß habe ich aber noch eine sehr konkrete Frage, die ich unabhängig von unserem möglichen Gespräch schon jetzt im Rahmen des IfG (Informationsfreiheitsgesetz) beantwortet wissen möchte: Wieviel Geld/Honorar hat Sir Noman Foster für seinen Masterplan, an den sich die Stadt übrigens nur bei Wohlgefallen hält, eigentlich bekommen – und gibt es auch einen Plan für die Slaves?

Mit umwelt- und platanenfreundlichen Grüßen
JO.

Harald Jochums / u.a. Archetekt für Ökologisches Bauen / Turmstraße 12 / 4729 DU-Rheinhausen
ANHANG
„OB Sören Link weist die Kritik der Fällgegner am Handeln der Stadt und seiner Person zurück: „Nach einer langen, auch bürgeröffentlichen Debatte hat es Ratsbeschlüsse mit breiten Mehrheiten gegeben“, sieht sich der Oberbürgermeister in seinen Entscheidungen demokratisch legitimiert. Auch Gerichte und die Aufsichtsbehörde in Düsseldorf hätten der Stadt „korrektes Handeln“ bestätigt.

„Ich respektiere andere Meinungen, aber zur Politik gehört auch, Entscheidungen zu treffen. Wir reden auch nicht nur über 24 Bäume“, verweist der OB auf die geplante Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes und der Mercatorstraße: „Es geht um die wichtigste Visitenkarte der Stadt.“

Aus:

One thought on “Offener Brief: Fragen an den Duisburger OB Sören Link

  1. Duisburger Demokratischer Revierfilz

    Ohne Trittbrettfahrer erster Ordnung fallen die Trittbrettfahrer zweiter Ordnung nicht auf. Eine Gesellschaft mit Trittbrettfahrern erster und zweiter Ordnung gerät jedoch aus dem kooperativen Gleichgewicht, da das egoistische Verhalten einzelner nicht bestraft und deren Erfolg innerhalb der Gesellschaft ermöglicht wird. „Damit das System nicht unterwandert und dauerhaft destabilisiert wird, ist der Umgang mit den Trittbrettfahrern zweiter Ordnung entscheidend für die Etablierung von Kooperation innerhalb der Gesellschaft“, sagt Traulsen.
    Steuersünder befördern institutionelle Bestrafung, 4. Juli 2012
    http://www.mpg.de/5878687/institutionelle_Bestrafung1

    In menschlichen Gesellschaften verhalten sich Menschen dann am kooperativsten, wenn sie mehrfach aufeinander treffen und die Bevölkerung so strukturiert ist, dass Kooperationswillige häufiger auf ihresgleichen treffen.
    Neues Modell zu kooperativem Verhalten, 8. Juni 2012
    http://www.mpg.de/5835077/kooperatives_verhalten?filter_order=L