THE BOYS – Pop-Punk, Red wine und John Wayne

„If I should lose or win, sink or swim“ summe ich daher, als ich die Lobby des Luxushotels „Hyatt Regency“ in Düsseldorf betrete. Der Ohrwurm aus dem Song „She´s the Reason“, des neuen Albums „Punk Rock Menopause“, beflügelte mich in einer eher sinkenden Phase meines Daseins. Kaum auf dem Zimmer angekommen, drehe ich dermaßen laut „The Boys“ auf, so dass vermutlich „Dee Dee Ramone“ im Himmel hellhörig wurde.

unnamed„The Boys“. Die wohl am meisten unterschätzte Pop-Punk Band überhaupt, haben damals Geschichte geschrieben mit ihrem ersten Album. Jener Einfluss war nahezu revolutionär für die Historie des Punk Rocks. An diesem Abend sollten sie im Düsseldorfer „Zakk“ spielen. Ich war mit Steve Metcalfe, dem Manager der Band, Stunden vor Einlass verabredet. Metcalfe, ein hochgewachsener, bulliger, typischer Engländer, welcher am gesamten Abend nicht einmal lächelte, drückte mir ein Bier in die Hand und deutete den Soundcheck an. So stand ich da an einem Tisch völlig alleine in der Halle, schlürfte mein Bier und konnte mein Glück kaum fassen die Jungs beim Soundcheck zu hören. Noch dazu „unmasked“, ohne Sonnenbrille, spielten Matt Dangerfield, Honest John Plain sowie Casino Steele, Bassist Nick Medlin und Drummer Martin H-Son ihre Songs runter.

Minuten nach dem Soundcheck saßen sie mir Backstage gegenüber, tranken Rotwein und erzählten. „Campino hatte den Vorschlag das neue Album bei „Wolverine Records“, einem Düsseldorfer Label, erscheinen zu lassen, was wir auch taten“ berichtete Plain und schüttete sich ein weiteres Glas ein. Wolverine Records,  seit Bestehen 1992, kein unbekanntes Punk-Label war hin und weg. Dessen Inhaber, Sascha Wolff, erinnert sich: „Ich sagte zu meiner Frau: Halt das mal bitte, ich muss mal eben auf Klo onanieren gehen.“ Daraus entstand „Punk Rock Menopause“. Menopause? Eine der typischen Folgen dessen wären Depressionen, welches alle Boys abstreiten. Plain : „Depressionen? Ich schaue John Wayne-Filme bei ein paar Flaschen Rotwein. Keine Depressionen“.

Wir kamen auf ihren berühmtesten Song, „First Time“ zu sprechen und ich war verwundert, dass sich nicht ein einziger an sein berühmtes „erstes Mal“ erinnern konnte oder wollte. „Es ist alles ein wenig verschwommen“ so Dangerfield. Sehr verschwommen war es in der Tat im schicksalhaften 1978 als ihr Album „Alternate Chartbusters“ nicht zeitig zur Tour erschien. Grund dafür waren finanzielle Probleme ihrer damaligen Plattenfirma „NEMS“. Es wäre nicht übertrieben zu glauben, dass die Boys es neben Boomtown Rats in die Charts geschafft hätten. Damals im Übrigen noch mit Duncan Reid am Bass. Dieser macht heute solo weiter und die „Boys“ reden nicht gerne und schon gar nicht galant über dieses Thema.

Auf der Bühne sehen die Jungs mit ihren Sonnenbrillen satte 20 Jahre jünger aus, liefern ein sauberes, tadelloses Set und versinken nicht ein einziges Mal in Routine. Und man merkt, dass sie in Düsseldorf ein Heimspiel haben. Spätestens als „Casino Steel“ im Fortuna Düsseldorf-Trikot zur Zugabe erscheint. Die Boys bleiben für alle Zeiten Helden des Punk Rocks. Dafür haben sie genug Songs geschrieben, die auch in 100 Jahren noch von jungen Punks gehört werden.

„Lose or win, sink or swim“….am nächsten Tag liege ich in der Badewanne des „Hyatts“. Ich gehe auch nach 50 Jahren Punk-Rock nicht unter. Dank dieser wunderschönen Lady im Wasser gegenüber. Und dank den „Boys“. „Carry on, it just begins. She´s the Reason“. Carry on, Casino, John, Matt, Mr. Metcalfe…just carry on!

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