Duisburg: Kunstzensur des OB – Bürger verspotten Rechtfertigungsfiguren

Kunstzensur in der sterbenden Eisenhüttenstadt: Der Duisburger Oberbürgermeister Soren Link (38, SPD, Diplom-Verwaltungswirt) liess es sich angelegen sein, eine geplante Rauminstallation des Künstlers Gregor Schneider im Rahmen der Ruhrtriennale zu verbieten. Ein internationaler Kunstskandal brach sich mit Schmackes Bahn. Zum Schaden der Stadt. Mittlerweile verstrickt Link sich wohl in unauflösliche Widersprüche. In Sachen seiner Rechtfertigung.

Unreife Banane Link

Unreife Banane Link

Gregor Schneider wollte rund um das Lehmbruck-Museum seine Skulptur ‚Totlast‘ installieren. Ein bedrängendes, beklemmendes Raumerlebnis. Dafür ist der aus Mönchengladbach stammende Künstler bekannt und berühmt.

Duisburgs OB Link habe dies allzusehr an die Duisburger Katastrophe der Loveparade erinnert, führte der junge Mann aus. Er verbot das Kunstwerk kurzerhand in väterlichem Gepräge. Die Bevölkerung seines Sprengels wäre dazu noch nicht reif genug.

Das ganze Drama hier, in einem Storify.

Mittlerweile stellt sich die Frage, aufgrund welcher Rechtsgrundlage der OB, der auch Verwaltungschef seiner Stadt ist, gehandelt hat.

Es stellen wohl sich auch Fragen nach Schadensersatz, der Künstler spricht offen von Rechtsbruch. Der Intendant der Triennale, Heiner Goebbels spricht von Zensur sowieso.

Zu Fragen der formaljuristischen Genehmigungsversagung wirkt die Stadt wenig überzeugend:

„Es erging kein Verwaltungsakt in Form eines Bescheides oder Ähnlichem“, erklärt die Stadtpressesprecherin auf Nachfrage.

Dargetan wird gar, dass Link gar nicht entschieden habe.

Was nicht stimmt, denn OB Link hat sich zensurierend entschieden geäussert.

„Weder das Kuratorium noch der Kuratoriumsvorsitzende Sören Link hätten qua Satzung eine Entscheidung für oder gegen das Kunstwerk treffen können. Diese obliegt der Direktorin des Lehmbruck Museums.“ Lässt Link erklären.

Einbruch auf allen Fronten, verheerendes internationales Medienecho.

Um sich halbwegs über Wasser zu halten, versucht Sören Link jetzt eine neue Rechtfertigungsfigur.

Das Baurecht.

Immer gerne genommen in einer Stadt, die nach der Loveparade mit 21 in einem Tunnel zerquetschten Toten in der Folge der Verunsicherung gar per Gutachten die Brennwerte von Katzen zur Genehmigung einer Katzenausstellung für deren Genehmigung anforderte.

Auch hier gibt Link den Anderen, der Triennale, dem Künstler die Schuld.

Sein Pressestab lässt erklären:

Der uns vorliegende Bauantrag wurde nicht, wie in den Medien oft irrtümlich berichtet wird, mit 2,20 Röhrendurchmesser (Mindestdurchgangshöhe analog Landesbauordnung NRW) eingereicht, sondern war mit 1,80 nicht genehmigungsfähig. Es wurden keine weiteren Bauvorlagen eingereicht, so dass sich an der Genehmigungsfähigkeit nach Auffassung der Fachdienststelle nichts geändert hat. Er würde in vorliegender Form abgelehnt. 

Oberbürgermeister Sören Link hat immer deutlich gemacht, dass er die Problematik seiner Entscheidung aus rein künstlerischen Erwägungen vollkommen nachvollziehen kann. 

Er hat jedoch um Verständnis für die besondere Sensibilität der Stadt Duisburg gebeten. Und er hat sich eben nicht hinter dem Formalverfahren abgeduckt, welches es ihm eigentlich leicht gemacht hätte:

Bauordnungsrechtlich lag die Einschätzung der Behörde vor, dass der Antrag nicht zu genehmigen sei. 

Bezüglich der Schadensersatzforderungen. Wir sehen dafür juristisch keine Grundlage. Unseres Wissens hat die Triennale nicht vor, Schadensersatzforderungen geltend zu machen. 

Im Prinzip ist das alles Kindergeschiss.

Ein junger Oberbürgermeister, kaum aus seinem Ortsverein aus Duisburg-Walsum herausgeritten, versucht seinem Wahlvolk seine Engstirnigkeit beizubiegen.

Jedoch: Hunderte von Duisburgern machen sich mittlerweile lustig über den Provinzler. Künstler, Medienschaffende, sogar ehrbare Bürger.

Sie verspotten, sie parodieren ihn mit seinem Slogan: ‚Wir sind nicht reif. Unreif. Du Banane.‘

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