„Verlangen und Melancholie“

In der Stadtbibliothek Duisburg gastierten am Mittwochabend der Schriftsteller Bodo Kirchhoff und der Literaturkritiker Hubert Winkels. Die Veranstaltung des Literaturbüro Ruhr war, am Platzangebot gemessen, sehr gut besucht; so gut, dass es in den hinteren Reihen schwer fiel, den Worten der Gäste zu folgen. Kirchhoff erhob seine Stimme immer wieder – Winkels war von hinten, trotz des Einsatzes eines ihm zugwandten Tischmikrofons, kaum zu vernehmen; der Sprechabstand war zu groß.  Ich bin gespannt, ob es in den zukünftigen Räumlichkeiten der Bibliothek, die vermutlich – wer kann dies in Duisburg schon garantieren – 2015 bezogen werden, einen Veranstaltungsbereich geben wird, in dem die Mikrofone so positioniert werden können, dass ihre eventuelle Verwendung nicht bloß möglich wird.

Winkels‘ Moderatorenbeitrag kann ich nicht beurteilen, Kirchhoff bemühte sich hingegen redlich, akustisch auch für die hinteren Reihen verständlich zu sein, um seinen neuen Roman „Verlangen und Melancholie“ zu präsentieren. Der Roman wird aus der Perspektive des Kulturjournalisten Hinrich erzählt. Im Zentrum stehen Erinnerungen an Liebesbeziehungen, auch an den Tod der einstigen Ehefrau, die ein Jahrzehnt zuvor vom Goetheturm gesprungen war. Es hätte innerhalb des Romans viele Anknüpfungsmöglichkeiten gegeben, auch die sogenannte ‚Kultur‘ reflexiv einzubeziehen, dies unterbleibt jedoch weitgehend, die Aufmerksamkeit gilt dem Gefühlsmanagement. Interessant war hingegen eine von Kirchhoff gleich zu Beginn der Veranstaltung hervorgehobenen Parallelität von Schreib- und Liebeserfahrung: Beides ginge aufs Fremde, noch Unbekannte.

Bodo Kirchhoff: Verlangen und Melancholie, 448 Seiten, Frankfurter Verlagsanstalt.

Comments are closed.