Kulturentwicklungsplan Duisburg: Viel freie Fläche für viele Projektionen

Die Auftaktveranstaltung zum Kulturentwicklungsplan Duisburg bot viel Freiraum für die Mitgestaltung. Allerdings auch viel Unsicherheit und wenig Konkretes – was der Veranstaltung an sich nicht gut tat. Vielleicht lag es daran, dass etwas Ratlosigkeit bei dem Ein oder Anderem am Ende zu spüren war. Auftakt schön und gut: Aber wohin soll die Reise gehen?

„Wenn wir ein fertiges Konzept vorgestellt hätten, wäre der Ein oder Andere nicht gerade erbaut gewesen“, so Kulturdezernent Krützberg und dies ist gewisslich wahr: Die große Angst von Einigen der Kulturszene besteht genau in diesem „Überfahren werden“ und am Ende ein Konzept vorliegen zu haben, was mit der Stadt und den Zielen der Akteure nicht vereinbar ist. Deswegen ist es gewiss gut und richtig einen Kulturentwicklungsplan nicht streng vom Schreibtisch mit Zirkel und Pauspapier zu erbauen sondern mit den Kulturschaffenden selbst zu reden. Dafür gebührt dem Kulturdezernenten uneingeschränkt Lob. Ja, durchaus. Das Heft des Handelns liegt also bei den Akteuren, die sich bis zum 20.03. bei der Stadt melden und sich den fünf Gruppen – oder vielleicht auch sechs, man wird sehen – einordnen lassen möchten. Dies können und dürfen dann auch alle Bürger der Stadt sein. Jetzt könnte man erwarten, dass man sich mit Herzblut und Lust für dieses Projekt engagieren wollen würde – sofort auf der Stelle. Nur: Flirten war nicht.

Verloren in der Offenheit

Es mag sein, dass es einfach zu wenig Informationen im Vorfeld gab und man sich als Besucher der Veranstaltung vielleicht anderes erwartet hatte als man bekam. Hätte man alleine schon die fünf Titel der Arbeitsgruppen im Vorfeld gekannt, hätte man sicherlich sich noch zu einzelnen generellen Themen seine Meinung bilden können.  Gehört die Kreativwirtschaft nicht eher in den auch kommenden Masterplan Wirtschaft? Ebenso wurde beklagt, dass der Informationsfluss im Vorfeld – die Einladung zum Event selbst – nicht optimal gewesen wäre. Manche empfanden es als zu kurzfristig und nicht jeder liest den Wochenanzeiger oder die Lokalpresse. Oder Xtranews, wir hatten den Hinweis nämlich durchaus. Wenn in Zukunft die Ergebnisse jeder Arbeitsgruppe allen anderen Gruppen zugänglich gemacht werden soll muss man an diesem Informationsfluss durchaus noch etwas arbeiten. Die Rede war von einer Webseite, auf der die Infos dann öffentlich gestellt werden. Ich frage mich natürlich: Warum denkt man nicht im Vorfeld daran so etwas zu machen? Man möchte alle Bürger informieren, kommt aber dann erst bei der Veranstaltung selbst drauf, dass es auch Menschen gibt, die keine Lokalpresse mehr im Print lesen und auch Facebook und Twitter nutzen?

Das eigentliche Problem der Auftaktveranstaltung aber war wohl eher, dass die Freiheit zu grenzenlos war. Einige knappe Thesen, einige Stichpunkte vorab hätten das Ganze etwas mehr zielgerichteter werden lassen. Es muss nun wirklich kein großartiges Gesamtkonzept sein, aber wie will man sich als Steuermann orientieren wenn man nur das Meer sieht und keinen gestirnten Himmel über sich hat? Das ist schlichtweg nicht machbar, dann steuert man nämlich aufs Geratewohl hinaus und kommt vielleicht irgendwann mal an aber nicht unbedingt da, wo man hin möchte. Vermutlich hätte sich eine rege Diskussion über einige Thesen entwickelt, vermutlich wären auch nicht alle einverstanden gewesen aber so hätte man ja wenigstens mal einige Wegweisungen gehabt. Genau das fehlte. Denn unter den Titeln der Arbeitsgruppen konnte man sich zwar was vorstellen, aber so greifbar war das alles nicht.

Kreativität gefragt

Jetzt kann man einwenden, dass das alles gar nicht so schlimm sei weil man ja selbst als Bürger jetzt alle seine Kulturwünsche zumindestens mal zu Gehör bringen kann und außerdem: Schluss mit dem Meckern! Machen ist König! Chancen wahrnehmen und so! Ja, kann man so sehen – man muss aber auch realistisch sein. Am Ende entscheidet der Rat. Das war beim Charette-Verfahren um die Bahnhofsplatte ja auch so. Letzten Endes muss man das alles Pragmatisch und nicht Idealistisch sehen: So viele Anregungen und Vorschläge jetzt auch schon gesammelt wurden, so sehr stellt sich die Frage ob das, was die Arbeitsgruppen erarbeiten tatsächlich auch umgesetzt werden wird. Diese Garantie hat keiner. Kann auch keiner geben. Auch wenn im Vorhinein abgeschwächt wurde – am Ende steht die Befürchtung, dass man viel Zeit und Engagement geopfert hat und wenig oder nicht viel umgesetzt werden kann. Mag sein, dass man dann eine schöne Zeit gehabt hat, das ist auch ein Motivationsgrund keine Frage, aber reicht das dann?

Machen ist König! Machen im Gesamtkonzept Stadt aber auch! So sehr jetzt ein Kulturentwicklungsplan auf den Weg gebracht wird, zeitgleich wird separat an einem Musterplan Wirtschaft gefeilt während man im Stadtmarketing offenbar auch noch darüber nachdenkt was man jetzt für das Image der Stadt tun kann. Warum man nicht gemeinsam mit allen Kräften einheitlich an einem Gesamtkonzept für die Stadt arbeitet? Zuviel Aufwand? Die Kreativwirtschaft in Duisburg hat ihren Ansprechpartner zum Beispiel bei der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung; dies macht sie dann automatisch eigentlich eher zu einem Punkt im Masterplan Wirtschaft wenn man das recht bedenkt und man kann sicherlich darüber debattieren wie kreativ die Kreativwirtschaft wirklich ist aber solche Querschnittsthemen gehören eben beidseitig bedacht. Künstler und Kreativwirtschaftler haben nicht dieselben Bedürfnisse, sie haben allerdings eventuell ähnliche Wünsche.

Vielleicht ist jetzt der Grundstock gelegt für einen Prozeß, der erträumenswert wäre: Eine kontinuierliche, vernetzte und von der Stadt auf Augenhöhe begleitete Zusammenarbeit für die nächsten Jahre, ein Prozeß, der nicht irgendwann abgeschlossen ist sondern der permanent das Handeln und Willen des Rates begleitet und aus dem sich Synergien für die Kultur in Duisburg her- und ableiten lassen. Das auf Augenhöhe begleitende und dabei durchaus respektierte Handeln muss dann natürlich von beiden Seiten gelebt werden. Die Frage ist nur: Kriegen wir das in Duisburg wirklich hin? Hmmmm…

3 thoughts on “Kulturentwicklungsplan Duisburg: Viel freie Fläche für viele Projektionen

  1. Wieder einmal soll es Bürgerbeteiligung in Duisburg geben: Kulturentwicklungsplan. Dazu wird eingeladen: http://www.duisburg.de/micro2/kulturbuero/

    Ich erinnere mich gut an die Entwicklung der Bürgerbeteiligung zum Haushaltsentwurf Duisburg. http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/stadt-duisburg-stellt-buergerbeteiligung-ein-id9849224.html

    Die Redaktion Bundeskongress macht derzeit allerlei Wirbel für den „13. Bundeskongress Politische Bildung – Ungleichheiten in der Demokratie“ (19.03.2015 bis 21.03.2015 in Duisburg)
    http://www.bpb.de/veranstaltungen/format/kongress-tagung/198524/13-bundeskongress-politische-bildung-ungleichheiten-in-der-demokratie

    Ich setz mal ein Gerücht in die Welt. Bei seinem Grußwort wird der Oberbürgermeister Sören Link verkünden: „Hiermit erkläre ich den Stadtwerketurm zum Mahnmal für Demokratie und Beteiligungskultur in Duisburg. Das Umfeld des Stadtwerketurms ist seit Jahrzehnten als Feinstaub-Dreckschleuder bekannt. Nach dem Abriss kommt der Neuaufbau. Sie können mir vertrauen. Dafür setze ich schon immer in Duisburg ein!“

    • HEIMAT DUISBURG Do, 12 Mrz 2015 at 23:03:12 -

      … das ist eher ein Hinweis für die Redaktion Bundeskongress Demokratie in Duisburg:

      Nicht alle Versäumnisse der Weiterentwicklung von Demokratie sind schuldhaft durch Eigennutz un Egoismus von gewisser Politikerschaft verschuldet.

      Feinstaub macht auch Demenz, so Forschungsergebnisse. http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/luftverschmutzung-feinstaub-schaedigt-das-hirn-1.1283195

      Über Vorstufen liegen bisher noch keine wissenschaftlichen Ergebnisse vor. Vielleicht wird einst nach dem Blitz-Marathon über das Flitz-Pentagon und das Witz-Parthenon berichtet?
      http://de.wikipedia.org/wiki/Parthenon

      Bekloppt durch Feinstaub? Dann hätte sich der Strukturwandel des Ruhrgebiets über Jahrzehnte selbst weggesperrt – rein organisch und absolut schuldlos. Die Deutung eines letzten Seufzers hieße dann: „Duisburger Akzente: HEIMAT“