Ein Ausflug ins Sexgewerbe

Die Figuren aus Clemens Meyers Roman „Im Stein“ hängen alle mit dem Sexgewerbe zusammen, dennoch ist der Roman nicht voyeristisch ausgerichtet, sondern behandelt die Figuren wie Menschen, freilich innerhalb des Milieus. Die Protagonisten wechseln, die betrachteten Zeiten, die Perspektiven, ein Buch, das Leser bedarf, die es zu schätzen wissen, wenn die Menschen, von denen erzählt wird, ernst genommen werden. Im Dunklen bleibt der auktoriale Erzähler, der die geheim belassenen Fäden in der Hand hält.

Clemens Meyer war am 17. Sept. in der Duisburger Stadtbibliothek zu Gast, begleitet vom Literaturkritiker Hubert Winkels und im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Von Sinnen – Eros und Illusion in der Literatur”, die in der Duisburg Stadtbibliothek gastierte und vom Literaturbüro Ruhr initiiert wurde. Winkels trat weniger als Kritiker denn als Gesprächsparter auf, der durch seine Fragen und Anmerkungen Meyer (Jg. 1977) vorsichtig herausforderte, etwas über sich, sein Bild in der Öffentlichlichkeit und seine Arbeitsweise preiszugeben. Szenenapplaus erhielt der Schriftsteller, als er sich als Schimi-Fan outete. Selbstverständlich las Meyer auch einige Passagen.

Unweigerlich verweist ein auktorialer Erzähler, wenn er nicht eigens konzipiert wurde, auf den Schriftsteller. Der in einer Szene beschriebe Oralverkehr, in dem die verschiedenen Abkürzungen, die im Anzeigengeschäft üblich sind, durchdekliniert werden, klang beim Vorlesen gut recherchiert und für Hörer erläuternd aufbereitet. Was kann, diese Frage stellte sich mir zum Schluss, was kann bei Hörern bzw. Lesern vorausgesetzt werden?

Auskünfte über die Reihe sind hier zu erfahren.

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