Cyberspace

Etti Ruhöfer

Ich bin gez drin – in Internet mein ich. Viele sagen ja, datt et schlimm is. Abba meckern müssen ja immer welche. Watt is denn schon schlimm dadran. Watt ich bis gez von die Technik vastanden hab find ich supa. Zugegeben, de grauen Zellen machen da schon manchma Probleme. Und mein Paul geht mich auch ganz schön auffen Wecker. Imma wenn ich ma watt nich finden tu, sacht dä: „Ohne Kurs schaffse datt nie“. Ja, mitte Theorie habbet ichet eben nich so. Praktisch klappt datt abba schon. Und dann bin ich ja auch nich so wie Paule, von wegen: „Fragen, nee, lieber valofen“. Ich frach mich durch bei Nachba Harm. Richtich heißt dä ja anders, abba watt so die richtigen Computer-Heinis sind, die geben sich so komische Namen. Brauch ja nich jeder wissen, mit wemer vakehren tut und so, ne? Also, Nachba Harm tut mich datt allet ganz toll erklären, und so anschaulich. Und en bisken davon behalt ich soga.

En „Explorer“, sacht Harm, is sozusagen datt Surfbrett mit datt man durch datt weltweite Datenmeer surfen kann. Datt vasteh’ ich schoma. Und en „Provider“, sachter, is en Vasorger dä datt Internet mit Daten vasorcht.

Ha!, wie mein Paule, der vasorcht mich ja auch – nich mit Daten, nää, mit Kohle. Dann is dä also mein „Provider“, denk ich ma, oder?

Schade, datt dä sich nich für Computer interessiert. Dä nimmt sich lieber sein Explorer und surft anne Nordsee.

Anne Nordsee, ää! Dä müßte doch eigentlich, wenner nur anne Nordsee rumsitzen tut, neidisch auf mich sein, datt ich so ganz bequem auf mein Stuhl sitzen und in weltmeite Datenmeer rumsurfen tu. Datt hatter nu davon. Warum isser auch nich drin – in Netz, mein ich. Datt iss doch so praktisch. Man brauch nirgens mehr hinzugehen und hat trotzdem Spaß. Jede Menge Kontaktaufnahmen durch „Syberspace“. Ich glaub, so heißt datt. Schweret Wort, ne?

Man ää, datt sind Worte, die kamma kaum schreiben und dann soll man se auch noch behalten. Da bin ich echt oft mit meine grauen Zellen an kämpfen. Abba datt iss mich dä Spass wert. Ich hab nämich gern viel Kontakte. Bein Computer geht datt allerdings nur elektronisch, dafür isset abba auch günstich, wennste willz. „Call by Call“ nennt sich datt glaub ich, da kanze jede Menge Billichanbieter wählen, sacht Nachba Harm. Toll, watt? Datt merkt sich doch jeder, oder? Wann und wo hattet für Kontakte auch schoma Billiganbieter gegeben?

Jetzt weiß ich auch, warum Harm gesacht hat, datt man Ordner anlegen muß. Klar, damit man dä Überblick nich verlieren tut. Könnt doch peinlich werden, und datt will doch keiner, oder?

Da gibbet noch sowatt, aumann!, datt heiß „Cybersex“. Datt hab ich allerdings nich von Nachba Harm, datt weiß ich vonnene Freundin. Sowatt läßt sich besser von Frau zu Frau übermittlen. Abba, wenn ich ehrlich bin – nää, da will ich nix von wissen, datt is mich einfach zu abstrakt. Hat sich damit schoma einer beschäfticht? Nä? Lassenset, lassenset. Ich hab mich datt ma ganz kurz nur vorgestellt: Da hasse, sagen wer ma in England, en Kontakt. Dann ziehse dich son komischen Anzuch an mit Sensoren dran. Dann fängse an, dich zu bekrappschen. Kann ma einer sagen, watt dadraus werden soll? Datt nennen die Fortschritt.

Eingeschänkte Lebensqualität is datt, und sich ausse Verantwortung stehlen, is datt. Und datte Bevölkerungszahlen an absacken fangen, datt kümmert keinen. So sieht datt aus!- wenn ich datt richtich vastanden hab.

Nee, sowatt will ich einfach nich kapieren. Datt watt ich kann reicht für mein Alter. Son bisken elektronisch Kontakt aufnehmen is zwa gewöhnungsbedürftich, abba schön.

Übrigens, in mein Internetbuch hab ich gelesen, datt die, die per E-Mail vakehren viel schneller auffen Punkt kommen, weil datt ganze Drum und Dran watt man sonz macht wegfällt.

Datt die abba auch allet rationalisieren müssen.

Kamann getz nur hoffen, datt sich nich irgendwann ma Ausfallerscheinungen bemerkba machen, wenn die sich alle nur noch elektronisch vagnügen tun. Ganich auszudenken, wär datt!

In datt Internetbuch hab ich noch watt gelesen, watt mich fast umgehauen hat. Stellen se sich ma vor, man kann soga bei datt ganze elektronischen Getue seine Gefühle emotional untermalen. „Smileys“ nennt man die Dinger. Auch en schönet Wort, ne?.

z.B. Lächeln: „Doppelpunkt, Bindestrich, Klammer. Hab ich vasucht. Als ich dann auffe Klammer drückte, kam son kleinet lächelndet Gesichtken. Ich mein, datt vasteht man, und datt macht auch fröhlich. Obwohl en Lächeln von Angesicht zu Angesicht, datt läßt sich numa nich durch Doppelpunkt, Bindestrich und Klammer ersetzen, mein ich, oder?

Dann lautet Lachen: „:-D“. Ich frach Sie, watt hat datt mit lautet Lachen zu tun. Also datt Symbol find ich ja total doof – ddoof, ja woll! Et gibt ja so viele, die bei jedet Bissken laut lachen. Inteligent is datt ja nu ma nich. Wennet abba datt ausdrücken soll, dann könnt ich mich mit „:-D“ einvastanden erklären. Ganz schön raffiniert, muß ich sagen.

Watt glaubense wohl, wie datt Symbol für Kuss aussieht? Ganz mager, sachich nur, ganz mager! Watt so Schönet wien Kuss nur mit en schusseliget „:-x“ zu bezeichnen, und dann noch erwarten, datt man et ausse Ferne genießen tut. Watt Einfallsloseret gibbet nich.

Ich mein, in mein Alter kamann sich ja notfalls noch übba en „:-x“ freuen und zufrieden geben. Abba …Neee, alo ehrlich, da fällt mich doch nix mehr ein. Da kann ich doch nur noch „:-D“, abba ganz ganz laut.

Wie gesacht, wenn ich datt allet richtich vastanden hab…

Comments are closed.