Haltlos überfordert

Die Katastrophe ‘Loveparade 2010’ ist in Duisburg immer noch unverarbeitet, obgleich die Bürger den damaligen Oberbürgermeister Sauerland (CDU) längst abwählten. Dies hängt damit zusammen, dass es bis heute keiner gewesen sein will, der Planung und Durchführung der Loveparade 2010 mit zu verantworten hat. Man ist zwar dazu übergegangen, schärfere Auflagen und Prüfungen für Veranstaltungen vorzunehmen, doch was letztlich schief gelaufen ist, haben die Beteiligten aus Politik und Verwaltung immer noch nicht begreifen wollen!

Und nun hat Oberbürgermeister Link, der politisch durch die Modernisierungskräfte der lokalen SPD protegiert wurde, eine Situation geschaffen, die in anderer Hinsicht brandgefährlich ist: Er hat die Stiftung Lehmbruck übergangen, die keine kommunale Einrichtung ist, die Ausstellung eines Kunstwerks im Rahmen der Ruhrtriennale 2014 verhindert, ein Akt, der eventuell sogar als Verfassungsbruch interpretiert werden kann. Dafür könnte man auch ihm eine Guillotine vor die Tür stellen, wie Sauerland zuvor.

Die durch Link vorgebrachten Assoziationen im Zusammenhang mit dem Kunstwerk “Totlast”, die die Loveparade-Katastrophe betreffen, gehen indes an der Sache vorbei. Beides lässt sich nicht vergleichen. Nicht nur könnte eine Massenpanik in den Räumen, Gängen und Röhren der Installation gar nicht entstehen, auch sind enge Räume in Städten durchaus nicht ungewöhnlich, z.B. im Hinblick auf Treppenschächte, Flure, U-Bahn-Tunnel oder Fahrstühle. Wenn man schon einen Vergleich bemüht, dann vielleicht mit einem Hinweis auf eine mögliche Enge, Borniertheit und Desorientierung in der kognitiven Verfasstheit.

Wie kann es geschehen, dass grundlegende Rechte wie Unversehrtheit der Person und Freiheit der Künste ins Wanken geraten. Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass solche Rechte in Deutschland eingeräumt werden. Schickt man sich in Duisburg an, es Russland, China oder Nordkorea gleichzutun, weil man öffentliche Aufmerksamkeit für wichtiger erachtet, oder, wie Sören Link gegenüber der WAZ einräumte, man nachts schlecht geschlafen hat?! Sind dies die Kriterien einer Politik, die den Strukturwandel zu bewältigen hat, einen Wandel wohin?

Handelt es sich um Fehlreaktionen aus einer schier ausweglosen Lage? Das Image des Ruhrgebiets könnte kaum schlechter sein, wird nur durch Duisburgs übertroffen, etwas, das sich auch wirtschaftlich auswirkt.  – Es sei angefügt, dass ein Image etwas ist, das von außen kommt, das sich kaum beeinflussen lässt, wie schön und gemütlich man als Betroffener den eigenen Schrebergarten auch finden mag. Doch selbst diese potentielle Einsicht kommt nicht an, nicht im Ruhrgebiet, nicht in Duisburg.

Die Stadt Duisburg demonstriert mit Links Alleingang zum wiederholten Mal, dass sie haltlos überfordert ist.

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Der Beitrag entstand für die Ruhrbarone.

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