Duisburg: Von besorgten Bürgern, Hetzern , evangelischen Facebook-Seiten und Stadtspitzen, die Benzin zum löschen nutzen

In evangelischen Kreisen Walsums scheint es zu rumoren, eifrige Kommentatoren auf der Facebook-Seite „Evangelisch in Walsum“ machten ihrem Unmut über die Unterbringung von Geflüchteten Luft, sprachen von Abfackeln, 9 mm Pistolen und jammerten über Benachteiligungen deutscher Bürger bei der Versorgung mit Schwimmbädern. Strafanzeigen, empörte Mitbürger, die die Hetze so nicht stehen lassen wollten veranlassten letztendlich den Betreiber dieser Seite ,einen evangelischen Pfarrer aus Walsum selbst einzugreifen und die Kommentare zu löschen. Von Frank Noroschat

Frank Noroschat

Frank Noroschat

Kein Einzelfall in Duisburg, ob Walsum, Neuenkamp oder Neumühl, überall dort, wo über die Unterbringung von Geflüchteten diskutiert wird zeigen sich besorgte wutbürgerliche Anwohner, rechte Funktionäre und die Fratze der Widerlichkeit, die ihre Meinungsfreiheit einfordert.Ob Pegida, ob entgleisende Bürgerversammlungen oder Diskussionen in sozialen Medien, die These von zugereisten Stimmungsmachern und deren alleiniger Verantwortung ist immer weniger haltbar, Rassismus,Fremdenfeindlichkeit und Gewaltbereitschaft sind mitten unter uns.

Dagegen gerichtetes Engagement vieler Duisburger Bürgerinnen und Bürger kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es brennt in Duisburg, dass schon längst Worten Taten gefolgt sind und es bisher eher Zufall und Glück war, dass nicht auch Menschen gebrannt haben.

Diesen Brand zu löschen wird nicht einfach sein, Menschen, die sich dagegen stemmen brauchen Hilfe und Unterstützung, müssen mitgenommen und eingebunden werden, nicht durch gelegentliche Inszenierung symbolhafter Politik, sondern in klaren Strukturen täglichen Handelns, Strukturen bei deren Umsetzung die Stadt in Verantwortung steht.Wie mühselig und schwierig es ist für Verständnis zu werben, Aufklärung zu leisten, Hilfe zukommen zu lassen,können die vielen engagierten Bürgerinnen und Bürger täglich erleben, wie die tägliche Arbeit erschwert wird durch Inszenierungen und Instrumentalisierungen von Geflüchteten, durch die Beförderung von Diskussionen, die in „gute“ und „schlechte“ Geflüchtete einteilt.

Forderungen nach vereinfachter Abschiebung, nach einer Abschaffung bürokratischer Hürden, nach weniger Schutz für Menschen in besonderen Lebensumständen oder Familien, die von Abschiebung bedroht sind stellen keine Lösung dar für eine Situation,die von Überforderung und Konzeptlosigkeit gekennzeichnet ist,sie etablieren bloß weitere Unmenschlichkeiten in einem ohnehin unmenschlichen Abschiebe-Regime und geben durch die Hintertür den geistigen Brandstiftern recht.

Wer Benzin ins Feuer schüttet und sich dann wundert,dass es noch schlimmer brennt, der trägt wenig zur Lösung bei , der beweist wenig Verantwortung im politischen Handeln und wird auf Dauer nur scheitern, ein Trümmerfeld hinterlassen .Gelegentliche Symbole,Betroffenheitsinszenierungen und Beschwörungen des „anständigen “ Duisburgs können nicht eine Politik ersetzen, die auf Wahrung von Menschenwürde, auf vernünftige Unterbringung von Geflüchteten, auf verbindliche Strukturen setzt und damit an Menschlichkeit und Glaubwürdigkeit gewinnt.Wenn Duisburg nicht radikal umdenkt wird es im großen Stile verlieren und den Preis werden diesmal nicht die Geflüchteten allein zahlen.

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