Die Ruhrgebietsstädte im Kultur-Ranking

Landschaftspark Duisburg-Nord (6820111674) – CC BY 2.0 – Archangel12 – Landschaftspark Duisburg-Nord

Landschaftspark Duisburg-Nord (6820111674) – CC BY 2.0 – Archangel12 – Landschaftspark Duisburg-Nord

Es muss nicht verwundern, dass die Großstädte des Ruhrgebiets im Kultur-Ranking weit abgeschlagen sind. Das “Hamburger Weltwirtschaftsinstitut” hat ein solches Ranking erstellt und betont, dass die Kultur der Städte auch wirtschaftliche Entscheidungen beeiflussen kann. Das erstellte Paper (PDF) dient also letztlich als mögliches Marketinginstrument, doch kaum für das Ruhrgebiet. Im Gegenteil! Der Rat an die Wirtschaft könnte lauten: Meiden Sie das Ruhrgebiet!

Aus wissenschaftlicher Sicht kann die Studie leicht angezweifelt werden. Ein Vergleich von Städten im regionalen Strukturwandel mit solchen, die in prosperierenden Landesteilen wie Baden-Würtemberg oder Bayern liegen, berücksichtigt nicht die unterschiedlichen Voraussetzungen. Nicht das Engagement, sondern das Resultat zählt, das auch von anderen Faktoren abhängig ist: von der wirtschaftlichen Entwicklung und der Kaufkraft der Bürger. Gleichfalls kann irritieren, dass auch Länder wie Hamburg und Berlin, die über zusätzliche Ressoucen verfügen, in direkter Weise einbezogen werden. Berlin hat durch seinen Haupstadtbonus und den damit zusammenhängenden Bundesmitteln weitere Investitionsmöglichkeiten. Wirtschaftlich geht es Berlin hingegen nicht besser als den Städten im Ruhrgebiet. Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist laut Statistischem Bundesamt nicht größer.

Diese Zweifel sind im Marketing allerdings nebensächlich. Ein Ranking soll die Frage nach Attraktivität beantworten, nicht eine nach Engagement. Das Anliegen der Studie ist freilich politisch motiviert: “Der Vergleich zwischen den 30 größten deutschen Städten soll dazu beitragen, Potenziale einzelner Städte sichtbar zu machen und eventuelle Handlungserfordernisse im Kulturbereich aufzuzeigen.” (S. 3) Wie dies unter Einbezug der verschiedenen Vorraussetzungen jedoch gelingen könnte, wird verschwiegen. Es handelt sich lediglich um eine mehr oder weniger gut gemeinte Floskel.

Es gibt mit Bezug auf das Ruhrgebiet allerdings auch Positives hervorzuheben: In Bochum das Musical als auch das Festival “Bochum Total”, in Essen die Kulturproduktion, zu der auch die Bildungsarbeit der Folkwang zählt, in Essen und Duisburg die Folkwang, in Duisburg die Bibliotheken. Besonders schlecht schnitt speziell die Oper in Duisburg ab! Ihre Relevanz ist besonders gering, gleichwohl verschlingt dieses Engagement gut die Hälfte des städtischen Kulturetats.

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Der Beitrag entstand für Ruhrbarone.

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