Hubertus Wawra – Der „Master of Hellfire“ im Zirkus Flic Flac

Hubertus Wawra ist der „Master of Hellfire“ und amtierender Weltmeister im Feuerschlucken. Der symphatische Thüringer ist beim Zirkus Flic Flac einer der Komiker, der die Zuschauer zum Lachen und mit seinen Feuertricks zum Staunen bringt. Er ist ausgebildeter Pyrotechniker für Film- und Fernsehproduktionen und hat seit seiner frühesten Kindheit sein Herz an das Element Feuer verloren. Bekannt wurde er durch zahlreiche Auftritte in Weltrekord-Shows, auf der Jagd nach neuen Herausforderungen. Im Europapark ist er der Kopf der Show „Horror on Ice“. In seinem Leben war er nicht immer vom Glück verfolgt. Er traf sich mit der Xtranews-Redaktion zu einem Interview.

Wann hast du denn deine Leidenschaft für das Feuer entdeckt?

flicflacIMG_4439„Mit Feuer habe ich schon als kleiner Junge immer herum gespielt. Die Leidenschaft für die Pyrotechnik kam im Alter von 20 auf. Ich habe dann herum probiert. Und dann noch Sachen, die man eigentlich ausprobieren darf. Als ich 6 Jahre alt war habe ich fast das Haus meiner Eltern abgefackelt. Ich wollte nur spielen. Wir hatten zwei Heizöfen und einen Heizungskeller. Es war nur ein Ofen angeschlossen. Der zweite Ofen stand dort nur zur Reserve herum. Ich habe versucht den Reserveofen anzuzünden mit Streichhölzer. In dem Rohr war ganz viel Dreck. Und dieser Dreck fing sofort an zu brennen. Es gab eine Stichflamme. Der ganze Rauch kam dummerweise aus dem nicht am Abzug angeschlossenen Rohr heraus. Es hat ziemlich gestunken.“

In deiner Vita steht, dass du in England studiert hast und bleiben wolltest. Doch der Zivildienst rief dich zurück in die Heimat. Wo hast diesen vollzogen?

„Ich wurde in einer Jugendherberge eingesetzt. Der Herbergsvater hat recht schnell gemerkt, das ich nicht zum Putzen geeignet bin. Und da ich eine Ausbildung als Hotelfachmann hatte, hat er mich an der Bar in der Jugendherberge eingesetzt. Anfangs war die Bar nur mit Eierlikör und Braunem bestückt. Zwei Wochen später war die Bar voll. Es gab dann mehr als nur den obligatorischen Eierlikör.“

Eigentlich prägt eine solche Zeit und dient der beruflichen Selbstfindungsphase. Wie war die Zeit für dich?

„Eigentlich hatte ich immer was ganz anderes vor. Mich hat der Zivildienst einfach nur genervt, da ich komplett andere Pläne hatte. Und dann jeden Abend hinter der Theke zu stehen, machte zwar Spaß, aber du warst ständig betrunken. Die Jugendherberge, in der ich eingesetzt war, war brandneu. Und eben billiger als ein normales Hotel.“

Wie kamst du zur Pyrotechnik und zum Zirkus?

„Erst habe ich mich für Artistik interessiert und habe damit gestartet. Kurz darauf habe ich die Pyrotechnik für mich entdeckt. Ein Freund meines Herbergsvaters hat mich entdeckt und fand alles was ich so kann und mache super. Er sagte mir, das er mein Manager wird. Er hat mich dann zu Jürgen von der Lippe geschickt. Dieser hat mich prompt genommen. Von da an hatte ich ständig irgendwelche Gastauftritte und Buchungen. Eigentlich wollte ich immer wieder zurück nach England. Aber das ging nicht mehr.“

War das immer der Weg, den du eigentlich einschlagen wolltest?

„Nein, ich wollte immer Missionar werden. Bei mir ist alles schief gegangen. Missionar oder Schlagersänger waren immer ein Kindheitstraum von mir. Aber zu DDR-Zeiten wäre man als Missionar tatsächlich bis nach Bautzen gekommen. Es war ein revolutionärer Beruf. Die wenigsten Leute wissen, wie gefährlich es war Missionar im Osten zu werden. Den Beruf Missionar habe ich mir aber auserwählt auf Grundlage eines Kinderbuches aus dem Osten. Es hieß „Der Neger Nobi“. Ich wollte dann aber immer nach Afrika. Irgendwo hin, wo noch niemand vor mir, außer der Ureinwohner, war.“

Wie kam es zu deinen zahlreichen Auftritten in den Weltrekord-Sendungen? Schlummert in dir der Thrill nach dem bisher unerreichten? Strebst du nach weiteren Herausforderungen?

„Nein, gar nicht. Ich wurde irgendwann mal gefragt, ob ich mich mit jemanden mal battlen mag. Ich hatte nur durch Zufall gewonnen. Und wenn man der Gewinner ist, ist man nun mal der Weltmeister. Und dann wird man immer und immer wieder von neuen Leuten herausgefordert. Ich wurde von RTL damals angefragt und habe zugesagt. Ich hatte damals abgesagt, aber man bot mir einen Geldbetrag und dann sagte ich zu. Und somit kam dann eine Herausforderung nach der anderen und eine Show-Anfrage nach der anderen. Ich wurde überall auf der Welt in Fernsehshows eingeladen und stellte mich den Herausforderungen. Man musste dann auch mal nach Indien reisen, um einen sinnlosen Weltmeistertitel zu verteidigen. Es ist nicht so, das ich an so etwas hänge. Ganz im Gegenteil. Solche Dinge sind das dümmste auf dieser Welt.“

Du hast in England bei UPS gearbeitet. Wie kam es dazu?

„Ich habe leider in England eine Zeit lang von der Stütze gelebt. Dort habe ich vom Arbeitsamt immer wieder Stellenangebote erhalten. Um weiterhin Geld zu erhalten, habe ich mich dann auf die Stelle bei UPS beworben und die Zeit dort war geil. UPS-Fahrer in London ist schon ein geiler Job. Man darf die coolen braunen Uniformen tragen, die Autotüren auflassen und unangeschnallt herum fahren. Das war eine geniale Zeit.“

Wie bist du zu Flic Flac gekommen?

„Unbeabsichtigt. Ich habe 2002 in Kassel die Show gesehen, bin nach der Show einfach sitzen geblieben und bin dann mit dem Chef ins Gespräch gekommen. Er fragte mich, warum ich mich denn für den Zirkus interessieren würde. Ich habe ihm dann erzählt, was ich bisher so gemacht habe. Mit dem Feuer und der Pyrotechnik. Er wollte dann gerne mal sehen, was ich so mache. Einen Tag später war ich dann wieder da und zeigte ihm, was ich so kann. Dann gab er mir das Micro und sagte, das ich mal zeigen soll, was ich damit so machen kann. Dann frage er mich:„Wieviel willste?“ – Und seitdem bin ich hier beim Zirkus.“

Was sagen denn deine Eltern dazu?

flicflacIMG_4427„Meine Eltern sind mittlerweile stolz auf mich. Man lebt ja auch ganz gut mit dem Job. Es gab aber auch mal eine lange Zeit, in der der Job für mich ein Stein im Weg war. Eher ein wunder Punkt. Es ist nun mal nicht einfach, wenn die Eltern gegen den auserwählten Beruf sind. Anfangs hieß es immer „Brotlose Kunst“, und nun heißt es: „Wir haben immer gewusst, das du es schaffst.“ – Das habe ich ihnen nicht so richtig verzeihen können. Eben typisch Eltern. Es ist dumm, wenn Eltern versuchen ihren Kindern die Träume auszureden. Das wiederum ist sowas von geil, weil wenn die Kinder dann weiter machen, dann haben sie einen Wut-Faktor in sich. Man entwickelt eine ungebremste Energie, weil man immer dagegen rennen muss, was die Erwachsenen einen versuchen auszureden.“

Und was sagten die Eltern zum ursprünglichen Wunsch Missionar zu werden?

„Das fanden sie geil. Meine Eltern sind Katholiken. Sie fanden mein Vorhaben eher süß.“

Wie geht’s nach Flic Flac weiter?

„Die Show geht ja noch zwei Jahre. Ich habe viele Angebote. Ich bin heute zum Glück in einer Position, in der ich mir aussuchen kann, wo ich arbeiten werde. Ich brauche mich künftig nicht bewerben.“

Hubertus Wawra ist noch bis zum 19.04.2015 in Duisburg beim Zirkus Flic Flac zu sehen. Der Zirkus tourt noch bis 2016 durch Deutschland.
Eine Fotostrecke finden Sie unter http://foto.xtranews.de/index.php?/category/Flic-Flac

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