Moms Mind: Ich gönn‘ Dir deinen Schlaf nicht, PAPA!

Nein, diesen Satz hat tatsächlich nicht meine Tochter von sich gegeben (obwohl es gut denkbar gewesen wäre). Dieser Satz stammt von mir. Oder besser gesagt: Er entstand aus einem Gespräch zwischen mir und einer lieben Freundin, die gerade einen Frischling auf die Welt gebracht hat. Sie ist neu in diesem Business, ich mit einer fast 2 1/2 jährigen schimpfe mich da schon eher als alter Hase. Wobei Mütter mit älteren Blagen jetzt herzlichen lachen dürfen und mich mindestens so naiv abschreiben dürfen, wie ich das mit Frischlingsmüttern auch mache. Oder aber mit Schwangeren. In einer Sache habe ich ihr aber zu 100 %, nein sogar zu 10000 % Recht geben müssen. Dass der arme Mann ständig schläft. Dass der Sausack überhaupt entspannt schlafen kann. ENTSPANNT, verdammt nochmal! Was denkt er sich dabei nur!? – Richtig! Nichts! Seitdem ich Mutter bin, weiß ich, wie unentspannt schlafen doch sein kann. Dass der Tiefschlaf nur etwas für Kinderlose ist. Ja, ich schreibe diesen Satz mit einem verachtenden Unterton. Pfft! Ja, in Wahrheit bin ich neidisch. Auf ihren Schlaf. Und noch viel, viel mehr auf den Schlaf meines Mannes! Für ihn ist klar, dass die Nacht zum schlafen da ist. Für mich ist klar, dass das große Zittern nun beginnt. Ich atme leise und bedacht. Jedes Geräusch macht mich nervös. War das ein Schmatzen? Hat es gehustet? Dreht es sich und wird gleich wach? Die Spannung ist beinahe nicht mehr auszuhalten. Meine Hände schwitzen

© Tracy King/Fotolia

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und sind angespannt. Grazil wie eine Gazelle strecke ich mich und rolle dann wie ein Sack Reis auf den Bauch und falle in einen leichten Halbschlaf. Ich träume von einem sauberen Haus, einer hässlichen, aber überaus fleißigen Nanny die bereits über 50 ist und sich rührend um das Kind kümmert, während Sie mir mit ihrer freien Hand die Füße massiert, ich träume von viel Geld und einem straffen Bauch. So abgetaucht in meinem kleinen Mikrokosmos der Fantasie beginne ich leicht, ganz leicht mich zu entspannen. Bis ich es höre… Ein Grunzen… Ein Wildschwein bricht in mein sauberes Haus ein und verwüstet alles! Sein Grunzen lässt die glänzenden, streifenfreien Fenster meines Traumhauses zerbrechen und die hässliche, alte Nanny flüchtet um nie mehr wiederzukommen. Ich schrecke auf, bin schweißgebadet! Ich öffne die Augen und bemerke schnell, dass das Grunzen grausame Realität ist. Bamm! Mit einem Schlag befinde ich mich im hier und jetzt! Ich blicke nach Rechts und erkenne im Mondschein den glänzenden Speichel der meiner vermeintlich besseren Hälfte aus dem Mundwinkel läuft. Gepaart mit dem grässlichsten Grunzen, einer Mischung aus paarungswilligem Eber und Kettensäge, steigt mein Aggressionslevel an seine Grenzen. Ein liebevoller Schubs meinerseits und der Eber rollt auf den Rücken. Das ändert nichts an dem Soud den er von sich gibt. Ich halte ihm liebevoll die Nase zu, doch die Geräusche werden nicht leiser- im Gegenteil. Ich bin erschlagen! Die Arbeit war stressig, die Bude sah aus wie Sau, und ich konnte froh sein, mein Kind noch begraben unter Spielzeugen ausfindig zu machen. Das Mittagessen verbrannt, weil das Kind sich bis unter den Hals vollgekackt hatte. Daneben noch Papierkram erledigt, Geburtstagsgeschenke verpackt und für jeden nen halbwegs netten Spruch ausgedacht, während man mit der anderen Hand Hunde und Katzen mit dem Kind malt. Und jetzt sowas!? Wieso ist das Leben nur so ungerecht? Ich verpasse meinem Ebermann einen Tritt. Ich bin sauer! Er bemerkt ihn nicht mal. Ich drücke mir mein Kissen ins Gesicht und schlafe vor lauter Wut irgendwann einfach ein. In meinem Traum beginnt die Nanny mein Haus wieder aufzubauen, bis wir beide ein schreckliches Kreischen vernehmen. Wieder macht Sie sich aus dem Staub. Ich bemerke einen immer größer werdenen Schatten, die Erde bebt. Da entdecke ich es: Meine Tochter ist gefühlte 100 Meter groß und läuft mit langsamen Tippelschritten auf mein Haus zu. Ich schrecke aus dem Traum hoch. Kindergeschrei! „Maaaaaamaaaaaaa, hol mich! Ich hab Kacka! Maaaaaaaaaamaaaaaaaaaaaaaa… Maaaaaaaaaaaaaaaaamaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!“

Buhuhuhu…

Im Halbschlaf (es ist mittlerweile 3 Uhr) tapse ich in ihr Zimmer. Sie ist hellwach und strahlt mich an. „Hab Kacka gemacht.“ -„Feeeeeein.“
Routiniert mache ich ihr einen frischen Hintern. Zack, zack, fertig. Der Versuch Sie in ihr Bett zu legen scheitert. Protest macht sich breit. Mir klingeln die Ohren. Also nehme ich Sie mit.

Sie findet das Schnarchen witzig. „Oh, der Papa narcht!“ Und steckt ihm einen Finger in die Nase. Er schmatzt und gibt kuriose Geräusche von sich. Das Kind kann sich vor lauter Lachen nicht halten. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Finger schnell genug aus seinem Mund zu ziehen bevor dieser sich unter grunzenden Lauten wieder schließt. Ich fasse es nicht. Jeder Versuch Sie zum schlafen zu bringen scheitert. Und der Papa? Der kriegt von all‘ dem mal wieder nichts mit. Die nächtlichen Eskapaden ziehen an ihm vorbei, obwohl er voll im Mittelpunkt steht.
Ich beschließe mich einfach zur Seite zu drehen und schaue noch einmal auf die Uhr. Gleich 4. Ich rechne mir aus, dass ich noch 2 Stunden schlafen kann bevor der Wecker schellt. Langsam schlafe ich ein. Hier und da erwischt mich die Faust meiner Tochter oder ich bekomme hier und da mal einen Tritt in die Rippen. Um kurz vor 6 schellt mein Wecker. Ich watschel wie ein Zombie runter in die Küche.
Mein Mann sitzt gut gelaunt am Küchentisch mit einem Kaffee in der Hand. Er küsst mich enthusiastisch auf meine fettige Stirn und fragt mich, ob ich gut geschlafen hätte.

In mir machen sich Mordgedanken breit.

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