Heimat ist überall oder Zollverein ist auch Duisburg!

rp_300px-Bundesarchiv_Bild_183-1987-0402-006_Getränkekombinat_Magdeburg_Fließband_Industriearbeiterin.jpg„Beim Thema Heimat geht es nicht nur um die Heimat hier in Duisburg, sondern um den Begriff Heimat allgemein.“ Sagt das Festivalbüro – und glaubt sich damit aus der Schusslinie der Kritik, die darauf abzielt, dass das diesjährige Motiv für die Akzente keines ist, das in Duisburg beheimatet ist. Nein, Zollverein Essen mag allenfalls eine Heimatmarke für den Ruhrpott sein und für die Essener Agentur, die das Ganze entworfen hat vielleicht auch total logisch – aber das Argument, es ginge um Heimat allgemein und deswegen sei es opportun mit einem Motiv zu werben, das nicht aus der Stadt selbst kommt ist so schwach, dass man es nicht mal stützen mag. Und diese Kritik als „kleinlich“ abzutun greift bei dem Thema Heimat daneben. Sensibilität ist nicht die Stärke des Festivalbüros scheints.

Beschädigung des Festival-Gedankens

Die Duisburger Akzente sind eine der wenigen Kulturmarken, die Duisburg mit einem positiven Ruf belegen. Die Akzente sind also mit Duisburg und der Stadt verbunden und es mag sein, dass bei früheren Themen wie Religion oder Geld ein allgemeines Werbemotiv passend war – wenn man Duisburg mit dem Begriff Heimat in Verbindung bringt kann es nicht sein, dass man die Marke der Akzente dadurch beschädigt, dass man ein Essener Motiv für die Werbe-Kampagne nimmt. Nein, es ist nicht damit abgetan der Begriff Heimat sei allgemein gemeint. Wäre es so hätte das Festival-Büro mit glücklichen Kühen, hohen Bergen und röhrenden Hirschen vor rauschenden dunklen Wäldern Werbung machen können – das ist doch das, was man allgemein mit Heimat in Deutschland verbindet. Aber röhrende Hirsche sind mittlerweile schon mit einem anderen Festival in Duisburg verbunden und daher scheint ein geplanter Entwurf mit Seen und Wäldern nicht verwirklicht worden zu sein. Nein, dieses Argument ist zu schwach auf den Beinen als dass man es wirklich stützen könnte.

Des Weiteren: Wo konzentriert sich eigentlich das Geschehen der Akzente? In einem Stadtteil in Essen? In einer Zeche? Nein, das Programm findet in Duisburg statt. Wenn das Programm schon in Duisburg stattfindet und der Begriff Heimat ins Spiel kommt – dann wäre es zumindest einen Gedanken wert gewesen zu überlegen, was als Symbol für die Heimat in Duisburg und auch als Symbol für Heimat allgemein in Frage kommt. Den Stadtwerketurm erblickt man von der Autobahn her wie so vieles Andere auch. Und gerade der Stadtwerketurm als liebgewonnene Duisburger Stadtmarke mit der Bedeutung auch eines Leuchtturms – wäre dies nicht ein passenderes Symbol für die Akzente gewesen als Stahlgerüste, bei denen man erst auf den zweiten Blick erkennt, dass das nicht der Landschaftspark Nord ist? „Industriekulisse ist Heimat“? Na, dann hätte man ja auch den Eiffelturm aufs Plakat heben können, das ist auch Industriekulisse nicht weniger als Zollverein. Nein, diese Argumentation verfängt nicht.

Ausstrahlung – ja, aber Image schlägt zurück

Nun aber strahle doch das Festival immer in die Region hinaus und man solle doch bitte nicht so kleinkariert sein, tönt es. Überhaupt: Da mokiere man sich dauernd, dass das Ruhrgebiet immer so als Flickenregion wahrgenommen werde statt als Ganzes und mache dann ausgerechnet Terz wenn es um ein Motiv für eine Werbekampagne gehe? Um ein Festival, welches in die Region ausstrahle? Wie kleinlich kann man denn bitte sein – da müsse der Duisburger doch einsehen, dass es um das Größere gehe. Um das Weltkulturerbe!

Fehlt nur noch, man beschwört von Festivalbüroseite noch das Edle, Wahre, Hilfreiche und Gute. Ja, ohne Zweifel: Die Zeche Zollverein ist Weltkulturerbe. Was das mit dem Thema Heimat zu tun hat erklären die Damen und Herren des Festivalbüros jedoch nicht. Vielleicht, weil sie ganz genau wissen, dass die Zeche Zollverein und das Weltkulturerbe eher eine Heimat für Essener darstellt als für uns Duisburger. Die Zeche Zollverein ist nur dann Heimat, wenn sie mit Raum, Zeit und Gefühl in Verbindung gebracht werden kann. Mit der Erfahrung des Begriffs Heimat. Ich schrieb, Heimat sei dehnbar. Infolgedessen müsste auch die Zeche Zollverein als Heimatbegriff so dehnbar sein, dass sie bis nach Duisburg reicht – aber auch nur dann, wenn sie nicht nur reiner Ort ist. Auch das merkte ich an: Wenn Heimat nur zu einem lokalen Festpunkt gemacht wird, dann erstarrt sie und gerade dann passiert das, was man jetzt beobachten kann. Eine Auseinandersetzung über Gut und Schlecht. Für ein Festival-Publikum, dass sich überwiegend mit Duisburger Aspekten des Begriffs Heimat auseinandersetzt – auch wenn natürlich ein Teil des Programm mit Künstlern bestritten wird, die nicht aus Duisburg stammen – kann das Motiv nicht greifen. Weil es nur ein Platzhalter für etwas ist, was die meisten Duisburger eher mit der Erfahrung „Museumsbesuch“ und „Onkel und Tanten den Pott zeigen“ verbunden ist. Deswegen ist das Motiv falsch gewählt. Auch wenn es Größe zeigen soll.

Und ein weiterer Aspekt muss noch angesprochen werden: Die Akzente setzen immer eine Diskussion in der Stadt selbst in Gang.  Meistens schaffen die Akzente es auch noch über den Tag hinaus Debatten anzustoßen. Die Duisburger Stadtgesellschaft diskutiert dann – nicht unbedingt die Essener oder die Oberhausener. Gerade das aber spricht erneut gegen ein Motiv des Weltkulturerbes – mag sein, dass der Anspruch des Festivals darin besteht überregional auszustrahlen. Dazu müsste man mal zum Gegenbeweis die überregionalen Zeitungen durchforsten um zu sehen wie und ob über die Akzente berichtet wird. Aber eine richtige Wirkung entfalten die Akzente vor Ort. Nicht in Essen, Oberhausen, Dortmund oder Hamm. Wer sich über all die aufgeführten Aspekte vorab keine Gedanken macht, dem gehört wahrlich eine harsche Kritik ans Ohr gebracht – und diese ist weder kleinlich, noch unverdient, liebe Damen und Herren des Festivalbüros. (Zudem lässt sich auch wahrlich fragen, warum für Duisburger Projekte eigentlich Firmen aus anderen Städten herangezogen werden – sind die Duisburger Firmen denn wirklich so schlecht, dass man sich Alternativen im Ausland suchen muss?)

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