BVMW: NRW-Konjunkturlage: Licht und Schatten im neuen Jahr

PortraitHerbertSchulte_thumb.pngAuf den Mittelstand ist auch 2015 Verlass. In seiner Konjunkturumfrage zum Jahreswechsel unter 632 nordrhein-westfälischen Mittelständlern zeichnet der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) ein grundsätzlich stabiles Bild der Konjunktur im größten Bundesland. 43 Prozent sehen eine günstigere Entwicklung ihrer Geschäftslage, während gerade neun Prozent vor einem kritischen Jahr stehen. „Nach der Vollbremsung der Konjunktur im dritten Quartal 2014 starten wir optimistisch in das neue Jahr. Unsere Umfrage weist auf eine stabile Geschäftsentwicklung in den kommenden 12 Monaten hin. Sorgen bereitet uns allerdings die nach wie vor messbare Investitionszurückhaltung unserer Betriebe“, so NRW-Landesgeschäftsführer Herbert Schulte. Nur 32 Prozent planen mehr Investitionen ein, 24 Prozent fahren ihre Investitionen zurück. Es reiche nicht aus, auf ein Zinswunder durch die Europäische Zentralbank zu hoffen. Der Staat müsse mehr tun, selbst stärker investieren und steuerpolitische Korrekturen zur Investitionsstärkung umsetzen, so Schulte.

Der Mittelstand setzt trotz des politischen Gegenwinds weiterhin auf Expansion. Das wird auch den Arbeitsmarkt mit moderatem Beschäftigungsaufbau weiter entlasten. Immerhin planen 40 Prozent Neueinstellungen und nur sieben Prozent Kündigungen. Dass bereits heute 35 Prozent unserer Unternehmen keine geeigneten Fachkräfte finden, deutet Schulte als Alarmsignal an die Politik: „Wir müssen dringend offen und ehrlich über die Chancen der Zuwanderung diskutieren und uns der Debatte mit politischen Scharfmachern stellen. Die marktschreierischen Versuche, Deutschland zu verriegeln, sind für uns im Mittelstand fatal und beschädigen unsere Willkommenskultur als Zuwanderungsland erheblich. Zudem steht die Politik in der Pflicht den intransparenten Regelungs-Dschungel unseres Aufenthaltsrechts zu durchforsten und klare Regeln zu definieren. Kanada bietet uns ein wichtiges Beispiel zur Orientierung. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden.“

Der Bundesregierung stellen die Firmenchefs indes ein schlechtes Zeugnis aus. Lediglich 12 Prozent sind zufrieden mit der Verteilungspolitik Berlins und begrüßen Maßnahmen wie die Rente mit 63 oder den Mindestlohn. „Es wird höchste Zeit, dass sich in der Großen Koalition eine Stimme der wirtschaftspolitischen Vernunft erhebt. Steigende Energiekosten, Steuerlasten und der Fachkräftemangel bereiten unseren Betrieben erhebliche Sorgen. Die Bundesregierung bleibt auch nach über einem Jahr Regierungszeit jede Antwort schuldig“, so Schulte. Auffallend kritisch äußerten sich die Mittelständler über die Bemühungen zur Digitalisierung der Bundesrepublik. 89 Prozent sehen hier enormen Nachholbedarf, so Schulte: „Unsere Infrastrukturpolitik ist mangelhaft. Die PKW-Maut ist zu einem Running-Gag geworden. Was wir brauchen, sind Investitionen in schnelles Internet und in die maroden Verkehrsträger. Auf Polit-Comedy können wir sehr gut verzichten.“

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